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Erste Radioembolisation der Leber am Klinikum Fulda durchgeführt

Fulda. Am Klinikum Fulda wurde kürzlich die erste Patientin mit Lebermetastasen, die trotz Chemotherapie weiter gewachsen sind, mit dem neuen Verfahren der Radioembolisation behandelt. Bei diesem Verfahren, welches auch unter dem Namen SIRT (die Abkürzung steht für selektive interne Radiotherapie) bekannt ist, werden winzige radioaktive Kunststoffkügelchen über einen Katheter in die Leberarterie eingespritzt. Wegen ihrer starken Durchblutung nehmen die Metastasen die winzigen „Strahlenbomben“ besonders stark auf,  während das normale Lebergewebe geschont wird. Die radioaktive Beta-Strahlung der Kunststoffpartikel führt zu einem weitgehenden Absterben der Tumorzellen ohne wesentliche Schädigung der Leber. Durch die kurze Reichweite im Gewebe von wenigen Millimetern dringt auch kaum Strahlung nach außen. Die Behandlung ist grundsätzlich für alle auf die Leber begrenzten Tumoren und Metastasen geeignet, die durch Operation, Chemotherapie und andere Therapieverfahren nicht mehr zu beeinflussen sind.

Die SIRT Behandlung wird nur in wenigen, auf Tumorerkrankungen spezialisierten Unikliniken und Großkrankenhäusern durchgeführt. Prof. Dr. Christoph Manke, Direktor der Klinik für Radiologie bestätigt, dass es am Klinikum Fulda für die Durchführung der Behandlung optimale personelle und gerätetechnische Voraussetzungen gibt: Die Spezialisten der Radiologie für die aufwändigen Katheteruntersuchungen sowie Spezialisten der  Nuklearmedizin und Medizinphysik für die Dosisberechnung, den Umgang mit den offen radioaktiven Stoffen und den Strahlenschutz. Die Betreuung der Patienten vor, während und nach der Behandlung sowie die weiteren Kontrollen erfolgen durch die Onkologen der Tumorklinik. Wie Prof. Dr. Heinz-Gert Höffkes, Direktor der Tumorklinik berichtet, können den Patienten am Klinikum als einem der sieben Onkologischen Zentren in Hessen jetzt alle wirksamen Verfahren zur Behandlung fortgeschrittener Lebertumoren und -metastasen angeboten werden.

Die Behandlung wird in örtlicher Betäubung durchgeführt und erfordert zwei kurze stationäre Aufenthalte. In einer ersten, vorbereitenden Katheteruntersuchung werden gefährdete Äste der Leberarterie zum Magen und Darm mit Metallspiralen verschlossen sowie eine Testsubstanz injiziert, um zu kontrollieren, ob andere Organe wie die Lunge durch die eigentliche Strahlenbehandlung gefährdet werden. In einer zweiten Sitzung wird die radioaktiv wirksame Substanz in die Leberarterie gespritzt. Der Effekt der Therapie wird durch die Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT) bzw.  Positronen-Emmissions-Tomographie (PET) kontrolliert.

Die SIRT Behandlung ist für den Patienten hervorragend verträglich, bestätigt Privatdozent Dr. Andreas Hertel, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin, nur gelegentlich treten vorübergehend leichte Übelkeit oder Abgeschlagenheit auf. Erste Studien bei Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs haben einen Überlebensvorteil von fast einem Jahr durch die SIRT Behandlung gezeigt. Die Kosten des Verfahrens werden im Prinzip von den Krankenkassen übernommen werden, Voraussetzung ist eine entsprechende vorherige Vereinbarung der Kassen mit dem Klinikum.

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