Fulda. Im Vorfeld des Kongresses „Einheit durch Vielfalt – Kirche macht Musik“ und den bundesweit durchgeführten Aktionstagen wird im Fuldaer Dom am Mittwoch, 13. Oktober, um 20 Uhr ein Werk der Superlative zu hören sein: Ernst Helmuth Flammers Orgelzyklus „Superverso per organo“ beginnt mit dem Buch Genesis und endet mit der Apokalypse. In zwölf Teilen entfaltet Flammer einen konzertfüllenden, inspirierenden und auf kompositorisch höchstem Niveau beeindruckenden Zyklus. Mit Christoph Maria Moosmann ist ein kongenial interpretierender Virtuose gefunden, der sich mit dem Werk seit Jahren intensiv beschäftigt. Die Zuhörer können den Komponisten bei einer Werkeinführung um 18.30 Uhr im Großen Chorsaal, Eduard-Schick-Platz 3, persönlich kennenlernen. Der Kostenbeitrag beträgt 7 € (ermäßigt 4 €).
Der Komponist
Ernst Helmuth Flammer wurde 1949 in Heilbronn geboren. Nach einem Mathematik- und Physik-Studium wandte er sich zunächst der Musikwissenschaft zu und schloss wenig später ein Musikstudium an. Er studierte Kontrapunkt und Musiktheorie bei Peter Förtig, Komposition bei Klaus Huber, Brian Ferneyhough und Paul-Heinz Dittrich und promovierte schließlich in Musikwissenschaft bei Hans Heinrich Eggebrecht in Freiburg i. Br. Neben seiner kompositorischen Tätigkeit übt Flammer eine umfangreiche Lehrtätigkeit aus. Er zählt zu den Gründern des ensemble recherche freiburg und des Festivals für zeitgenössische Klaviermusik …antasten…. in Heilbronn (1993 – 2003). 1994 erschien eine Portrait-CD bei Wergo, 2005 die Weltersteinspielung von superverso mit Christoph Maria Moosmann auf dem Label Organum Classics. Seit 2003 ist Flammer Dozent für Komposition und Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik in Dresden.
Der Organist
Christoph Maria Moosmann, geboren 1960 in Süddeutschland, zählt zu den international anerkannten Orgelvirtuosen und ist als gefragter Spezialist für diffizile UraufführunÂgen regelmäßig Gast internationaler Festivals. Als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes erlangte er an der Staatlichen Musikhochschule Freiburg i. Br. das A-Examen für katholische Kirchenmusik sowie das SolisÂtendiplom im Fach Orgel und rundete seine Ausbildung mit einem Kapellmeisterstudium in Basel und Zürich ab. Moosmann trat mit den Bamberger SymphoniÂkern, der lettischen Staatsphilharmonie, dem Symphonieorchester des Norddeutschen RundÂfunks und dem Hilliard Ensemble auf, hielt GastÂseminare an mehreren Hochschulen und konÂzertierte in ganz Europa sowie in Asien. Seine CD-Einspielungen finden international Beachtung, insbesondere die Gesamtaufnahme der Orgelwerke Arvo Pärts.
Moosmann setzt sich künstlerisch wie philosoÂphisch intensiv mit Fragen der Religion und TranszenÂdenz auseinander und ist Gründer des festival religio musica nova. 15 Jahre lang hat sich Christoph Maria Moosmann mit dem umfangreichen und außerordentlich komplizierten Zyklus superverso per organo von Ernst Helmuth Flammer befasst. Nicht nur die äußeren Dimensionen dieser Musik sind beeindruckend, sondern vor allem ihr ästhetisches Niveau und ihre metaphysische und spirituelle Tiefe. Und das besondere daran ist, dass diese äußerste Komplexität aufs engste mit einer unmittelbaren sinnlichen Wirkung verknüpft ist. „Im deutschen Kulturraum ist nach dem Tode Johann Sebastian Bachs keine Orgelliteratur mit vergleichbarem Umfang entstanden“ schreibt der Produzent Klaus Faika. Inhaltlich spannt sich der Bogen von der Genesis bis zur Apokalypse. Schonungslos stellt sich das Werk dem Unvollkommenen, den Brüchen und dem (vom Menschen gemachten) Leiden in der Welt. Es stellt die Theodizee-Frage – ohne sich anzumaßen, die Erlösung selber bewerkstelligen zu müssen. Ein ergreifendes Beispiel geistlich inspirierter Musik vom Ende des 20. Jahrhunderts !
Orgelkonzert im Hohen Dom zu Fulda
Mittwoch 13. Oktober 2010 um 20.00 Uhr
An der Domorgel: Christoph Maria Moosmann, Moutier, Schweiz
Superverso per Organo Orgelzyklus von Ernst Helmuth Flammer in 12 Teilen:
I Genesis
II Trio
III et exclamavi
IV Symphonie
V superverso V
VI Toccata
VII superversolino
VIII in media nocte
IX Farbenmusik
X Preludio
XI Bozzetto
XII Apokalypse
Weitere Informationen zu den Orgelkonzerten im Fuldaer Dom finden Sie unter www.orgelmusik.bistum-fulda.de