Kleinsassen. Hermann Hesse (1877-1962), einer der erfolgreichsten Schriftsteller aller Zeiten, Literatur Nobelpreisträger, Autor des „Steppenwolf“, der „Siddharta“, „Narziß und Goldmund“ und anderer berühmter und viel gelesener Werke, war auch Maler. Mit der Ausstellung „Farbe ist Leben“, die am Sonntag, 29.05., um 11 Uhr durch Volker Michels, den Herausgeber sämtlicher Hesse-Werke eröffnet wird, präsentiert die Kunststation Kleinsassen ausgewählte Werke des Künstlers. Die Ausstellung dauert bis zum 25.09.2011. Kurator der Ausstellung ist Günther Troll.
Mitten im Ersten Weltkrieg und als Selbsthilfe während der gefährlichsten Zeit seines Lebens im Alter von fast vierzig Jahren hatte Hesse zu malen begonnen. Zunächst illustrierte er Handschriften eigener Gedichte und verkaufte sie als bibliophile Kuriositäten an Liebhaber, um Geld für seine Kriegsgefangenenfürsorge zu erschließen, nach dem Krieg und während der Inflationsjahre aber um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. “Jetzt wo die Geldverhältnisse mich als Dichter fast brotlos machen”, schreibt er 1920 in einem Brief, „beginne ich von der Malerei zu leben“.
Darüber hinaus war das Malen für Hesse „eine Art von Ausruhen, eine Befreiung von der verfluchten Willenswelt und ein Mittel, um Distanz von der Literatur zu gewinnen”. „Nicht, dass ich mich für einen Maler hielte”, schrieb er 1925, „aber das Malen ist wunderschön. Man hat nachher nicht wie beim Schreiben schwarze Finger, sondern rote und blaue.”
Nach autodidaktischen Anfängen mit gedämpften Temperatönen erweitere sich Hesses Aquarellpalette seit seiner Übersiedlung in die südliche farbenfrohe Landschaft des Tessin um die leuchtende Skala des Expressionismus. Louis Moilliet, der gemeinsame Malerfreund Hesses und August Mackes, eine Hauptfigur in Hesses expressionistischer Malernovelle „Klingsors letzter Sommer”, hat wohl viel zu Hesses handwerklicher Perfektionierung beigetragen. Von den vielen hunderten Aquarellen, die er im Laufe der Zeit seines Lebens gemalt hat, ungeachtet tausender mit kleinen Aquarellen versehener Briefe, zeigt die Ausstellung in der Kunststation Kleinsassen eine äußerst umfangreiche und charakteristische Auswahl und liefert den Beweis für Hesses Briefnotiz von 1920: „Sie werden sehen, dass zwischen meiner Malerei und Dichtung keine Diskrepanz herrscht, dass ich auch hier nicht der naturalistischen, sondern der poetischen Wahrheit nachgehe.”
KUNSTSTATION KLEINSASSEN
Anschrift: An der Milseburg 2, 36145 Hofbieber-Kleinsassen, Tel.: 06657-8002
Öffnungszeiten: Di – So, 13 – 18 Uhr
Sonderveranstaltungen der Kunststation und des Cafés unter der Homepage: www.kleinsassen.de