Hilders-Eckweisbach. „Ihr seid Hirten nachts auf dem Feld und plötzlich wird alles hell. Dieses Staunen muss man in euerm Gloooria hören“, weist Dirigent Thomas Nüdling die 30 Sängerinnen und Sänger während einer Chorprobe für das Musical „Als der Stern die Erde berührte“ an. Bereits zum fünften Mal organisiert Sylvia Reinhardt für die katholische Kirchengemeinde Eckweisbach ein großes Krippenspiel. Hervorgegangen aus einem klassischen Singspiel der Kommunionkinder, hat sich die Aufführung zu einem Highlight im Jahr entwickelt, an dem „aus jeder Familie in der Pfarrei mindestens ein Mitglied mitwirkt“, schätzt Pfarrer Carsten Noll. 85 Personen sind im Einsatz, davon viele Helfer hinter den Kulissen. Nolls Anliegen ist es, mit allen Generationen der Streugemeinde gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Tatsächlich ist der Chor bunt gemischt, allerdings nur altersmäßig, denn die weiblichen Stimmen dominieren eindeutig.
„Männerstimmen zu finden, ist immer schwierig“, erklärt der Pfarrer und ist deshalb froh, seinen ehemaligen Studienfreund Martin Stobrawe aus Bischofsheim als „Gaststar“ gewonnen zu haben. Der Zahnarzt hat so viel Spaß bei der Probe, dass er verspricht, trotz der weiten Anfahrt dabei zu bleiben. Auch Bürgermeister Hubert Blum trällert mit, aber nur an diesem Abend. Denn er ist für eine andere „Star-Rolle“ vorgesehen: Er spielt den Weihnachtsstern, der in einer Rahmenhandlung den kleinen Sternen die Weihnachtsgeschichte vorliest. „Schauspielern liegt mir mehr als Singen“, sagt er und fügt, um nicht missverstanden zu werden, schmunzelnd hinzu: „Privat.“ Zum dritten Mal wirkt er mit: Zuvor war er einmal König Herodes und ein anderes Mal der Engel Taddäus. Pfarrer Noll kann dasselbe Kostüm wie im vergangenen Jahr tragen: Wieder tritt er als Verkündigungsengel auf „mit kitschig schönen Riesenflügeln“, erzählt er.
Viktoria Dücker war vergangenes Jahr ebenfalls ein Engel, aber in diesem Jahr möchte die 14-Jährige singen. Sie schätzt besonders das Gemeinschaftsgefühl unter den Jugendlichen. Deshalb hat sie ihre Freundin Lea Schmitt überredet mitzukommen. „In der Schule singe ich nicht so gern, aber hier macht es Spaß“, sagt die 13-Jährige. Dafür sorgt Chorleiter Thomas Nüdling, für den Singen Ganzkörpereinsatz bedeutet. Gerade muss der Chor ein „Froh“ „aus den Knien heraus singen und dabei Nikolaussäcke in die Luft schleudern“.
Die sechs Musikstücke zu dem von Anna Marita Engel getexteten Weihnachtsmusical hat der 35-Jährige nach dem letzten Christfest „noch ganz im Weihnachtsfieber“ komponiert. Als Sylvia Reinhardt vergangenes Jahr erkrankte, bat Carsten Noll den Musiklehrer aus Lahrbach um Unterstützung. In diesem Jahr gestaltet sich die Aufführung zudem noch professioneller dank des Mitwirkens von Relindis Knöchelmann. Sie gehört zum Leitungsteam der Familienferienstätte Michaelshof und ist ausgebildete Theaterpädagogin und Rhythmikerin.
Anders als die Herbergsleute in der Geschichte weist Hauptorganisatorin Reinhardt niemanden ab: „Wir schaffen Rollen für alle 26 Kinder, die mitspielen möchten“, erklärt Choreografin Knöchelmann. Für die Sprechrollen wurden nach einem Casting Leonie Breitung, Irma Freier, Luisa Weber und Juliane Weber (Sterne) sowie Valentina Edelmann und Jonas Faulstich (Engel) ausgewählt. Eine Hauptrolle war bei Redaktionsschluss noch nicht besetzt: Wer wissen möchte, welches Mädchen Eckweisbachs diesjährige Maria wird, ist Heiligabend um 15 Uhr zum Gottesdienst in die katholische Kirche eingeladen, wo das Musical aufgeführt wird.
Foto: Limpert