Fulda. Vor ein paar Monaten war noch alles gut. Die junge Frau Nina ging zur Schule, der Abschluss war zum Greifen nahe, eine Lehrstelle in Sicht. Doch plötzlich ist alles anderes. Die junge Frau füllt sich schlecht, hat Muskelschmerzen, sie hustet. Sie inhaliert, trinkt viel und legt sich ins Bett. Sie erhält ein Antibiotikum, doch der Husten geht nicht weg. Im Gegenteil, es wird schlimmer, der Husten wird blutig, das Atmen fällt schwer. Die junge Frau fühlt sich jeden Tag schlechter. Die erneute Vorstellung beim Hausarzt zeigt eine erhebliche Einschränkung der Funktion der Lungen, die Entzündungswerte sind angestiegen und die Nierenfunktion versagt. Nina wurde ins Klinikum Fulda eingeliefert. Dort wird die Diagnose einer schweren Autoimmunerkrankung gestellt, einer Vaskulitis, die Lunge und Niere angreift.
Das Immunsystem des Menschen hat die Aufgabe, den Körper vor Eindringlingen wie Bakterien und Viren zu schützen. Bei den Autoimmunerkrankungen reagiert das Abwehrsystem zu stark bzw. falsch. Körpereigene Strukturen und Gewebe werden als Fremdkörper behandelt und angegriffen, der Mensch wird krank. Dabei spielen Antikörper, die je nach Art der Erkrankung gegen unterschiedliche Zellen und Gewebe gerichtet sind, eine wichtige Rolle, sie werden Autoantikörper genannt. Häufig sind dabei die Nieren betroffen. Versagen die Nieren, kann  in der Medizinischen Klinik III (Nephrologie) im Klinikum Fulda die Nierenfunktion durch eine Dialyse ersetzt werden. Das Team um Frau Prof. Dr. Marion Haubitz stellt alle Nierenersatzverfahren zur Verfügung. Das fehlaktivierte Immunsystem kann mit Medikamenten unterdrücken. Falls dies nicht ausreicht, können die Antikörper aus dem Blut entfernen. Das geschieht im Rahmen Plasmapherese oder Immunadsorption. Beide Verfahren werden im Klinikum Fulda angeboten.
Die Plasmapherese
Bei der Plasmapherese wird das Plasma, der flüssige, zellfreie Teil des Blutes, der unter anderem die Autoantikörper enthält, ausgetauscht. Wie geht das vor sich? Blut wird langsam und kontinuierlich über eine Armvene oder einen Katheter entnommen. Mit Hilfe eines Plasmapheresegeräts, das wie eine Dialysemaschine aussieht, werden Plasma und Blutzellen getrennt. Die Blutzellen fließen wieder zum Patienten zurück, das Patientenplasma wird durch eine Lösung, die Elektrolyte und Albumin enthält, oder durch Plasma von gesunden Blutspendern ersetzt.
Die Immunadsorption
Bei der Immunadsorption wird das Plasma über eine „Säule“ geleitet, die die Antikörper bindet und somit das Blut von gefährlichen Autoantikörpern befreit.Beide genannten Verfahren werden auch bei Erkrankungen anderer Fachdisziplinen erfolgreich angewandt, so beispielsweise bei neurologischen Erkrankungen wie der Myasthenia gravis (Muskelschwäche) und bei bestimmten Formen der Multiplen Sklerose. Auch Nina konnte geholfen werden und eine dauerhafte Dialysepflichtigkeit wird verhindert. „Wir sind sehr froh, dass diese Verfahren unsere therapeutischen Möglichkeiten so verbessert haben“, sagt Professorin Haubitz.