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Kulturpreisträger, Autor und Pädagoge Walter Heller wurde 80: Rhöner Landsmann und anerkannter Schriftsteller

Fulda (mb). Der Schalk sitzt Walter Heller im Nacken. Sein Lachen ist sympathisch ansteckend. Hellwach, kraftvoll und forschend blitzen die Augen. Auch mit 80 ist Fuldas Kulturpreisträger nach wie vor ein „Hansdampf“ – vielleicht aber nicht mehr in allen Gassen. Gerne, einfühlsam und prägnant hat er geschrieben. Heute schwingt Walter Heller nicht mehr ganz so oft die Feder. „Ab und zu schreibe ich noch ein Gedicht – für Freunde“, sagt er mit angenehmer, deutlicher Stimme in seiner unnachahmlich temperamentvollen Art, mit der er ganze Generationen von Schülerinnen und Schülern für die Fächer Geschichte und Deutsch – zuletzt am Freiherr-vom-Stein Gymnasium – begeistert hat. Auch mich.„Räuber vom Teufelstein“
Gemütlich prasselt das Feuer im offenen Kamin des Wohnzimmers. Wohlige Wärme durchströmt den Raum, um dessen Tisch die Geburtstagsgratulanten Platz genommen haben. Gerne hat sich auch Fuldas Kulturdezernent Gerhard Möller die Zeit genommen, um an diesem rauen, grauen Nachmittag einem „Rhöner Landsmann“ zum 80. zu gratulieren. „Einem unserer anerkannten Schriftsteller aus der Region.“ Besonders schätzt der Oberbürgermeister an Heller, dass er den Rhönern ein „literarisches Denkmal“ gesetzt habe. Mehr noch, Fuldas Kulturpreisträger hat auch ein Stück Sozialgeschichte auf sehr eindrucksvolle Weise wiedergegeben. Dafür steht im besten Sinne  sein erster Heimatroman mit der Geschichte des „armen Teufels vom Teufelstein“: Kaspar Maul.

In seinem Buch beschreibt Walter Heller die ärmlichen Lebensbedingungen der Menschen an der Steinwand, ihr bedrückendes Schicksal. Er erzählt packend und erfrischend lebhaft, wie aus Kaspar, dem Jungen aus einem bescheidenen Tagelöhner-Häuschen der kühne „Räuber vom Teufelstein“ wird. Erfahrungen aus den Jugendjahren an der Steinwand, wo der Autor und Pädagoge aufgewachsen ist, mögen sicherlich in diesen Roman eingeflossen sein. Autobiografische Züge tragen unverkennbar der Erzählband „Findlinge“ oder Hellers griechisches Reisetagebuch.

Apropos Griechenland: Da gerät der weltläufige Dietershaner ins Schwärmen. Sieben Jahre hat er als Lehrer an der Deutschen Schule in Athen verbracht, den äußerst raren Schnee auf der Akropolis bewundert und mit Liebe und Leidenschaft in seiner Lyrik das „mediterrane Licht, in dem sogar die Schatten zu brennen scheinen, aber auch die geschichtliche, ja mythische Tiefe griechischer Orte und Landschaften beschrieben“, wie sein Kollege und Freund Gerold Effert – ebenfalls Kulturpreisträger der Stadt – zum 70. in einer Betrachtung geradezu euphorisch über ihn schreibt. Seine „heimliche Liebe“ zum griechischen Abschnitt seines Lebens hat er bildlich im Wohnzimmer eingefangen. Zarte pastellfarbene Gemälde des Künstlers und Kunstlehrers Oswald Pejas vermitteln in warmen Tönen einen stimmungsvollen Eindruck der Häuser, der südländischen Landschaft und des Meeres.

Sprachliches Denkmal
Mit seinem Standardwerk „Es haädd au nuch schlemmer konnt gewaär“, einem Mundart-Buch, hat sich Walter Heller ein „sprachliches Denkmal“ unter den Freunden des heimischen Dialekts gesetzt. Der besondere Verdienst des Autors liege darin, so notiert Gerold Effert, dass er die urwüchsig frische Sprache lautlich genau festgehalten und damit auch vor dem allmählichen Vergessen bewahrt habe wie kein anderer vor ihm. Seine Schnurren (mundartliche Geschichten) seien vielmehr als nur „Kurztexte aus vergangenen Zeiten“: weitab von rührseliger Nostalgie erscheinen darin anschaulich die meist ärmlichen Verhältnisse in der Hohen Rhön, und es leuchtet die Eigenart ihrer Menschen auf, ihre Bauernschläue, ihr Mutterwitz, ihr manchmal derber Humor, mit dem sie eine oft bedrückende Lage sprachlich zuspitzen.“

Schönheit der Dialekte
Den Weg zur Literatur, den Zugang zur Mundart hat Heller, der 1932 an der Steinwand in der Rhön geboren wurde, über das Studium gefunden. Nach dem Abitur am Fuldaer Domgymnasium studierte er in Würzburg und Marburg Germanistik, Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaften. In dieser Zeit beschäftigte er sich mit Volkskunde und Mundarten. Hellers zeitweilige Mitarbeit am Deutschen Sprachatlas in Marburg öffnete ihm durch die Forschungsarbeit den Blick für die Schönheit deutscher Dialekte. Seine ersten Versuche mit eigener Lyrik fallen ebenfalls in die Marburger Studienzeit. Fuldas Kulturdezernent hofft, dass „Walter Heller noch lange diese besondere Gabe, die heimische Mundart zu bewahren und zu vermitteln, pflegen wird.“

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