Fulda. Geredet wird viel über Monsanto? Immer wieder wird einen intensiver Filz zwischen diesem Konzern und seinen Aufsichtsbehörden aufgedeckt. Doch St. Louis, der Firmensitz des Round-up- und Agent-Orange-Herstellers, ist weit weg. Wie sieht es in Deutschland aus? Warum werden hier Jahr für Jahr immer neue Felder angelegt, obwohl nur sechs Prozent der Bevölkerung diese Gentechnik im Essen oder auf dem Acker wollen? Diesen Fragen will der Referent Jörg Bergstedt am Montag, den 16. Mai, ab 19.30 Uhr im Umweltzentrum Fulda, Johannisstraße 44, nachgehen. Die Recherchen Landschaftsökologen und Buchautors sind brisant und decken Strukturen sowie Zustände bei Genehmigungen und Geldvergabe von Genversuchsfeldern auf. In den vergangenen Jahrzehnten seien alle relevanten Posten in Genehmigungsbehörden, Bundesfachanstalten und geldvergebenden Ministerien mit Gentechnikbefürwortern besetzt worden.
Die meisten von ihnen seien direkt in die Gentechnikkonzerne eingebunden. Seilschaften von Kleinunternehmen, Universitätsinstituten und seltsamen Biotechnologieparks names Biotechfarm oder Agrobiotechnikum entstanden, zwischen denen Aufträge und Gelder erst veruntreut und dann hin- und hergeschoben würden, bis sich ihre Spur auf den Konten der Beteiligten verliere. Bergstedt: „Es wird Zeit für einen Widerstand an den Orten der Seilschaften – von Behörden und Forschern ist nichts zu erwarten!” Für den Referenten ist der Auftritt in Fulda eine der ersten Veranstaltung nach dem Erscheinen seines Enthüllungsbuchs „Monsanto auf Deutsch“. Die Fuldaer Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft „Gelbe Rübe“ hat den Autor eingeladen die darin dokumentierten Fälschungen, Betrügereien und gravierende Sicherheitsmängel im Rahmen eines Vortags darzulegen.
In der Veranstaltung sollen minutiös die Seilschaften zwischen Behörden, staatlicher und privater Forschung, Konzernen und Lobbyorganisationen durchleuchtet werden, darunter genauere Blicke auf das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und weitere an Genehmigungsverfahren beteiligte Bundesbehörden. Die Veranstaltungsbesucher erwartet ein atemberaubender Abend. Doch der Referent will nicht nur Wut, sondern auch Mut machen. Deshalb endet sein Vortrag mit einem Ausblick auf Möglichkeiten des Widerstandes: “Wer nach mehr Forschung ruft oder sich auf staatliche Stellen verlässt, ist verlassen. Gentechnikfreiheit gibt es nur dann, wenn die 80 Prozent Ablehnung sich auch zeigen – nicht zwar nicht nur per Stimmzettel, Protestmail oder am Supermarktregal, sondern dort, wo die Gentechnikseilschaften arbeiten und die Felder angelegt werden!”