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Gewalt gegen Pflegebedürftige – Fachtagung an der Hochschule Fulda

Fulda. Es können Überlastung und Hilflosigkeit sein, die dazu führen, dass pflegende Angehörige oder professionelle Pflegekräfte gegenüber Pflegebedürftigen gewalttätig werden. Nicht immer ist mit problematischen Verhaltensweisen die Absicht verbunden, die pflegebedürftige Person zu schädigen und zum Teil ist ein solches Verhalten sehr von der Situation abhängig. Gewalt kann aber auch Ergebnis einer langen Geschichte gewaltgeprägter familiärer Beziehungen sein. Je schwerer die Pflegebedürftigkeit ist und je aggressiver sich die pflegebedürftige Person verhält, beispielsweise aufgrund demenzieller Veränderungen, umso höher die Risiken. Fast jeder zweite pflegende Angehörige hat in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal eine Form psychischer Gewalt ausgeübt, fast jeder fünfte körperliche Gewalt. Mindestens jede dritte Pflegekraft zeigte in diesem Zeitraum mindestens eine Form problematischen Verhaltens. Nur sehr selten werden solche Fälle von Gewalt polizeilich erfasst. Wie Gewalt gegen Pflegebedürftige erkannt und vermieden werden kann, das diskutieren Expertinnen und Experten auf einer Tagung, die von der Arbeitsgruppe „Gesundheitsschutz bei interpersoneller Gewalt“ am Fachbereich Pflege und Gesundheit der Hochschule gemeinsam mit der Hessischen Heimaufsicht durchgeführt wird.

Tagung an der Hochschule Fulda mit der Hessischen Heimaufsicht am 24. Juni 2010

Zu Gast sind unter anderen Prof. Dr. Andrea Berzlanovich von der Medizinischen Universität Wien, Prof. Dr. Thomas Görgen von der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster und Axel Bauer, Vormundschaftsrichter am Amtsgericht Frankfurt am Main. Prof. Dr. Görgen hat in mehreren Forschungsprojekten das Ausmaß von Gewalt gegen ältere und pflegebedürftige Menschen erforscht. Die Rechtsmedizinerin Prof. Dr. Berzlanovich ist unter anderem aufgrund ihrer Untersuchungen von Todesfällen durch nicht sachgemäße Fixierungen Pflegebedürftiger in München bekannt geworden. „Wir sind sehr froh, dass es uns mit Unterstützung der Hessischen Heimaufsicht gelungen ist, namhafte Expertinnen und Experten nach Fulda zu holen“, erklärt Prof. Dr. Beate Blättner, Sprecherin der Arbeitsgruppe Gesundheitsschutz bei interpersoneller Gewalt. „Wir erwarten etwa 160 Teilnehmende, überwiegend Pflegekräfte aus der ambulanten und stationären Versorgung Pflegebedürftiger in Ost- und Nordhessen, aber auch ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer. Das zeigt, wie sehr sich Pflegende darum bemühen, problematisches Verhalten zu erkennen und zu verhindern.“

Ein Thema der Tagung wird auch die Frage sein, was die Schutzambulanz Fulda, ein Modellprojekt des Landkreises mit dem Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit, in solchen Fällen tun kann. Neben der Schulung und Unterstützung der Gesundheitsversorgung in Sachen Gewaltprävention ist es die wichtigste Aufgabe der Schutzambulanz Gewaltbetroffene kostenfrei und unter Einhaltung der Schweigepflicht zu beraten, an andere Hilfesysteme weiterzuvermitteln und auf Wunsch körperliche Folgen von Gewalt gerichtsverwertbar zu dokumentieren. Unter der Nummer 6006-1200 in Fulda ist die Schutzambulanz 24 Stunden täglich erreichbar.

In der Ausbildung von Gesundheits- und Krankenpflegekräften genauso wie in der von Altenpflegekräften wird das Thema Gewalt bisher nur ganz am Rande gestreift. Das wollen die Fuldaer Professorinnen künftig ändern. „Wir beginnen damit in der Ausbildung der Studierenden des Studienganges Pflege“ erläutert Prof. Dr. Henny Annette Grewe, die Leitung des Studiengangs. „Die Studierenden werden derzeit über Tagungen wie diese, über die Beteiligung an entsprechenden Forschungsprojekten oder Abschluss-Arbeiten und über Beispiele in Lehrveranstaltungen an das Thema herangeführt. Das gilt natürlich auch für den Studiengang Pflegemanagement. Zusätzlich planen wir die Einführung eines Wahlpflichtmoduls zum Thema. Aber auch in der Fort- und Weiterbildung wollen wir Akzente setzen.“

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