Fulda. Der renommierte Moskauer Organist Alexander Fiseisky wird am 25. Juni um 12.05 Uhr im Fuldaer Dom zu hören sein. Mit Werken von Bach und Rjabow wird ein deutsch-russischer Brückenschlag Realität, der durch den Titel des Stückes von Rjabow „Zwölf Blicke zum Dom von Sevilla“ bis Spanien reicht. Geburtsstadt von Rjabow ist Tscheljabinsk, im Ural gelegen, das bis heute der Orgelmusik ein Forum bietet. Der Kostenbeitrag für die Orgelmatineen beträgt 3,50 € (ermäßigt 2,50 €).
Professor Alexander Fiseisky wurde in Moskau geboren, absolvierte am dortigen Konservatorium sein Studium in den Fächern Klavier und Orgel mit Auszeichnung und gilt heute als der bedeutendste und einflussreichste Organist Russlands. Er ist Solo-Organist der Moskauer Staatlichen Philharmonischen Gesellschaft, Direktor der Orgelabteilung an der Russischen Gnessin Musikakademie, Präsident des Wladimir Odojewskij Orgelkunstzentrums, Berater bei Orgelneubauten, Mitglied im Gremium, das den Ausbildungsstandart im Fach Orgel an sämtlichen Musikakademien Russlands festlegt, künstlerischer Direktor vieler internationaler Orgelfestivals, Jurymitglied bei internationalen Wettbewerben.
Im Bachjahr 2000 führte er viermal in Deutschland das Gesamtorgelwerk von J. S. Bach auf, davon zweimal im Rahmen der EXPO 2000 in Hannover, und in Düsseldorf an einem einzigen Tag als Bach- Marathon. Hierfür wurde in Moskau eine Eintragung ins Buch Rekorde des Planeten Erde vorgenommen. Ihm sind zahlreiche Werke zeitgenössischer Komponisten gewidmet, und seine musikwissenschaftlichen Veröffentlichungen (u. a. Anthologien Orgelmusik in Russland, Orgelmusik im Baltikum, Bärenreiter- Verlag) finden starke Beachtung im In- und Ausland. Alexander Fiseisky ist Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Im Jahr 1997 wurde er von Präsident Jelzin mit dem Titel Verdienter Künstler Russlands ausgezeichnet. Weitere Informationen unter www.fiseisky.de.
ORGELMATINEE
Samstag, 25. Juni 2011
12.05 – 12.35 Uhr
Programm:
J. S. Bach (1685 – 1750) Fantasia und Fuge a-Moll, BWV 561
Wladimir Rjabow (*1950) Zwölf Blicke zum Dom von Sevilla, op. 51
An der Domorgel: Alexander Fiseisky, Moskau, Russland
Fantasie und Fuge a-Moll gibt einige Rätsel auf
Unklar ist, ob das Werk wirklich für Orgel gedacht ist und die Bassstimme tatsächlich im Pedal auszuführen ist und letztendlich auch, wer der Autor des Werkes ist. Wie bei der berühmten d-Moll-Toccata ist auch hier von der Werkstruktur her die Autorschaft Bachs nicht unbedingt zweifelsfrei gegeben. Peter Williams, der ein umfangreiches Werk über Johann Sebastian Bachs Orgelwerke herausgegeben hat, hält eine Autorschaft von Kittel für möglich, präferiert aber Spekulationen, die es Wilhelm Friedemann Bach zuschreiben.
Die Formstruktur ist Präludium – Fuge – Postludium in ähnlichen Proportionen wie bei der d-Moll-Toccata. Anklänge an Buxtehude sind spürbar, besonders in den sostenuto- Passagen, die an alte durezza-Klänge erinnern. Laut Peter Williams stützt sich die Fuge trotz eines eigenständigen Themas stark auf Figuren älteren Typs. Letztendlich stellt der Schluss der Fuge in der „falschen“ Tonart und die Art von etwas problematischen Sequenzen doch die Autorschaft Bachs in gewisse Zweifel. Ein Autograph ist natürlich auch nicht vorhanden, lediglich Abschriften aus dem 19. Jahrhundert.
Wladimir Wladimirowitsch Rjabow
wurde 1950 in Tscheljabinsk geboren. Er besuchte das Konservatorium in Moskau und studierte dort Klavier und Komposition, seinen Abschluss als Komponist machte er jedoch am Musikpädagogischen Institut “Gnessin” in Moskau. Rjabow unterrichtete dann 1977/78 an den Konservatorien in St. Petersburg (Leningrad) und Jekaterinenburg (Swerdlowsk) Komposition und promovierte 1979 am Konservatorium in St. Petersburg. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Tätigkeit, darunter den 1. Preis des renommierten Internationalen Kompositionswettbewerb Sergej Prokofieff (1991). Seine Musiksprache basiert auf einer universellen Technik, verbindet Folklore, orthodoxe Kirchenmusik und klassische Traditionen.
Seine Leitsterne sind Mozart, Beethoven, Chopin, Liszt, Brahms, Sibelius, Tschaikowskij, Rachmaninow und Prokofieff. Zu seinem Oeuvre zählen Sinfonien, Werke für großes Orchester, Streichquartette, Chor-Kirchen- und Klaviermusik, Filmund Schauspielmusik, Musik für Kinder. Darüber hinaus entstanden auch diverse Werke für Orgel. “Zwölf Blicke zum Dom von Sevilla” ist der erste Teil des großen Überblicks “Europäische Kathedralen”. In der genannten Komposition folgt er in seinen polyphonen Variationen der Tradition des frühen polyphonen Stils, in der Ausprägung von Guillaume de Machaut. Erst in der letzten Variation verlangt der Komponist den vollen Orgelklang.
Weitere Informationen zu den Orgelkonzerten im Fuldaer Dom finden Sie unter www.orgelmusik.bistum-fulda.de.