Burghaun/Langenschwarz. Am Mittwoch letzter Woche konnte Bürgermeister Alexander Hohmann zwölf Gäste aus den USA, Großbritannien und Norwegen zu einer Rundtour durch das Gemeindegebiet begrüßen. Die Gäste waren auf der Suche nach den Spuren ihrer jüdischen Vorfahren, welche wie die Nachforschungen von Familie Ruppel ergeben haben, zum großen Teil in Langenschwarz lebten.
In Begleitung von Familie Ruppel aus Burghaun und des Burghauner Gästeführers Wolfgang Christmann wurden den Gästen besondere Sehenswürdigkeiten in der Marktgemeinde vorgestellt. Unter anderem die katholische und evangelische Kirche in Burghaun sowie die katholische Kirche Hünhan. Im Vordergrund der Begehung stand allerdings die Besichtigung ehemaliger jüdischer Objekte. Das Kriegerehrenmal und das Gebäude der ehemaligen Synagoge in Rothenkirchen und der jüdische Friedhof in Burghaun waren Stationen der Rundreise. Die Besichtigung der einzelnen Standorte war für alle Beteiligten eine ausgesprochen emotionale Situation, da sich so viele der Gäste nach wie vor ein großes Stück verbunden mit Ihren Vorfahren aus dem Kiebitzgrund fühlten.
Am Donnerstag, dem 13. März 2008, begrüßte dann der Ortsbeirat Langenschwarz die jüdischen Gäste im örtlichen DGH. Nach einer kurzen Ansprache von Bürgermeister Hohmann, der sich erfreut zeigte, die Nachfahren der ehemals in Langenschwarz ansässigen jüdischen Mitbürger aus aller Welt begrüßen zu dürfen. Auch die Ortsvorsteherin Gertraud Pfingsgräff bot Ihre Hilfe bei der Spurensuche an. So organisierte Sie mit vielen ortsansässigen Helfern einen Rundgang durch Langenschwarz.
Noch im 19. Jahrhundert hatte Langenschwarz eine jüdische Gemeinde. Die Mitbürger wohnten zumeist zurückgezogen im Ortskern. Sowohl eine Synagoge als auch eine jüdische Schule waren damals Bestandteil ihres täglichen Lebens. Die letzen Juden verließen den heutigen Ortsteil von Burghaun im Jahr 1905.
Gebäude wie die Synagoge und die jüdische Schule aber auch die alten Wohnhäuser bestehen heute leider nicht mehr. Die Besucher konnten aber zumindest an die ehemaligen Standpunkte gebracht werden. Sie konnten sich so ungefähr vorstellen, wie Ihre Verwanden vor über 100 Jahren gelebt hatten. Nahezu alle der Gäste erklärten, dass sich bei ihnen ein Gefühl des „Nach Hause“-Kommens eingestellt habe. Auch wenn es nicht wirklich ihr zu Hause sei, so wäre es doch das Hause ihrer Vorfahren und somit auch heute noch ein Teil von ihnen. Nach dem Rundgang durch Langenschwarz wurden alle Beteiligen zum Essen ins Dorfgemeinschaftshaus eingeladen.
Am Nachmittag besuchten Bürgermeister Hohmann und Ortsvorsteherin Pfingstgräff mit ihren Gästen, worunter mittlerweile auch Roman Melamed von der jüdischen Gemeinde Fulda befand, den jüdischen Friedhof Langenschwarz. Roman Melamed sprach ein jüdisches Gebet und die ausländischen Gäste gingen auf die Suche nach den Grabstellen ihrer Vorfahren. Sie legten, wie es jüdischer Brauch ist, Steine nieder und beteten für ihre Angehörigen. Für alle war dies ein bewegender Moment, da sie so das Gefühl hatten, ihren Vorfahren den notwendigen Respekt zu zollen. Sie erbrachten den Beleg , dass sie sie trotz der vielen vergangenen Jahre nicht vergessen hatten.
Besonderer Dank gilt dem Ortsbeirat Langenschwarz, der Ortsvorsteherin Gertraud Pfingsgräff, den Mitgliedern der evangelischen und katholischen Kirchenvorständen sowie den Pfarrern Matthias Dellit und Gerhard Bug sowie allen fleißigen Helfern, die zum Gelingen des Tages beigetragen haben.