Fulda. “Immer noch müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland und weltweit für ihre ureigensten Sozial- und Menschenrechte kämpfen”, erklärt Michael Schmitt, Diözesansekretär der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Diözesanverband Fulda anlässlich des 200. Geburtstages des Mainzer Sozialbischofs Wilhelm Emmanuel von Ketteler am 25. Dezember. Der katholische Sozialverband kritisiert, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet. “Es ist ein Skandal, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland immer noch menschenwürdige Löhne versagt bleiben, weil es keinen bundesweiten gesetzlichen Mindestlohn gibt”, betonte Schmitt.
134 Jahre nach dem Tod des Mainzer Sozialbischofs ist die Forderung Kettelers nach einem stärkeren Zusammenschluss der Arbeitnehmer aktueller denn je, betont der Diözesansekretär. “Da wo Arbeiter sich organisieren, können sie für ihre sozialen und politischen Rechte kämpfen, da wo Arbeitnehmerorganisationen und Gewerkschaften fehlen, müsse der Staat sich seiner Verantwortung stellen und Dumpinglöhne und die Ausbeutung von Arbeitnehmern gesetzlich verhindern”.
Schmitt erinnerte auch an die Sozialpflichtigkeit des Eigentums, die der Mainzer Sozialbischof in seinen berühmten Adventspredigten eingefordert hat. “Kettelers Forderung ist zwar im Artikel Vierzehn des Grundgesetzes eingeflossen, doch in der bundesdeutschen Realität werden die Vermögenden weiter geschont”, kritisiert er. Die KAB setzt sich seit vielen Jahren für einen Mindestlohn sowie für eine Vermögensabgabe bei hohen Einkommen ein.
Vom Bauernpastor zum Sozialbischof
Wilhelm Emmanuel von Ketteler wurde am 25. Dezember1811 in Münster geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaft wandte er sich der Theologie zu und wurde 1844 zum Priester geweiht. Seine erste Pfarrstelle in Hopsten brachte ihm den Titel “Bauernpastor ein. Ketteler war 1848/49 Mitglied der Nationalversammlung der Frankfurter Paulskirche. 1850 wurde er Mainzer Bischof. 1871 war er Mitglied des deutschen Reichstages. Er war einer der ersten, die sich der sozialen Frage widmeten. Sein Aufruf an die Arbeitnehmer des 19. Jahrhunderts, sich zu organisieren, wurde in vielen Pfarrgemeinden befolgt. Katholische Arbeiterunterstützungsvereine versuchten noch vor der Bismarckschen Sozialversicherung die Not und das Leid der Arbeiter und ihrer Familien zu lindern. Seine Überlegungen flossen in die Sozialenzyklika Rerum Novarum von Papst Leo XIII. ein. Aus den Arbeitervereinen und ihren Zusammenschlüssen entstand die KAB Deutschlands. Bischof Ketteler starb am 13. Juli 1877 in Burghausen.