Burghaun. Die Burghauner SPD und Bürgermeister Alexander Hohmann freuten sich am vergangenen Donnerstag über prominenten Besuch. Familienministerin a.D. Renate Schmidt war nach Burghaun gekommen, und die Burghauner Sozialdemokraten und ihren Bürgermeister in den letzten Stunden des Wahlkampfs noch einmal zu unterstützen.
Renate Schmidt, die ihren Mann für einige Tage in die Rhön begleitete, zeigte sich sichtlich beeindruckt von den Betreuungsangeboten in der Marktgemeinde Burghaun, die ihr Bürgermeister Hohmann zuvor dargestellt hatte. „Ich habe mir natürlich aus meinem Blickwinkel angeschaut, ob dieser Bürgermeister wirklich toll ist und kann nur bestätigen, ja Alexander Hohmann ist ein toller Typ. Warum? Weil er bei meinem Leib- und Magenthema der Familienpolitik ungeheuer aktiv ist“, so Renate Schmidt am Beginn ihrer Ausführungen.
Schmidt schlug anschließend den Bogen über Frage der zukünftigen Pflegesituation in Deutschland, den demografischen Wandel, die veränderte Lebenssituation von Familien und vorrangig von Kindern bis hin zur Frage der Qualitätssteigerung in der Betreuung von Kindern. Deutlich hob sie in diesem Zusammenhang hervor, dass mit dem Tagesausbaubetreuungsgesetzt (TAG) noch zu ihrer Zeit als Ministerin das Angebot für die unter Dreijährigen bis zum Jahr 2010 deutlich erhöht werde.
Hiervon profitiere nun auch die Marktgemeinde Burghaun, die sich entschlossen habe ebenfalls zwei Krippengruppen in den beiden gemeindlichen Kindergärten einzurichten. Mit einem Sonderfonds soll in den kommenden Jahren der errechnete Bedarf von ca. 35 Prozent an Ganztagsbetreuungsplätzen für die Krippenkinder erreicht werden und ab 2013 in einen Rechtsanspruch für die 1-6 jährigen auf einen Ganztags-Kitaplatz münden. Es gehe dabei nicht um die Zwangseinweisung von Babys in Krippen, sondern es solle der Schlusslichtposition in Sachen Kinderbetreuung in Deutschland ein Ende bereitet werden.
Sie unterstützt dabei die von Bürgermeister Alexander Hohmann vertretenen Position, dass mittelfristig die Gebühren für den Kindergartenbesuch abgeschafft werden müssten. Nachdem man in Burghaun bereits ein umfassendes, hochflexibles Betreuungsangebot mit einem hohem qualitativen Anspruch unter der Federführung von Bürgermeister Alexander Hohmann aufgebaut habe, sei es nun der logisch richtige Schritt, sich über die Gebührenabschaffung Gedanken zu machen.
Fortsetzten müsste sich, nach Meinung von Renate Schmidt, die Betreuung unserer Kinder in modernen Ganztagsschulen, die nicht die Verlängerung des Unterrichts am Nachmittag bedeuteten, sondern mit neuen Unterrichtsformen die Freude am lernen nicht schon in der dritten Klasse erstickten „Schülerinnen und Schüler müssen individuell gefördert, statt kollektiv eingeteilt und ausgegrenzt werden“, so die ehemalige Familienministerin.
Zum Abschluss ging Schmidt auf die gesellschaftliche Stellung von Familien und Kindern ein. Die bundesdeutsche Gesellschaft habe sich zunehmend ganz gut in einem Leben ohne Kinder arrangiert, dass Land sei „kinderentwöhnt“., Kinder würden nicht wirklich vermisst. Hier müsse zukünftig der Hebel angesetzt werden.
„In unserem kinderentwöhnten Land, in dem Verkehrslärm eher hingenommen wird, als der Lärm spielender Kinder, in der ein kinderloses Paar in Begleitung einer mannshohen Dogge eine größere Chance hat eine Wohnung zubekommen, als ein Paar mit zwei kleine Kindern, in der Kinder immer mehr als Nachteil empfunden werden, als Mühsal, Sorge, Plage, als Störfaktor in Beruf und Freizeit, gilt es, Kinder in den Mittelpunkt zu stellen und nicht das „Humankapital“, den Familienlastenausgleich, das Ehegatten- oder Familiensplitting oder die Rentenversicherung. Nur so wird die Lust auf Kinder gesteigert und damit die Lust am Leben und der Optimismus der gesamten Gesellschaft“, so Renate Schmidt abschließend.