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Werke des Bildhauers Johannes Kirsch geben Anregungen für Frömmigkeit Formensprache der Rhön als Inspirationsquelle

Petersberg. Er ist ein Mensch mit großer Gestaltungskraft, die sein Leben prägt: Johannes Kirsch hat als Bildhauer, Holzschnitzer und Medailleur schon vielem überzeugend Form gegeben. In der Region Fulda und darüber hinaus setzen seine oft religiösen Werke Zeichen. Der gebürtige Wüstensachsener war einst Hütejunge in der Rhön und konnte deren markante Formensprache verinnerlichen. Sicher gehört sie zu seinen Inspirationsquellen, wofür besonders die von Kirsch geschaffenen Brunnen stehen. Als Beispiele seien der Petrusbrunnen in seiner Wahlheimat Petersberg, die Exemplare im Horaser Zentrum und am Aschenbergplatz sowie Kirschs Lieblingsbrunnen im Garten des Üwag-Informationszentrums in der Frankfurter Straße genannt.

Dass der Bildhauer aus dem heimischen Mittelgebirge den Stein hochschätzt, verwundert nicht. Inzwischen fühlt sich der 81-Jährige für die Arbeit mit diesem Material aber nicht mehr kraftvoll genug, was ihn schmerzt: „Stein war mein künstlerisches Lebensglück.“ Er zeigt freilich auch mit Bronze und Holz, wie viel er kann. Kirsch ist ein Charakterkopf, und seine Werke haben ebenfalls Profil. Ganz deutlich wird dies an den etwa 30 ausdrucksvollen Plastiken von Persönlichkeiten aus Mythologie, Bibel und kirchlicher Tradition. Professor Dieter Wagner, profunder Kenner von Kirschs Werk, weist darauf hin, dass an diesen Arbeiten etwas „wirklich Menschliches“ abzulesen sei, und betont mit Bezug auf den Bildhauer: „Die Skulpturen sind Bronze gewordene autobiografische Zeugnisse – und zwar im Sinne von Selbstreflexion innerhalb des künstlerisch gestalteten ,Form-Spiels’ von Erinnerung und Realität.“

Ziemlich neu unter diesen Persönlichkeiten ist der alttestamentliche Hiob, der von Gott geprüft und schließlich in seinem gläubigen Vertrauen bestätigt wird. Dieser Mann mit seiner Handhaltung und seinem Blick zum Himmel wurde von Kirsch grandios ausgearbeitet. Der Betrachter spürt, dass Hiobs Geschichte den Bildhauer ergreift. „Sie steht auch für Kämpfe, wie sie jeder Mensch hat, der sich im Leben abmüht“, so Kirsch.

Seine Werke sind zahlreich und spannen manchmal Bögen: So hat er für die Elisabethkirche in Marburg ebenso einen Osterleuchter geschaffen wie für die Lioba-Grabeskirche in Petersberg. Die Turmkapelle der Petersberger Rabanus-Maurus-Kirche mit einer Pietà von Kirsch wird gern zum Beten aufgesucht: „Dass Werke von mir Anregung für Frömmigkeit geben, berührt mich“, sagt der Künstler. Anlässlich des 1175-jährigen Bestehens der Ortschaft Petersberg fand im August eine viel beachtete Ausstellung zum Thema „Spuren des Bildhauers Johannes Kirsch“ statt, initiiert von Inge und Wolfgang Hohmann sowie Ewald Scheich. Diese drei haben auch zusammengestellt, wo sich in Petersberg welche Werke des Künstlers befinden. Aus der stattlichen Liste ist ein Flyer geworden, der im Rathaus und in der Liobakirche erhältlich ist. Petersbergs Bürgermeister Karl-Josef Schwiddessen hat das Schaffen von Kirsch bei der Vernissage gewürdigt, und die Gemeinde beabsichtigt, im Nachgang zum Jubiläum bei dem Bildhauer ein Lioba-Werk in Auftrag zu geben.

Foto: Plappert

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