Wiesbaden / Fulda – „Hochschulbibliothek, Landesbibliothek und Stadtbibliothek unter einem Dach – dieses Projekt hat Modellcharakter, denn es ist von hoher bildungs-, wissenschafts- und gesellschaftspolitischer Bedeutung.“ Das hat Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann bei der Eröffnung der durch einen Anbau an die Hochschul- und Landesbibliothek integrierten Centralbücherei des Büchereiverbunds Fulda e.V. hervorgehoben: „Damit wird das schon bestehende Medien- und Informationszentrum um rund 30.000 Medien aus dem Kinder- und Jugendbereich auf nunmehr 750.000 Medien ausgebaut. Unterschiedliche bibliothekarische Aufgaben werden zusammengeführt sowie Angebot und Service für alle Nutzer erweitert. Die gemeinsame Bibliothek wird ein weiteres Bindeglied zwischen Hochschule und Region sein und damit die Hochschule Fulda noch stärker in den Blickpunkt der Bürgerinnen und Bürger rücken.“
Oberbürgermeister Gerhard Möller sagte: „Für die Stadt und mich persönlich geht der lang gehegte Wunsch eines gemeinsamen Standortes für alle Funktionen und Nutzer einer Bibliothek in Erfüllung. Die beengten Verhältnisse der Zentralbücherei waren auf lange Sicht nicht zukunftsfähig. Dank der Unterstützung des Landes und der Hochschule ist nun ein beispielgebendes Modell realisiert worden.“
Der Präsident der Hochschule Fulda, Prof. Dr. Karim Khakzar, sagte, dass mit dem deutlich erweiterten Angebot im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur insbesondere junge Nutzer und Familien angesprochen werden: „Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn möglichst viele junge Menschen bereits zu einem frühen Zeitpunkt den Kontakt zur Hochschule aufnehmen und sich vermehrt für wissenschaftliche Themen interessieren.“
Der Anbau hat eine Nutzfläche von etwa 750 Quadratmetern. Er beherbergt die Buchbestände der Centralbücherei, die in Fulda bisher die Funktion einer Stadtbibliothek übernommen hatte, Teilbestände der Hochschul- und Landesbibliothek sowie Arbeitsräume des Fachpersonals. Im Obergeschoss ermöglicht ein teilbarer Multifunktionsraum die Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz für unterschiedliche Nutzergruppen wie zum Beispiel Schüler, Studierende oder Senioren. Ein erweitertes Zeitungs- und Zeitschriftenangebot finden die Nutzer im Lesecafé im Erdgeschoss.
Das Land hatte der Stadt das erforderliche Grundstück unentgeltlich übereignet. Darüber hinaus erhält die Kommune zur Finanzierung des Anbaus einen Landeszuschuss aus den Bibliotheksmitteln des Kommunalen Finanzausgleichs in Höhe von 600.000 Euro.
Ministerin Kühne-Hörmann hob hervor, dass die Förderung dieses Projekts Teil der systematischen Förderungen öffentlicher Bibliotheken durch das Land sei: „Jedes Jahr werden öffentliche Büchereien aus den Mitteln des Kommunalen Finanzausgleichs mit 1,2 Millionen Euro unterstützt. 2011 werden zudem 71 größere und kleinere Projekte an öffentlichen Bibliotheken gefördert. Dabei werden über die genannten 600.000 Euro für die Fuldaer Einrichtung hinaus insgesamt knapp 1,4 Millionen für Bauvorhaben, Beschaffung von Büchern und elektronischen Medien, Verbesserung der Einrichtungen und der EDV-Ausstattung eingesetzt.“
Bereits im Jahr 2000 hatten das Land Hessen, die damalige Fachhochschule Fulda und die Stadt Fulda einen Kooperationsvertrag geschlossen, der den Erhalt der Hessischen Landesbibliothek Fulda über die Integration in die Fachhochschule Fulda und die Kostenbeteiligung der Stadt Fulda zum Gegenstand hatte. Die daraus resultierende außerordentlich positive Entwicklung der Hochschul- und Landesbibliothek war Anlass für das Land Hessen, die Hochschule und die Stadt, diese Zusammenarbeit zu vertiefen und in einem Modellprojekt eine Hochschul-, Landes- und Stadtbibliothek zu betreiben.
Daher wurde die bisherige Abmachung durch den erweiterten Kooperationsvertrag vom 19. August 2011 ersetzt, der zusätzlich die Zusammenführung der Hochschul- und Landesbibliothek Fulda und der Centralbücherei regelt. Dadurch wird nicht nur die sonst übliche funktionale Trennung zwischen wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken in Fulda erstmals überbrückt. Alle Beteiligten bekräftigen damit gleichzeitig auch ihr ununterbrochenes Engagement für diese Bibliothek.
„Wir verbinden mit diesem Projekt die Hoffnung, dass diese Bibliothek zu einem sozialen Ort wird, mit dem es gelingt, die verschiedenen Generationen und Bildungsstufen vom Kindergartenkind über Schülerinnen und Schüler, Studierende, erwachsene Leserinnen und Leser bis hin zu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern näher zusammenzubringen“, resümierte Ministerin Kühne-Hörmann.