Written by 5:36 Alle Nachrichten

Vogelsberger Denkmalbeirat tagte in Wartenberg

Vogelsbergkreis. Der Vogelsberger Denkmalbeirat diskutierte auf seiner Sitzung in Wartenberg zahlreiche Objekte, beschäftige – und besichtigte – sich aber besonders mit dem abgängigen ehemaligen Lauterbach Dachziegelwerk. Begrüßt wurde der Denkmalbeirat von Bürgermeister Dickel, der einige Worte zu seiner Gemeinde sagte und auch das Thema “Was soll mit dem ehemaligen Lauterbacher Dachziegelwerk passieren?” anschnitt. Denn dieses liegt auf seinem Gemeindegrund und wartet auf eine Lösung. Herr Hofmann, der die Geschäftsführung der Unteren Denkmalpflege inne hat, brachte dann nacheinander verschiedene Fälle aus dem Kreisgebiet vor, die durch weitere Vorstellungen aus dem Kreis der Beiratsmitglieder ergänzt und ausgiebig diskutiert wurden.

Die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland hat im Juli eine Pressemitteilung herausgegeben, in der sie die drastische Reduzierung des Städtebauförderungsprogramms durch Bundesminister Ramsauer beklagt. Sie weist darauf hin, dass aufgrund des demographischen Wandels zunehmend Leerstände in Klein- und Mittelstädten auftreten und dass strukturschwache Räume Deutschlands deshalb dringend Mittel der Städtebauförderung benötigen. Die geplante Mittelkürzung würde auch unmittelbar negative Folgen für die Konjunktur in diesen Gebieten haben, weshalb das Ministerium gebeten wird, die Kürzungspläne zu überprüfen.

Einzelne Punkte der Information und Diskussion:

Problemfälle aus dem Kreis

  • Gelände der ehemaligen Synagoge in Lauterbach: im Augenblick eine von einer Mauer begrenzte Wiese, in Privatbesitz. Sollen dort Parkplätze entstehen, soll man den Ort sichtbar so gestalten, dass eine Erinnerung an die zerstörte Synagoge aufrecht erhalten wird, welche anderen Möglichkeiten sind denkbar? Der Denkmalbeirat will sich bei seiner nächsten Sitzung vor Ort ein eigenes Bild davon und dazu machen.
  • Das Alsfelder Sparkassenareal (zwischen Alice- Und Marburger Straße) ist auf Betreiben des Denkmalbeirates im Zuge einer Nachinventarisierung als Gesamtanlage unter Denkmalschutz gestellt worden, was Folgen für eine geplante Bebauung haben wird.
  • In Leusel ist das marode “Gebäude Kirchstraße 5” bis auf die Grundmauern aus Sicherheitsgründen abgerissen worden, weil ein Erhalt nicht mehr möglich war.
  • Schlitz: Fachwerkhaus “Hainbuche 25”:  Dieses Gebäude ist einsturzgefährdet, Außenwände haben sich nach außen geneigt, die Fenster lassen sich nicht mehr schließen, Balken sind gebrochen, so dass eine Notabstützung vorgenommen werden musste. Es handelt sich um ein Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das, weil es zu einem geschlossenen Straßenzug gehört, erhaltenswürdig ist. Ob das aber beim gegenwärtigen Zustand überhaupt noch in Frage kommt, muss näher untersucht werden.
  • Herbstein, ehemaliger Bahnhof: obwohl es sich hier um ein Baudenkmal handelt (von dem es jedoch zahlreiche ähnliche gibt), ist der gewerblichen Nutzung des Geländes doch Vorrang zuzumessen, weshalb einem Abriss, der von allen Beteiligten gewünscht wird, zugestimmt wird.

Kurz angerissen wurden auch noch die Punkte: Sanierung des “Alten Esels” in Lauterbach (soll  im Rahmen des Investitionsprogramm “energetisch saniert” werden – ja, bitte, wie denn ??; eine Verschindelung wie ehedem wäre aber nicht abzulehnen), Pläne zur Neubebauung des Geländes “Ehemaliger Schlachthof” in Lauterbach (was passt dahin, was nicht? – Ortsbesichtigung erforderlich), Amtshof- Schafstall in Freiensteinau (was geschieht dort zur Erhaltung ?); Abstockung eines alten Fachwerkgebäudes in Hartershausen (denkbar oder nicht?).

Internetpräsentation des Denkmalbeirats

Frau Schittenhelm stellte den erarbeiteten Link vor. Man wird sich über den Denkmalbeirat und seine Arbeit künftig auf der Hauptseite des Kreises informieren können. Dies ist der Weg dahin: www.vogelsbergkreis.de/Linke grüne Spalte/Ressort EXTERNE INFOS/Presse und Medien. Der Link “Denkmalbeirat” spaltet sich dann in zwei weiterführende Links auf: a) eine Seite mit Vorstellung der Beiratsmitglieder, b) Ein Verweis auf eine Liste mit aktuellen Pressemitteilungen.

Das ehemalige “Lauterbacher Dachziegelwerk” – ein erhaltenswürdiges Industriedenkmal?

Herr Krug (“Denkmaltopograhie”) hab einige Informationen zur Geschichte:  1841/42 von den Riedeseln errichtet, im Zuge der örtlichen Revolution 1848 zerstört (Maschinenzerstörung), 1865 neu errichtet mit erstem Ringofen (Dampfbetrieb), mehrfach erweitert, 1941 durch Brand schwer beschädigt (Notbetrieb), bis 1950 wiederhergestellt ( weitere bauliche Erweiterungen, Bauboom, gute Konjunktur), Stilllegung 2000.

Das Gelände, rund 50.000 Quadratmeter, ist mit alten, mehrfach baulich veränderten (diese möchte der Besitzer, Baron Riedesel, abreißen lassen) und neueren Gebäuden besetzt. Baron Riedesel führte dann auch den Denkmalbeirat durch die alten/älteren Gebäude. Diese fänden nun schon seit über 40 Jahre keine Nutzung mehr. Es sei daran gedacht, das geschredderte Abrissgut zur Verfüllung von naheliegenden Tongruben zu verwenden. Er plädierte dafür, statt Ackerland doch lieber alte Industriebrachen für neue Industrieansiedlungen zu verwenden. Nach der Besichtigung der riesigen Gebäude und ihres maroden Zustandes kann man nur zu dem Schluss kommen: hier ist nichts mehr als Industriedenkmal zu retten, wenn es auch noch einige interessante, bewahrenswerte Details gibt, über deren Erhalt nachzudenken wäre.

Die nächste Sitzung des Denkmalbeirats wird in Lauterbach stattfinden; genügend Stoff ist jetzt schon dafür vorhanden.

Visited 2 times, 1 visit(s) today
Close