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Historisches Vermächtnis der Region für Gegenwart aufbereiten und für Zukunft bewahren

Fulda. „Der Mensch muss wissen, wo er herkommt. Denn nur dann kann er seine Gegenwart einschätzen!“ Was bei Festreden zu historischen Anlässen immer wieder bedeutungsschwanger formuliert wird, hat durchaus Tiefe, auch wenn die nicht immer sofort greifbar ist. Mit Leben erfüllt eine derartige Aussage aber der Fuldaer Geschichtsverein. Gegründet 1896, in einer Zeit, als das Interesse an historischen Themen vielerorts zur Bildung entsprechender Gruppierungen führte, kooperierte man inhaltlich wie personell mit dem gleichzeitig entstandenen „Historischen Verein der Diözese Fulda“ –beispielhaft verkörpert in der Person des Domkapitulars und Professors Dr. Gregor Richter. Kein Wunder, denn schließlich gehörte das Kloster Fulda seit seiner Gründung im 8. Jahrhundert zu den bedeutendsten geistlichen und kulturellen Zentren des ostfränkischen Reiches. Von hier aus wirkten Berater für Kaiser und Könige, von hier aus nahm man an Kriegszügen teil. Für den Geschichtsverein Grund genug, das historische Vermächtnis auch für die Gegenwart zu erschließen und neu zu erforschen.

Mit vor allem zwei Publikationsorganen tut dies der Verein bis heute: zum einen die Zeitschrift „Fuldaer Geschichtsblätter“ (erscheint seit 1902), zum anderen die weithin anerkannte Schriftenreihe „Veröffentlichungen des Fuldaer Geschichtsvereins“ (erscheint seit 1904). In ihnen findet man Aufsätze mit überwiegend heimatgeschichtlicher Ausprägung, die zwar nicht unmittelbar mit der großen Reichsgeschichte zu tun haben. Aber die hier veröffentlichten Texte basieren vielfach auf Vorträgen namhafter Redner, die oft auch an ausländischen Universitäten lehren und sich dort mit typisch fuldischen Themen beschäftigen. Zu solchen Vorträgen lädt der Fuldaer Geschichtsverein öffentlich ein, so dass der Besucher fuldische Geschichte hautnah erleben kann – und das bei freiem Eintritt.

Auch wenn das Mittelalter und damit die ganz große Geschichte Fuldas wohl im Mittelpunkt des Interesses stehen, so gab und gibt es immer wieder Themen, die sich mit der jüngeren Geschichte beschäftigen: Der Umgang mit Juden im eigenen Dorf während des so genannten Dritten Reichs und die Erforschung des familiären Hintergrunds von Emigranten gehören zu den Feldern, die auch bei Schülern Interesse an der Geschichte ihrer Heimat wecken sollen – auch schon einmal in Form eines Wettbewerbs in Zusammenarbeit von Staatlichem Schulamt und Geschichtsverein.

Wer die jährlich erscheinende Veranstaltungsübersicht des Fuldaer Geschichtsvereins studiert, findet dort auch zwei bis drei Exkursionen, darunter zum Beispiel der Besuch einer Keltenausstellung, oder auch Unternehmungen, die in Nachbarterritorien wie Schmalkalden (Henneberg) oder Büdingen (Isenburg) führen – auch dann, wenn es einmal keine Fuldaer Bezüge gibt. Diese Exkursionen werden für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer natürlich jedes Mal durch passende Vorträge gut eingeführt und vorbereitet und unterstreichen, dass zum Fuldaer Geschichtsverein auch ein archäologischer Arbeitskreis gehört.

Ein weiterer Interessensschwerpunkt des Fuldaer Geschichtsvereins verbindet sich mit dem Begriff „Bibliotheca Fuldensis“: So unterstützt der Verein ideell die Sammlung und Wiederherstellung der Schriften der alten Fuldaer Klosterbibliothek, die im Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs nahezu vollständig zerstört wurde. Von den rund tausend handschriftlichen Büchern des damaligen Bestandes sind lediglich 75 Exemplare im Original erhalten, daneben gibt es noch etwa 75 Fragmente. In mühseliger Kleinarbeit werden diese ausgewertet und zugeordnet, fotografiert, kopiert und auf Mikrofiches jedermann zugänglich gemacht. Darüber hinaus ist durch die Anschaffung der wichtigsten Sekundärliteratur längst ein anerkanntes Forschungszentrum entstanden, das der Fuldaer Geschichtsverein gerne unterstützt.

Das bekannteste Projekt des Vereins innerhalb der letzten Jahre ist jedoch die Herausgabe der „Geschichte der Stadt Fulda“. Rund 60 Autoren, darunter Professoren von auswärtigen Universitäten und einheimische Historiker, stellen die Geschichte der Stadt von den Anfängen bis in die jüngste Vergangenheit dar. Ein gewaltiges Unterfangen, was sich in zwei dicken Bänden mit 1.600 Seiten Umfang niederschlug, entstanden im Verlauf mehrerer Jahre unter Federführung des ehemaligen Fuldaer Oberbürgermeisters Dr. Wolfgang Hamberger. Wer sich hier fest liest, findet alles, was das historische Herz begehrt: eine Zusammenfassung bekannter Forschungsliteratur, neue Forschungen und neue Quellen, die sich natürlich auch mit der Klostergeschichte und der Geschichte des Stifts beschäftigen. Da auch die Archäologie nicht zu kurz kommt, dokumentiert die „Geschichte der Stadt Fulda“ tatsächlich rund zweitausend Geschichte der Region.

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