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Orgelmatinee im Fuldaer Dom mit Markus Uhl

Fulda. Markus Uhl, ein ambitionierter Heidelberger Kirchenmusiker, stellt sich am 4. September, 12.05 Uhr, bei der Orgelmatinee im Fuldaer Dom vor. Oft gespielt und gerne gehört ist Mendelssohns „Vater-unser-Sonate“. Ungewöhnlich, aber sicher reizvoll, danach mit alter Musik zu schließen.

Markus Uhl wurde 1978 geboren. Er studierte in Freiburg Kirchenmusik (Orgel bei Prof. Zsigmond Szathmáry, Dirigieren bei Prof. Dr. Hans- Michael Beuerle) und in Weimar Konzertfach Orgel und Orgelimprovisation bei Prof. Michael Kapsner. Seit Januar 2007 ist er Bezirkskantor der Erzdiözese Freiburg für die Dekanate Heidelberg-Weinheim und Wiesloch und für die Kirchenmusik an der Jesuitenkirche Heidelberg verantwortlich. (Cappella Palatina, Arnolt-Schlick-Ensemble, Schola Cantorum, Kinderchöre, Jugendensemble, Orgelspiel, C-Ausbildung, Fortbildung nebenamtlicher KirchenmusikerInnen etc.). Als Lehrbeauftragter unterrichtet er an den Musikhochschulen Freiburg, Weimar und Heidelberg u.a. Orgelimprovisation und Gregorianik. Konzerte, Projekte, Vorträge und Fortbildungen gehören zu seinen weiteren Tätigkeiten. Beim Internationalen Wettbewerb für junge Chorleiter in Budapest hat er im Juni 2001 den Sonderpreis der Franz Liszt-Akademie für die beste Interpretation eines Werkes von Franz Liszt erhalten. Für seine Diplomarbeit erhielt er den Helene-Rosenberg-Preis für die beste musikwissenschaftliche Arbeit des Jahres 2002. Im Jahr 2005 war er Finalist beim Wettbewerb des Internationalen Orgelfestivals in Bochum sowie Preisträger beim IX. Internationalen Orgelimprovisationswettbewerb in Schwäbisch Gmünd, beim 2. Internationalen Johann-Joseph-Fux-Wettbewerb und beim Wettbewerb „Orgelimprovisation im Gottesdienst“. Eine Ausbildung zum Orgelsachverständigen, Kurse in Orgel- und Orgelimprovisation, Gregorianik sowie Dirigieren und Kinderchorleitung u.a. bei Christoph Bossert, Jürgen Essl, Clemens Ganz, Gerhard Gnann, Tobias Hiller, Hans-Jürgen Kaiser, Stefan Klöckner, Ludger Lohmann, Pier Damiano Peretti, Wolfgang Schäfer, Martin Schmeding, Friedhilde Trüün und Harald Vogel ergänzen seine musikalische Ausbildung.

Orgelmatinee im Fuldaer Dom mit Markus Uhl

Samstag, 4. September 2010
12.05 – 12.35 Uhr
Der Kostenbeitrag für die Orgelmatineen beträgt 3,50 € (ermäßigt 2,50 €)

Programm:

  • Max Reger Kyrie eleison (1873–1916) aus op. 59
  • Felix Mendelssohn-Bartholdy Sonata VI in d-Moll (1809-1847) „Vater unser“ aus op. 65
  • Nicolaus Bruhns Praeludium in G-Dur (1665-1697)

An der Domorgel: Markus Uhl, Heidelberg

Max Reger „Zwölf Stücke“ op. 59

Das Programm beginnt mit Max Regers Vertonung „Kyrie“ aus op. 59. Dem Stück liegt das Choralmotiv „Aus tiefer Not“ zugrunde. Auf kleinstem Raum exponiert Reger das ganze klangliche Universum der Orgel vom pp bis zum Organo Pleno. Text: Markus Uhl.

6. Sonate d-Moll op.65,6 Felix Mendelssohn Bartholdy

»Zünftig-evangelisch« ist der erste Satz nur bei flüchtigem Hinsehen. Denn allzu zögernd löst sich die Sechzehntelgirlande als Brücke zur ersten Variation aus dem Choral (»Vater unser im Himmelreich«), und auch die Variation selbst (Andante sostenuto) bleibt merkwürdig verhalten. Diese Metronomangabe gilt auch noch für die folgende (triolische) Variation und die nächste mit dem Cantus firmus im Tenor. Desto atemberaubender wirken dann ab T. 92 das jähe fortissimo und das neue Tempo (Allegro molto), das mit Halbe = 69 mehr als doppelt so schnell ist. Beglückend, wie Mendelssohns »Art die Orgel zu behandeln und für dieselbe zu denken« hier alle Verzagtheit hinter sich lässt: Dass in der Belletristik des 19. Jahrhunderts die Orgel »aufrauscht« und »braust«, hat in solchen Passagen seine Rechtfertigung.

Ab T. 139 wird nicht einfach eine zweite Strophe durchgeführt, sondern der Cantus firmus erlebt zusätzlich sonatenartige thematische Prozeduren, wenn die Schlusszeile bis auf ihre motivische Urzelle, den Sekundschritt, reduziert wird. Der homophone Choralsatz bildet den Abschluss als massiv »verkürzte Reprise«; nur die erste und die letzte Choralzeile sind übrig geblieben. »Attacca la Fuga« hieß es schon in der Erstfassung vom Januar 1845. Weniger die Fuge als Ganzes als vielmehr die eigenwillige (Ver)formung ihres aus der ersten Choralzeile gebildeten Themas bildet die Überraschung.

Und »Fine« schrieb der Komponist in der Erstfassung bereits am Schluss der Fuge. Dass nun noch ein D-Dur-Satz von Schubert’scher Süße folgt, entstanden am gleichen Tag wie die Variationen (26. Januar 1845) und somit um einen Tag älter als die Fuge, irritiert die Hörerwartung. Einmalig in op. 65 ist auch seine Bezeichnung als »Finale«. Sollte damit ein Finale, ein Abgesang auf den gesamten Zyklus gemeint sein? Man weiß, dass Mendelssohn in privaten Konzerten gelegentlich alle sechs Sonaten spielte. Das Finale könnte somit den Zyklus op. 65 zart und wehmütig beschließen. Wer das enttäuschend findet, kennt nicht die romantische Trauer des Nichtverstandenwerdens; er kennt auch nicht Schuberts Tränenregen aus dem Zyklus Die schöne Müllerin: Auf dieses Lied nimmt das Finale motivisch unüberhörbar Bezug.

Nicolaus Bruhns Praeludium in G-Dur

Dieses Stück ist fast ebenso fesselnd und ausgedehnt wie das „große“ Präludium in e-Moll , es basiert aber auf ganz anderen Konstruktionsprinzipien. Geht es dem Komponisten im e-Moll-Werk darum, alles Regelmäßige und alle satztechnischen Entsprechungen zu vermeiden, sind hier Elemente des Stylus phantasticus in eine eher traditionelle Konraststruktur eingebettet. Die zwei Fugen basieren auf einem typisch buxdehudischen Reperkussionsthema (das zweite geht aus dem ersten durch Versetzung in den 3/2Takt hervor), das ganz regelgerecht verarbeitet wird. Freilich fehlen auch “fantastische” Elemente nicht, die aber eher in der kunstvoll vielstimmigen Kontrapunktik verborgen liegen – die erst Fuge ist sechsstimmig (mit Doppelpedal), die zweite fünfstimmig. Die drei freien Abschnitte sind teils motivisch, teils figurativ gestaltet; hier sind , vor allem in den Pedalsoli, einige lockere Korrespondenzen der Figuration festzustellen. Im ausgedehnten Eröffnungsteil alternieren Akkordbrechungen in Sechzehnteln mit einem offenbar von der französischen Ouvertüre inspirierten fugierten Gedanken.

Weitere Informationen zu den Orgelkonzerten im Fuldaer Dom finden Sie unter www.orgelmusik.bistum-fulda.de

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