Fulda. Eigentlich gehen meist ihre Mitarbeiter mit Werkzeugen um. Nun erhalten sie einen ganzen Baukasten voller maßgeschneiderter Werkzeuge. Die Rede ist von den Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH) Fulda, die sich im Rahmen einer Veranstaltung der Qualifizierungsoffensive des Landkreises Fulda über die Personalentwicklung in Handwerksbetrieben informierten. „Neue Werkzeuge mal nur für die Personalchefin“ lautete dann auch treffend das Thema.
Personalentwicklung als Wirtschaftsförderung
Das Gute vorweg, systematische und strategische Personalentwicklung in Handwerksunternehmen ist keine finanzielle Frage. Sie kostet jedoch Zeit. Und Zeit, so beschrieb es die Moderatorin des Abends, Qualifizierungsbeauftragte Monika Löffler-Friedrich in ihren Begrüßungsworten, ist für die in Multifunktion als Empfangsdame, Büroleiterin sowie Finanz- und Personalleiterin tätigen Unternehmerfrauen eher Mangelware. Umso mehr freute sich die Vorsitzende des Fuldaer UFH-Arbeitskreises, Ellen Simon, über das Angebot der Qualifizierungsoffensive, nicht nur die Möglichkeiten der Personalentwicklung aufzuzeigen, sondern auch ganz konkrete praktische Anleitungen und damit verbundene Fördermöglichkeiten an die Hand zu bekommen. Gut 40 Unternehmerfrauen waren der Einladung ins ITZ Fulda gefolgt. Kreisbeigeordnete Ulla Döppner überbrachte die Grüße des Landkreises und betonte, dass Personalentwicklung über die Qualifizierungsoffensive ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaftsförderung der Region sei.
Dem Fachkräftemangel entgegenwirken
Die gut 30 Unternehmerfrauen wurden im ITZ-Fulda schnell hellhörig, als Referent Dr. Markus Glasl, stellvertretender Geschäftsführer des  Münchner Ludwig-Fröhler-Instituts für Handwerkswissenschaften, ihnen die Folgen des demografischen Wandels deutlich vor Augen führte. So werde die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland von heute 44 Millionen bis 2050 um 20 Prozent auf 36 Millionen sinken. Damit sei der Fachkräftemangel, insbesondere auch im Handwerk, vorprogrammiert.
Dr.Glasl, dessen Familie in München eine Fleischerei betreibt, erläuterte, dass die Personalentwicklung ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Handwerksbetriebe sei und der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit diene. „Unternehmen, die systematisch strategische Personalentwicklung betreiben, erhalten beim Bankenrating nach Basel III eine bessere Bewertung und damit auch günstigere Zinskonditionen“. Anhand von Beispielen erläuterte er die verschiedenen Facetten der Personalentwicklung, bei der die Mitarbeiter sowohl in ihrer Fachkompetenz wie auch in der Verhaltenskompetenz und in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit gefördert würden.
KMU-Kompetenzbuch
„Was kannst du eigentlich wirklich gut?“, so formulierte Ursula Fleckner-Jung, Unternehmensberaterin aus Wetzlar, eine Schlüsselfrage im Bereich Personalentwicklung . Die Referentin stellte das im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums entwickelte KMU-Kompetenzbuch (KMU.Kom) vor, ein Instrument der Personalentwicklung zur Kompetenzerfassung, mit dessen Hilfe Mitarbeiter ihre eigenen Kompetenzen erkennen, bewerten und sichtbar machen können. Wichtig sind dabei nicht nur Zeugnisse und Gesellenbriefe, sondern auch das soziale Engagement, etwa Leistungen, die in Vereinen erbracht werden oder ganz einfach die persönlichen Hobbies. Daraus entstehe schließlich eine umfangreiche Dokumentation als Basis für das Personalmanagement der Betriebe.
Fleckner-Jung: „Das Kompetenzbuch soll sowohl den Mitarbeitern Spaß machen und ihre Stärken herausfinden und schließlich in wertschätzende Kompetenzgespräche mit den Führungskräften münden.“ Die Selbstbewertung des Mitarbeiters und die Fremdbewertung durch die Führungskraft werden in einem Kompetenzprofil abgeglichen und dokumentiert. Anhand dieser Profile könne dann eine strategische Personalentwicklung mit jährlicher Erfolgskontrolle gestartet werden.
Nur Zeit mitbringen
Im Rahmen der Wirtschaftsförderung unterstützt der Landkreis Fulda die heimischen Unternehmen besonders bei der Umsetzung des Programmes KMU.Kom, erläuterte der Qualifizierungsbeauftragte Harald Hahner. Das Kompetenzbuch könne kostenfrei für alle Mitarbeiter bestellt werden. Die Qualifizierungsbeauftragten führen die Erstgespräche mit den Unternehmen und erstellen einen Zeit- und Organisationsplan. Mit Hilfe externer Referenten würden dann die Mitarbeiter in Workshops mit der Handhabung des Kompetenzbuchs vertraut gemacht.
Zur Vorbereitung auf die Kompetenzgespräche biete man den Führungskräften zudem spezielle Kommunikationstrainings an. Alle diese Maßnahmen, so Hahner, seien für Unternehmen aus dem Landkreis Fulda in 2012 kostenfrei. „Sie müssen lediglich Zeit mitbringen“. Hahner schilderte zudem die Möglichkeit zur Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen über den Qualifizierungsscheck. UFH-Vorsitzende Ellen Simon dankte den Referenten und der Qualifizierungsoffensive und freute sich abschließend schon „auf ein spezielles Kommunikationstraining im Rahmen von KMU.Kom für die Fuldaer Unternehmerfrauen“.
Die Akteure von links nach rechts: Qualifizierungsbeauftragter Harald Hahner, Sabrina Preuß (WI-Bank), Qualifizierungsbeauftragte Monika Löffler-Friedrich, Gabriele Leipold (HWK-Kassel), Ellen Simon (Vorsitzende UFH-Fulda), Ulla Döppner (Kreisbeigeordnete), Unternehmensberaterin Ursula Fleckner-Jung, Dr. Markus Glasl (Ludwig-Fröhler-Institut) und Michael Friedrich (Projektleiter der Qualifizierungsoffensive des Landkreises Fulda).