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Impressionen eines Traumwandertages von Regina Rinke

Wildflecken/Kreuzberg. „Wenn die Wetterlage so anhält, wie vorausgesagt, dann erwarten wir 8000. bis 10.000 Besucher am kommenden Wochenende“, sagte Pater Stanislaus vom Kloster Kreuzberg bei einer Zusammenkunft in Bad Neustadt am vergangenen Dienstag. Und die Wetterfrösche behielten recht.

So machte ich mich rechtzeitig am Sonntag, dem 2. Oktober, hinauf zum Besuch der Hl. Messe. Am Parkplatz herrschte gähnende Leere, „Das wird sich bald ändern“, dachte ich mir. Vom Cafe „Elisäus“ aus, wo ich mir ein gutes Frühstück leistete, konnte ich die Kirchenpforte beobachten, als die Gläubigen zur 11.00 Uhr Messe strömten. Bald fiel mir der Gästebucheintrag von Kardinal Faulhaber ein, der geschrieben hatte: „Zum Kreuzberg hinauf geht ein endloser Zug, die einen zum Kreuz, die anderen zum Krug“! Für diesen Sonntag ergab die Bilanz meiner Beobachtung: Recht viele zum Kreuz, denn gar mancher fand im Gotteshaus keinen Platz mehr.

Natürlich entschloss auch ich mich zu einer Wandertour hinauf zum Gipfelplateau. Abseits es Hauptweges kannte ich verschlungene Pfade, auf denen mir kein Wanderer begegnete. Ein Blick durch die uralten Bäume hinunter zum Parkplatz verhieß mir nichts Gutes. Unzählige Karossen blinkten in der Sonne. Am Hauptwanderweg erspähte ich eine Bank, die sich mir zum Verweilen anbot. Ich genoss die herrliche Aussicht – sie war überwältigend. Das empfand nicht nur ich so. „Das ist hier wirklich ein Traumweg“, hörte ich eine Wanderin ausrufen, „man läuft wie auf einem Teppich!“. Der Gipfelbereich ist von zahllosen Pfaden durchzogen, verlaufen kann sich kaum jemand. Dennoch wurde ich gefragt, wie man denn zu den 3 Kreuzen gelange. „Halten Sie sich dort vorn links, dann steuern Sie gerade darauf zu“. Auch ich habe die Kreuzigungsgruppe ansteuern wollen, nahm aber den Weg durch die Reste des Keltenwalles, von dem kaum jemand Notiz nimmt, weil keine Tafel darauf aufmerksam macht. Bekanntlich war der „Aschberg“ wie er früher hieß, eine heidnische Kultstätte.

Was mich dann am „Ziel“ erwartete, übertraf alle meine Vorstellungen. Menschen über Menschen – sie lagerten auf den Wiesen, die Bänke waren ständig „besetzt“ und ein persönliches Foto an der Kreuzigungsgruppe, dem Wahrzeichen des Kreuzberges, war an diesem Sonntag nicht möglich. „Schau, das dort weit in der Ferne, das ist die Wasserkuppe, wo wir gestern waren“, erklärte eine junge Frau ihrem Sohn.

Ich entfloh bald dem Gewimmel und suchte einen Pfad zur „Grotte“, den ich vor mehr als 30 Jahren einmal gefunden hatte. Meine Entscheidung war genau richtig. Hier herrschte Ruhe! Nur eine Familie mit Kindern und Enkeln begegnete mir – sonst war ich allein. Ich entdeckte ein Basaltblockmeer, von dem ich bis dato nichts wusste. Die Grotte war reich mit Blumen geschmückt, die gepflegte Anlage lud zur Besinnung ein.

All das, was ich bisher erlebt hatte, war nichts gegen den Anblick des Parkplatzes. Fast wäre ich nicht herausgekommen, denn „man“ parkte, wo nur wenige cm frei waren. Und auf der Heimfahrt gegen 14.00 Uhr kamen mir immer noch ganz viele Autos entgegen, die wohl alle das eine Ziel hatten: Kreuzberg! (Regina Rinke, Wildflecken)

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