Fulda. Kommen Kinder mit diesen Worten auf einen zu, so ahnt man oft nichts Gutes: Kaputte Fenster, Rangeleien, Ärger mit den Nachbarn … Doch diesmal: Nichts von alledem.
Im Kinder- und Jugendtreff „Casino“ der evangelischen Kreuzkirche zieht der Duft mediterranen Essens durch den Raum. Die Kinder sind fleißig. Hier werden Tomaten geschnitten und frischer Basilikum gehackt, dort wird Hackfleisch mit Knoblauch angebraten. Um das Nachtisch-Team ist es ganz still geworden. Leises Kichern und mit Erdbeersoße verschmierte Münder lassen ahnen, dass der Nachtisch wohl schmecken wird. Heute richten wir etwas auf italienisch an: Caprese, Lasagne und Erdbeertiramisu.
Die Kinder sind hier die Gestalter und Akteure, sie bestimmen, was gekocht wird, bringen Ideen und Rezepte mit. So konnten wir unter anderem schon russische Pelmeni und Köstlichkeiten aus dem Kosovo verspeisen. Zielsetzung des Kochprojektes sei es, so die Honorarmitarbeiterin und Diplom Oekotrophologin Linda Kalb-Müller „die Handlungs- und Alltagskompetenzen der Kinder zu stärken.“ Kinder erlebten heute oft nicht mehr, wie ein Essen zubereitet werde. Auch gemeinschaftlich mit der Familie oder Freunden zu essen und sich dabei über Erlebnisse des Tages auszutauschen, sei für viele fremd geworden. Kochen und Essen habe viel mit Kommunikation und Austausch zu tun. Dieses Projekt gebe Kindern die Möglichkeit, sich selbst in einer Gemeinschaft zu erfahren. Dies sei besonders wichtig und deshalb habe sie auch das Projekt in Gang gesetzt, erklärt die Leiterin des Kinder- und Jugendtreffs Sozialpädagogin Katharina Fuhrmann. Vielleicht könne es für die Familien auch ein Anstoß sein, zu Hause nun einmal gemeinsam zu kochen. Dafür erhalten die Kinder am Ende des Workshops ein selbstgestaltetes Kochbuch. Die darin aufgeführten Gerichte sind kostengünstig, alltagstauglich und leicht zu Hause nachzukochen.
Der Kochworkshop, der von der Aktion Mensch unterstützt und gefördet wird, kann pro Kurs fünf bis acht Kinder im Alter von sechs bis 12 Jahren aufnehmen. Über einen Zeitraum von fünf Wochen trifft man sich immer freitags für drei Stunden. Von Januar bis Juni 2010 finden drei Kurse und zusätzliche Ferienkochaktionen in den Osterferien statt. Für den letzten Kurs, der Ende April beginnt, gibt es noch freie Plätze.
Unterstützt wird das Projekt durch ehrenamtliche Helfer. Besonders erfreulich sei, so Fuhrmann, dass Jugendliche aus dem Münsterfeld für diese Aufgabe gewonnen werden konnten. Finanziert wird das Projekt neben „Aktion Mensch“, durch eigene Haushaltsmittel sowie über gespendete Lebensmittel von der „Fuldaer Tafel“.
Kommen jetzt Kinder mit dem Satz „Wir haben etwas angerichtet …“ läuft einem im Kinder- und Jugendtreff das Wasser im Munde zusammen.

