Fulda/Alsfeld. Eines der größten Bahnbauprojekte in Mittelhessen ist abgeschlossen. Mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember übernimmt die Hessische Landesbahn (HLB) den Schienenverkehr auf der 106 Kilometer langen Strecke zwischen Limburg-Gießen-Fulda und weiter bis nach Gersfeld.
West-Ost Achse
Rund 24,6 Millionen Euro Bundesmittel flossen im Rahmen des Konjunkturprogramms II in die Modernisierung der West-Ost Verbindungsachse. Weitere 4,4 Millionen Euro investierte die Bahn in Gleisumbauten und Schienenwechsel. Auf den drei Teilstrecken der Lahntalbahn (RB 25), der Vogelsbergbahn (RB 35) sowie der Rhönbahn (RB 52) setzt die HLB 23 neueste Dieseltriebwagen des Herstellers Alstom vom Typ Coradia LINT 41 ein. Vor allem die Vogelsbergbahn profitiert vom Einsatz dieses modernen Triebwagentyps und der Streckenmodernisierung.
Statt bisher maximal 90 Kilometer können die gelb, rot, grauen HLB-Züge in Zukunft mit bis zu 120 Stundenkilometern die Strecke befahren. Das bringt einen Fahrzeitgewinn von 20 Minuten und ermöglicht so erstmals einen Stundentakt zwischen Gießen und Fulda. Mit einer Sternfahrt und Feier im Alsfelder Bahnhof stimmten die Partner, der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) als Auftraggeber des Schienenverkehrs, die Hessische Landsbahn als Betreiber sowie Vertreter der Bahn und der beteiligten Gebietskörperschaften, darunter Landrat Rudolf Mary für den Vogelsbergkreis (CDU) sowie Fuldas Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU), auf die Veränderungen ein.
Geschenk
Einig waren sich alle Redner darin: Die Verbesserung der Strecke und der Fahrzeuge sind ein echtes „Geschenk“ – sowohl für die politisch Verantwortlichen als auch vor allem für die Bahnkunden. Schüler, Berufspendler, aber auch Ausflügler erwarten in den hochmodernen Zügen neben einem verbesserter Service mehr Qualität. So wird es in den Dieseltriebwagen nach Worten des RMV Geschäftsbereichsleiters Bestell- und Infrastruktur Kai Daubertshäuser selbstverständlich eine Klima- und Videoanlage geben. In den besonders gefragten Zeiten wird die Vogelsbergbahn neben dem Stunden-, sogar einen Halbstundentakt bieten können.
Sichtlich stolz auf das Ergebnis war Gisbert Brauner, Leiter Vertrieb und Fahrplan Region Mitte der DB Netz AG. Mit Argumenten habe er überzeugen können, so dass 2009/2010 die Planungen für die Modernisierung aufgenommen werden konnten, in deren Verlauf über 24 Millionen Euro investiert wurden. Unter anderem mussten 40 Kilometer Gleisstrecke sowie vier Brücken an die erhöhten Geschwindigkeiten angepasst werden. 61 Bahnübergänge erneuerte die Bahn. Für Landrat Rudolf Marx bedeuten die gravierenden Neuerungen auf der Vogelsbergbahn ein „Verkehrsgeschenk“ ein halbes Jahr vor Ende seiner Amtszeit. Die „Transitstrecke“ zwischen Gießen und Fulda habe an Strecken-Attraktivität gewonnen. Künftig könnten die Fahrgäste „gleitende Züge mit hervorragender Technik“ erleben, sagte Marx, der an seine eigenen Erfahrungen aus der Dampflockära erinnerte. Die Bahn bat der Landrat, sich der Bahnhöfe entlang der Strecke anzunehmen, insbesondere dem Lauterbacher. Denn sie seien Aushängeschilder.
Attraktiver machen
Vom einem „runden Tag, der mit Freude erfüllt“ sprach Fuldas OB Gerhard Möller. Vor wenigen Tagen habe er ein Buch mit Fuldaer Bahn Motiven vorstellen können. Darin werde deutlich, wie wichtig es ist, Verbindungen nicht zu vernachlässigen, sondern noch attraktiver zu machen. Vor 40 Jahren, so gestand Möller, sei er zuletzt als Student auf der Strecke Fulda/Gießen gefahren. Die nun erfolgte Modernisierung sei ein „schönes vorweihnachtliches Geschenk“. Fulda profitiere insbesondere von der Verbindung in die Rhön hinein, aber auch als Knotenpunkt des Fern- und Querverkehrs der Bahn.
Auch für die Lahntalbahn bedeutet der Fahrplanwechsel einen Gewinn. Neben dem Stundentakt gebe es ein verbessertes Angebot. Außerdem konnten drei Stationen modernisiert werden, wie Dirk Plate, Geschäftsführer der Lokalen Nahverkehrsorganisation Lahn-Dill-Weil erläuterte.
Zusammenhängendes Netz
„Endlich geschafft“ mag HLB Geschäftsführer Veit Salzmann bei der Feier im Alsfelder Bahnhof gedacht haben. Denn er freute sich darüber, dass der HLB gelungen sei, was vor zehn Jahren angedacht worden war, nämlich ein zusammenhängendes Netz in Hessen zu bekommen. Bahnkunden könnten nunmehr mit der Hessischen Landesbahn von Kassel über Fulda und Gießen nach Koblenz fahren. Das HLB Erfolgsmodell soll nun auch in anderen Regionen umgesetzt werden. Verbindungen von Treisa nach Kassel und von Kassel nach Leipzig sollen in den nächsten Jahren ihren Betrieb unter Landesbahn Regie aufnehmen. Auch im Busverkehr will die HLB nach Salzmanns Worten aktiv bleiben. (mb)
Weitere Infos unter: www.rmv.de.