Sterbfritz. Gut besucht war die zweite Lesung im Rahmen von Leseland Hessen in der Mehrzweckhalle Sterbfritz, und die Gäste kamen bei “Aprilwetter” voll auf ihre Kosten. Zwei Männer und eine Frau. Das sind die handelnden Personen des Romans “Aprilwetter”. Zwei Männer und eine Frau – das Trio “Die Nachtigallen” – und dazu der Autor des Bestsellerbuches Thommie Bayer zusammen auf der Bühne der Mehrzweckhalle Sterbfritz, das war eine ideale Konstellation. Und wenn dann praktisch alle vier “seit Jahrzehnten” Musik machen, harmoniert das, trotz akustischer Gegensätze angesichts der sonoren, rauchigen, sachlichen, fast emotionslosen Stimme des spürbar erkrankten Thommie Bayer auf der einen Seite und dem mitreißenden Gesang und den fantasievollen Interpretationen der Nachtigallen auf der anderen.
Aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an, so dass die zweite Veranstaltung im Rahmen von Leseland Hessen, die wieder von der Gemeinde Sinntal und der Buchhandlung “Bücher und mehr” in Sterbfritz durchgeführt wurde, zu einem schönen Erfolg wurde. Hörvergnügen atmosphärisch zu verdoppeln, das ist das Konzept des Bühnenprojektes, mit dem das Quartett seit vergangenem Jahr erfolgreich durch die Lande tourt. Wie der Leseabend in Sterbfritz zustande kam, erzählte Jutta Werbelow, die Schlagzeugerin, Bassistin und vor allem Sängerin. Der Fotograf des Heidelberger Trios, René van der Voorden, arbeitete in Sinntal-Sterbfritz und berichtete seiner Kollegin Heidi Mohr von der sensationellen Band und dem Bayer-Aprilwetter-Projekt, die dann Buchhändlerin Gabi Drews gewonnen habe. Und so sei sie jetzt in dem Ort mit dem schaurigen Namen Sterbfritz. Bürgermeister Carsten Ullrich begrüßte die zahlreichen Besucher und freute sich, dass Leseland Hessen wieder in Sinntal stattfinde.
Er dankte allen, die dazu beigetragen haben. Von den Gitarristen Benno und Daniel handelt das Buch, das Thommie Bayer voriges Jahr veröffentlichte. Zwei kompromisslose und hingabevolle Musiker, die sich im Duo “Tanner & Krantz” perfekt ergänzen. Bis Christine in ihr Leben kommt, für die – jeder für sich – große Gefühle entwickelt. Benno flieht nach Amerika. In eine einsame Welt unter gleichen, die durch den Rausch der Musik, Alkohol und Drogen scheinbar schön gemacht wird. Countrymusik der Nachtigallen ist mehr als nur ein Soundtrack. Die Garderobe der drei Ausnahmemusiker, Cowboyhut, Franzen-, schwarz-weißes Westernhemd sowie braver langer weißer Linedancerock oder sexy kurze Jeans, sind nur Beiwerk, vor allem was stimmlich in der Mehrzweckhalle erklingt, begeistert. Der Vergleich der Nachtigallen mit Goldkehlchen passt. Gefühlvoll intonierte Balladen, dreistimmig oder als sehnlich leidenschaftliche Soli, schaffen Stimmung – im Gegensatz dazu mitreißende Hillbillysound.
Vor allem Jutta Werbelow, die schon mit sieben Jahren als singender Frosch ihre Musikkarriere begann und durchaus auch Heavy-Metal und Heardrock auf ihrem nostalgischen Pappkartonschlagzeug klopfen kann, versteht es gesanglich und mit flotten Sprüchen das Publikum in ihren Bann zu ziehen. “Aprilwetter” zwengt sie, Martin Haaß (Gitarre, Bass, Gesang) und Rolf Schaude (Gitarre, Bass, Gesang) förmlich in ein Geschichtenraster. Die einmalig schönen Arrangements und der harmonisch gefühlvolle Gesang, etwa bei dem legendären “Hotel California” der Eagles oder “Time after Time” von Cyndi Lauper fesselte das Publikum ebenso, wie bei “Red Dirt Girl” von Emmylou Harris. Und weil Thommie Bayer ja selbst jahrelang Musiker und Komponist war, durften seine Stücke “Nachts, wenn es warm ist”, das Nena bekannt machte, und als von Gabi Drews gewünschte Zugabe “Der letzte Cowboy kommt aus Gütersloh” nicht fehlen. “In Sterbfritz tanzt man erst ab zehn Uhr auf dem Tisch”, kommentierte Werbelow die stehenden Ovationen und den frenetischen Applaus.
Am Gelingen des Abends hatten die Nachtigallen einen großen Anteil. Musik und Lesung war eine gelungene Kombination, wie Organisator Walter Dörr sagte. Mit zahlreichen Buchsignierungen schloss der erfolgreiche Abend ab.



























