Künzell. In zwei Bildern beschreiben Freunde, Mit-Priester und Vertreter aus fünf Pfarrgemeinden ihren Pfarrer: Als Kundschafter und als Bauherren. Mit einem großartigen Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Antonius in Künzell feierte Pfarrer Rudolf Liebig sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Sein einprägender Gedanke für diesem Tag lautete: Wichtig ist, dass alle dabei sind und Gott in unserer Mitte steht. Nach einem Viertel Jahrhundert blickt Pfarrer Rudolf Liebig nicht zurück, sondern in einer bis zum letzten Platz gefüllten Kirche nach vorne. Das Leitmotiv seiner heutigen Pfarreien St. Antonius in Künzell und St. Pius in Fulda für das kommende Jahr lautet „Mit Christus Wege finden, entfalten, vernetzen.“ Dieses Leitmotiv beschreibt auch das Wirken Herrn Pfarrer Liebigs, symbolisiert auch im Jubiläumsbild der Kundschafter aus dem Buch Numeri. Zwei Männer bringen dem Volk Israel riesige Weintrauben aus dem Gelobten Land.
Festprediger Pfarrer Ulrich Schäfer fragt die Gemeinde: „Zwei Männer – welcher mag wohl Rudolf Liebig sein?“ Die Antwort ist einfach: Der Vordere. Pfarrer Liebig ist immer dabei, mit Christus einen neuen Weg zu finden und auf diesem voran zu gehen. Und zwar schnell, wie Pfarrer Schäfer aus liebevollen Klagen aus den Gemeinden weiß: „Sie rennen vorneweg und uns geht hinten die Luft aus.“ Pfarrer Liebig entdeckt nicht nur neue Wege, er will sie in seinen Gemeinden auch entfalten. Die Frucht scheint aufzugehen, das zeigt die große Menge, die zum Festgottesdienst gekommen ist.
Katholiken aus fünf Pfarrgemeinden feiern drei Stunden lang Gottesdienst mit „ihrem“ Pfarrer, dazu mit zwei Musikvereinen und zwei Chören –und einem Dutzend Mitbrüdern, allen voran Generalvikar Gerhard Stanke, einst Regens des jungen Seminaristen Rudolf Liebig im Priesterseminar in Fulda. Der Altarraum der großen St.-Antonius Kirche ist zu klein für die gesamte geweihte Festgemeinde. Im Leitbild der Gemeinde heißt es „vernetzen.“ Auch hier hat sich Rudolf Liebig als Kundschafter und Brückenbauer bewährt. In Steinau-Steinhaus hat er zwei historisch getrennten Dörfern ein gemeinsames Gemeindehaus gebaut. Dieses lebt.
Aus der Doppel-Gemeinde spielt der Musikverein „Osthessen Symphonic Winds“ (OSW) – vernetzt – mit dem St. Antonius Musikverein aus Künzell. In Künzell hat Pfarrer Liebig die städtische Pfarrei St. Pius und seine St. Antonius Pfarrei verbunden. Das klingt sehr harmonisch unter anderem im Chor „St. Pius und St. Antonius“, der gemeinsam mit dem Liederkranz Künzell singt. Der Priester von heute, sagt Pfarrer Schäfer, soll „Kundschafter der Zukunft“ sein – einer, der sich mutig in Neuland wagt, einer, der keine Angst hat vor Riesen. In diesem Fall: Keine Angst vor pastoralen Herausforderungen oder anstehenden Bauprojekten. „Ich habe immer gern gebaut“, räumt Liebig noch im Festgottesdienst schmunzelnd ein, im „Äußeren, aber auch im Inneren.“ Und im Lied zum Zwischengesang heißt es treffend: „Planen und bauen, Neuland begehn, so spricht Gott sein Ja.“
Und so hat Pfarrer Liebig überall Spuren hinterlassen. Äußerlich in Bauwerken, vom Gästehaus Marienau in Schönstatt über das Gemeindezentrum in Steinau-Steinhaus bis hin zu den zahlreichen Projekten in Künzell. Einiges davon ist bereits Wirklichkeit geworden, andere Pläne suchen noch nach ihrer Finanzierung. Die Spuren des Kundschafters Pfarrer Liebig zeigen sich aber in den Berufungen in seinen Pfarreien und in der Treue, die ihm so zahlreiche Wegbegleiter bis heute halten. Ein Zeichen der Treue überreicht die KAB in Schriftform: Die Urkunde über 25 Jahre als Präses der KAB. Grußbotschaften aus den verschiedenen Stationen seines Wirkens fügten sich ein in das gezeichnete Bild als meinungsfester Vorangeher, als Kundschafter und Bauherr.
Sie beschrieben einen Geistlichen mit festen Zielen und einem Plan, diese Ziele zu erreichen. Sie beschreiben einen Gemeindeleiter, der voran geht und dabei gerne im Großen und Genauen plant und schafft. Davon künden seine blühenden Gemeinden. Und das spiegelt sich auch im Festgottesdienst, in der Eleganz, der musikalischen Gestaltung der vereinigten Musikvereine und Chöre. Das furiose TeDeum zum Ende beeindruckt die Gemeinde mit Konzertqualität. Doch dies lässt Pfarrer Liebig als letztes Wort nicht gelten. „Wichtig ist“, so Pfarrer Liebig, „dass alle mit dabei sind.“
Und so zeigt die Gemeinde zum Ende eines gewaltigen Jubeltages noch ein kleines Raumwunder: Das im Vergleich zur Kirche doch überschaubare Thomas-Morus-Haus nimmt die ganze Festgemeinde zu Kaffee und Kuchen auf. Und so wird noch ein Sinn des Bildes der Kundschafter offenbar: Sie bringen dem Volk nicht irgendwelche Früchte, sondern Weintrauben. Und auch von dieser Seite kennen die Gemeinden ihren Pfarrer Liebig: Als einen, der nicht abseits steht, sondern bei den Menschen ist. Im Beten, im Glauben und auch im Leben, in den schweren Zeiten, doch auch im frohen Feiern.