Kleinsassen. Wenn man das Glück hat, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, kann man noch Sternstunden erleben und davon genießen. So am vergangenen Sonntag in der Kunststation in Kleinsassen anlässlich eines Konzertes des Apollo Trios, bestehend aus Alexander Urvalov am Klavier, Wladimir Pletner an der Geige und Jochen Fuchs am Violoncello, alle drei Meister auf ihrem Instrument.
Sie boten ein interessantes Programm mit weniger bekannten Werken gut bekannter Komponisten, und zwar mit dem Trio élégiaque Nr.1 von Sergej Rachmaninoff, den Variationen über das Thema “Ich bin der Schneider Kakadu“ op.121a. Nach der Pause spielten sie die Klaviertrios von Claude Debussy und das Trio Nr. 1 op. 8 von Dmitri Schostakowitsch. Abgesehen von den Variationen Beethovens alles Jugendwerke, denen man aber schon unschwer das Genie der Urheber anmerken konnte.
Der Cellist führte, gestützt auf eine fundierte Vorbereitung über die Hintergründe der Entstehungsgeschichte der einzelnen Werke, erläuternd durch das Programm. Teilweise mit kurzen Hörbeispielen versehen, wurden dem Publikum so Hilfen geboten, besser in die Musikstücke einzusteigen.
Schon von den ersten Momenten an überzeugte das homogen aufeinander abgestimmte Trio durch sein differenziertes Klangfarbenspektrum. Die emotionalen Höhen und Tiefen dieses eher schwermütigen einsätzigen Trios von Rachmaninoff wurden mit wohl abgemessenem Pathos gefühlvoll ausgelotet.
Mit der sprankelnd-lebhaften Interpretation von Beethovens Variationen stellten die drei Musiker ihr klassisches Stilgefühl unter Beweis. Mit Brillanz und perfektem Zusammenspiel überzeugten sie das Publikum von ihrer Virtuosität. Wenn man bedenkt, welche Ehre der – in totale Vergessenheit geratenen – Oper “Die Schwestern von Prag“ von Wenzel Müller, welcher Beethoven das Thema für seine Komposition entlehnt hat, hierdurch zu Teil wird, muss man all jene Komponisten bedauern, die unter dem Schutz der heutigen Urheberrechte ihr geistiges Eigentum gegen Diebstahl verteidigen.
Mit pastellenen Klangfarben, kontrastiert mit spät romantischen Gefühlsausbrüchen, zauberten die Musiker in Debussys Klaviertrio genau das Spannungsfeld, in welchem Debussy sich in dieser Schaffensperiode befand, nämlich noch seinen Vorbildern aus der Romantik verpflichtet einerseits, und andererseits schon erfüllt von seinem Genius, der ihm den Ruf “des“ impressionistischen Komponisten schlechthin eintragen sollte.
Den fulminanten Abschluss, wenn man von den zwei Zugaben, mit denen die Hörerschaft für ihren warmherzigen Applaus belohnt wurde, absieht, bildete das ebenfalls einsätzige Trio von Schostakowitsch. Wie auch sein zweites Trio, ist es bereits zyklisch angelegt, erinnert aber eher an seine Karriere als Filmmusiker, als dass es schon von dem Lebensernst zeugt, der aus seinen späteren Werken spricht.
Die drei Musiker, die nicht zum ersten Mal Gast in der Kunststation waren, überzeugten wieder einmal mit ihrem Können, Alexander Urvalov als versierter Pianist zuverlässig, wie man es von ihm gewöhnt ist und von einer kammermusikalischen Einfühlsamkeit, die man bei Pianisten nicht oft als selbstverständlich erwarten kann, Wladimir Pletner mit seinem sowohl virtuosen als auch klangvoll schönem und ausgeglichenem Spiel auf einem übrigens von ihm selbst gebauten Instrument und last but not least Jochen Fuchs, der als Cellist nicht nur für das stabile Fundament und die treibende Kraft im Ensemble sorgte, sondern auch alle thematischen Passagen mit seinem warmen Timbre und solistischer Ausdruckskraft belebte.
Als Randbemerkung sei gesagt, dass sich der früherer Landrat Fritz Kramer die Ehre gab, diesem Konzert beizuwohnen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich an ihm ein Beispiel zu nehmen und somit von einer bemerkenswerten Kulturinitiative in der Biosphärenlandschaft mit zu profitieren. (Johannes Eisenmeier)