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Blühen in der Interkommunalen Zusammenarbeit

Fulda/Eichenzell. Herrliches Wetter zur Mittagsstunde – mit diesem Hintergrund ereignete sich im Schlösschen der Gemeinde Eichenzell historisches. Oberbürgermeister Gerhard Möller unterzeichnete gemeinsam mit seinem Amtskollegen aus Eichenzell – Dieter Kolb, Künzell – Peter Meinecke und Petersberg – Karl-Josef Schwiddessen eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung zur Vermarktung und Betreibung eines interkommunalen Gewerbegebietes der Stadtrandgemeinden.

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Eichenzells Bürgermeister Kolb bezeichnete diese Vereinbarung als richtungsweisenden Schritt zur Wirtschaftsregion Fulda. „Die Idee eines gemeinsamen Handelns ist schon älter, durch die Studie des Architektur- und Planungsbüros Albert Speer wurde die Notwendigkeit auch im Jahre 2007 von externen Gutachtern schriftlich fundamentiert. Fulda, Eichenzell, Künzell und Petersberg konkurrieren heute nicht mehr unbedingt um Gewerbeansiedlungen, vielmehr konkurriert unsere Region mit den Nachbarregionen wie Bad Hersfeld“, so Kolb.

Planungshoheit liegt weiterhin bei den Kommunen

Eichenzells erster Bürger wertet das zukünftige gemeinsame Handeln als einen wichtigen Beitrag im Wettbewerb der Regionen. Die Kommunen, die sich die Kosten, wie z.B. Erschließungsausgaben aber auch die Einnahmen je zu 25 % teilen, behalten jedoch ihre originäre Planungshoheit ihrer eingebrachten Flächen. „Die Parlamente verlieren hier nicht ihr Entscheidungsrecht über den Verkauf und die Art der Ansiedlung“, gibt Kolb zu bedenken.

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Wichtiger Tag für die Stadt

Fuldas Oberbürgermeister Gerhard Möller ist für diesen Tag überaus dankbar. „Nach langen Gesprächen und oft nicht leichten Wegen ist eine interkommunale Zusammenarbeit auf tragfähige Fundamente gestellt worden“, so der OB. Die Stadt, die selbst keine eigenen Flächen in die Vereinbarung einbringen kann, gibt jedoch ihr Mitspracherecht über die Art der Ansiedlungen auf. Somit entsteht auch für Fulda eine sog. Win-Win-Situation, da nun ein Wirtschaftsstandort mit über 100.000 Einwohnern an den Gewerbemarkt geht. „Die Firmen und Makler schauen nach Wirtschaftsstandorten mit guter Infrastruktur und einem gewissen Einwohnersegment. Mit nun über 100.000 Einwohnern wird die Stadtregion
nun ganz anders geratet, was die Präsentation und Vermarktung der Region vereinfacht. Der heutige „Abschlusspunkt der Verhandlungen ist zugleich Startpunkt für die Partnerschaft der Kommunen“, urteilt Möller.

Peter Meinecke, Bürgermeister von Künzell sah diese ähnlich. Zwar kann die Gemeinde Künzell bisher noch keinen Geländeeigentum einbringen, jedoch ist man in Künzell guter Hoffnung, dass zukünftig ca. 15 ha Gewerbefläche direkt an der A7 zum interkommunalen Gewerbegebiet zählen werden. Von den zukünftig ca. 45 ha Gewerbeflächen steuert die Gemeinde Eichenzell zur Zeit die direkt vermarktbaren Flächen in Kerzell/Löschenrod an der A66 bei. Künzell und Petersberg befinden sich zur Zeit noch in den Verhandlungsphasen mit den Grundstückseigentümern. Meinecke sieht in der jetzigen Vereinbarung ein Muster für weitere Projekte der Zusammenarbeit in der Stadtregion. „Keinem Bürger ist es zu vermitteln, wenn wir nicht miteinander sondern gegeneinander arbeiten“, so Meinecke treffend. Mit dem Status der Stadtregion nach Außen möchte Künzells Bürgermeister auch die Fuldaer Innenstadt schützen und fördern.

Auch Petersbergs Bürgermeister Karl-Josef Schwiddessen sieht in der Übereinkunft eine historische Form der Zusammenarbeit und den richtigen Weg aller vier Kommunen. „Wir gewinnen so mehr als wenn wir alleine voran gehen würden“, so Schwiddessen.

Einzigartige Landschaft schützen – koordiniert handeln

Fuldas Stadtbaurätin Zuschke, die neben den drei ersten Beigeordneten der Gemeinden, die zweite Unterschrift der jeweiligen Kommune leisten musste, beleuchtete den Schritt zur Gemeinsamkeit im Hinblick auf den bebauten und nichtbebauten Teil unserer Landschaft. „Wenn jede Gemeinde, jede Stadt ihren Hunger nach Gewerbefläche selbst deckt, ist unsere schöne und einzigartige Landschaft in Gefahr und sehr bedroht. Ich bin froh, dass wir nun die Gewerbeflächen bündeln und so den Landverbrauch koordinieren und eindämmen“, gibt Zuschke zu bedenken.

Der einzigartige Moment in großen Saal des Schlösschens zu Eichenzell wurde abschließend mit Sekt begossen. Oberbürgermeister, Bürgermeister, Stadtbaurätin und die drei ersten Beigeordneten von Eichenzell, Künzell und Petersberg waren nach dem leisten der Unterschriften und dem Setzen der Stadt- und Gemeindesiegel sichtlich erleichtert – eine neue Ära hat begonnen.

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