Schönes aus Fulda. Knapp einhundert Absolventinnen und Absolventen des Fachbereichs Sozialwesen der Hochschule Fulda wurden in der letzten Woche verabschiedet. Erstmals wurden in diesem Jahr neben den Absolventen des Diplomstudiengangs Sozialwesen auch die des 2004 eingeführten Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit geehrt. Das Thema soziale Gerechtigkeit, das im Festvortag des renommierten Kölner Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Christoph Butterwegge seinen Höhepunkt fand, bildete den roten Faden des Abends.
Foto: Hochschule Fulda
Die Dekanin des Fachbereichs Sozialwesen, Prof. Dr. Martina Ritter, ließ die letzten Jahre am Fachbereich Sozialwesen Revue passieren. Diese waren geprägt von der Umstellung vom bewährten Diplomstudiengang Sozialwesen auf den neu etablierten Bachelorstudiengang Soziale Arbeit. Sie dankte den Studierenden beider Studiengänge dafür, dass sie bei diesem, nicht immer leichten Reformprozess sehr konstruktiv mitgewirkt haben.
Im zweiten, eher fachlich geprägten Teil ihrer Ansprache ging die Dekanin auf die Anforderungen ein, mit denen die Absolventen in ihrer bevorstehenden beruflichen Praxis konfrontiert werden. Sie unterstrich vor allem den Balanceakt zwischen unterschiedlichsten, und sich häufig widerstrebenden Anforderungen, die die Praxis Sozialer Arbeit in der heutigen Gesellschaft kennzeichnen. Als zentrale Elemente dieser Praxis hob Prof. Dr. Ritter das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit, sowie die Anerkennung jedes einzelnen Menschen in seinen Eigenarten heraus. Sie bündelte diese Überlegungen im Konzept des Empowerment, wonach Soziale Arbeit ihre Klienten dabei unterstützen soll, selbst aktiv zu werden und ihr Leben selbstverantwortlich zu gestalten.
Prof. Dr. Roland Schopf, der Präsident der Hochschule Fulda dankte in seinen Grußworten all jenen, die die Absolventinnen und Absolventen während ihres Studiums unterstützten. Auch Prof. Dr. Schopf sprach über den als Bologna-Prozess bezeichneten europäischen Hochschulreformprozess, in dessen Zusammenhang Bachelor- und Masterstudiengänge auch in Deutschland etabliert werden. Er verwies hierbei auf das große Innovationspotential, das der Studienreformprozess an der Hochschule Fulda freisetze und Fulda zu einem interessanten Studienort mache.
Den Höhepunkt des Abends bildete der engagierte Festvortag des Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Christoph Butterwegge von der Universität zu Köln. Der Festredner, der Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre als Lehrbeauftragter am Fachbereich Sozialwesen in Fulda gelehrt hatte, präsentierte unter dem Titel „Sozialstaat und Soziale Arbeit in einer sich wandelnden Gesellschaft“ eine beeindruckende Kritik neoliberaler Logiken. Prof. Dr. Butterwegge wies nach, dass auch unter den aktuellen Bedingungen der Globalisierung und des demographischen Wandels ein ausgeprägter Sozialstaat kein wirtschaftliches Standardrisiko darstellt – im Gegenteil, Wohlstand und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit seien nicht ohne Grund gerade in ausgeprägten Wohlfahrtsstaaten zu finden.
Weiter kritisierte der Politikprofessor scharf die aktuelle politische Debatte um Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Die ausschließliche Orientierung an Leistung diskriminiere sozial schwache Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen. Stattdessen forderte er, die Gesellschaft habe dafür Sorge zu tragen, dass jeder Mensch das zum Leben notwendige erhalte. Als Konsequenz aus seinen Darstellungen verlangte Prof. Dr. Butterwegge eine „Re-Politisierung“ der Sozialen Arbeit. Den Absolventen gab er mit auf den Weg, in ihrer beruflichen Praxis engagiert auf soziale Gerechtigkeit hinzuwirken und sich mit ihrem Wissen und ihren praktischen Erfahrungen auch in politische Diskussionen einzumischen.
Getragen von den motivierenden Worten des Festvortrages wurden anschließend feierlich die Diplom- und Bachelorurkunden an die Absolventen überreicht; musikalisch eingerahmt von Stücken des afrikanischen Studentenchors der Hochschule Fulda. Ihren Ausklang fand die Feier in einem gemeinsamen Festbankett, bei dem auch rückblickend Stationen im Studium wie erste Erfahrungen in den Stellen der Berufspraxis ausgetauscht wurden.