Fulda. Ein höchst sensibles Thema – das ist der Bereich Abwasserbeseitigung. Er umfasst den Bau und Betrieb sowie die Finanzierung von Kanalisationen, Kläranlagen und Mischwasserentlastungsanlagen. Umso mehr freut sich Diplom-Ingenieur Otto Bildhäuser vom Fachdienst Wasser- und Bodenschutz des Landkreises Fulda, „dass unser Verbund sehr gut funktioniert“. Das Geheimnis? „Alle Beteiligten arbeiten Hand in Hand, jeder steht dahinter und identifiziert sich auf unterschiedlichste Art und Weise eng mit ’seiner’` Anlage“.
Foto: Max Colin Heydenreich
Dieser Verbund besteht aus Abwasserbeseitigungspflichtigen wie Kommunen, Abwasserverbänden oder auch Privatpersonen sowie den für die Wartung Verantwortlichen und den Klärwärtern. Überhaupt wird der Wartung und Betreuung durch Kommunen, Ingenieurbüros und zertifizierten Fachberatern eine hohe Bedeutung zuteil. Bildhäuser: „Neben regelmäßiger Fortbildung stehen diese im engen Kontakt mit der zuständigen Fachbehörde des Landkreises, also mit uns.“ Denn Probleme und Störungen – hervorgerufen durch Belastungsschwankungen wie Witterungseinflüsse oder durch mechanische und auch bauliche Verschleißerscheinungen – müssen schnellstens behoben werden, um so einen möglichst guten Gewässerschutz zu gewährleisten.
Nahezu die gesamte Bevölkerung (etwa 95 Prozent) des Landkreises Fulda ist inzwischen an öffentliche Kläranlagen angeschlossen. Nur noch ganz vereinzelt entsorgen abseits gelegene Höfe und Weiler ihr Abwasser in Hauskläranlagen, was in naher Zukunft allerdings auch zu Ende gehen wird. Das Ziel, alle anfallenden Abwässer durch einen Anschluss an eine öffentliche Abwasseranlage oder als private Einzellösung vollbiologisch zu reinigen, ist fast durchgehend erreicht. Wie jedoch leicht nachvollziehbar, sind die noch verbleibenden Aufgaben die schwierigeren und erfordern einen teilweise sehr intensiven Aufwand.
Bis zu 90 Prozent der anfallenden Abwässer werden in einem so genannten Mischsystem (Mischkanalisation) entsorgt. Dies bedeutet, dass Haus-, Industrie- und Niederschlagsabwässer gemeinsam abgeleitet werden. In den vergangenen zwei Jahrzehnten seien allerdings verstärkt Abwasseranlagen im Trennsystem (Trennkanalisation) ausgebaut beziehungsweise erweitert worden. So Bildhäuser. Dies betreffe besonders Neubaugebiete, aber auch kleinere Ortsteile und abgelegene Weiler. In diesem Falle würden Schmutzwässer in einem Kanal abgeführt, die Niederschlagsabwässer in einem anderen Kanal oder in Gräben.
Im Landkreis Fulda gibt es zwei Abwasserverbände: den Abwasserverband „Oberes Fuldatal“ und den Abwasserverband Fulda. Laut Otto Bildhäuser beträgt die Kanallänge im ganzen Kreis, ohne die Entwässerungsleitungen auf den privaten Grundstücken, rund 3000 Kilometer. „Neben 60 kommunalen Kläranlagen stehen in unserem Gebiet noch rund 500 private, vollbiologische Kleinkläranlagen sowie etwa zehn gewerbliche Kläranlagen“, so der Fachmann der Wasserbehörde. Seiner Aussage zufolge sind im Landkreis Fulda während des vergangenen Jahrzehnts gut 100 Millionen Euro in die Kanalisation investiert worden, wobei das Land Hessen die Kommunen mit knapp 30 Millionen Euro unterstützt hat. Die Förderung ist Ende 2008 ausgelaufen; derzeit würden noch verschiedene Maßnahmen abgearbeitet, „damit bis auf den kleinsten Weiler alle Abwässer voll biologisch gereinigt werden“.