Written by 3:49 Alle Nachrichten, Kirche

Eine Gemeinde auf dem Weg in die Zukunft

Künzell. Wer sich selbst den Spiegel vorhält, zwei Wochen lang, der kommt ins Staunen und ins Grübeln. Die Zahlen der beiden Erneuerungswochen an sich versprechen viel und sagen wenig. Jeden Tag waren die sechs Gemeinde-Missionare um den Franziskanerpater Max Rademacher unterwegs. Jeder Tag hatte ein dichtes Programm. Und am Ende waren es 6000 Besucher, die insgesamt gezählt wurden. Allein: In der Internetsprache würden wir von 6000 Zugriffen sprechen, nicht von Besuchern. Ein Kern der Gemeinde hat sich offenbar anstecken lassen, vom Erneuerungsfieber. Dieser Kern besuchte das Versöhungsseminar und die Gottesdienste und ging zur Anbetung und war bei der Lichterprozession von Künzell nach St. Pius dabei, bei der Laudes und der Kreuzesnacht. Viele andere aber kamen nur zu sehr ausgewählten Angeboten, und ganz viele kamen gar nicht. Auffällig: Mit 40 oder 50 Jahren gehört man noch zur Jugend, und selbst diese Jugend war in den Gottesdiensten selten zu sehen.

Wer sich allerdings eingelassen hatte auf die Erneuerung von Glaube und Gemeinde, der blickt beglückt zurück auf die Tage mit den drei Patres, Ordensschwestern und einer Mitarbeiterin aus der Franziskanischen Bewegung. „Wir haben Gemeinschaft erlebt wie sonst nicht in der Gemeinde“, stellen die einen fest, „wir haben unseren Glauben überdacht und vertieft“ sagen andere. Die etwas kryptisch „Versöhnungs-Seminar“ genannte Gesprächsrunde erwies sich als Leitfaden durch’s Leben, mit einem Blick auf das eigene Gottesbild, das Selbstbild und den Umgang mit den anderen. In Hausgesprächskreisen hatten Gemeindemitglieder ihre Wohnzimmer zur Diskussion geöffnet. Gerade diese Form des Glaubensgespräches hat sich als Erfolgsmodell gezeigt: Sehr persönlich wurde da diskutiert, über Grundsätze, aber auch über praktisches Christsein im Alltag, zum Beispiel zum Ladenschluss. Zwei Jahre hatten sich die Pfarreien St. Antonius in Künzell und St. Pius in Fulda gemeinsam auf diese zwei Wochen Erneuerung vorbereitet. Umso erstaunlicher, wo sich die Menschen haben ansprechen lassen, und wo sich Nachholbedarf zeigt. Erstaunlich, wie viel Religionsunterrichtswissen nicht mehr vorhanden ist, wie viel Selbstverständliches selbst unter regelmäßigen Kirchgängern nicht mehr verständlich ist.

Hier wollen sich die Gemeinden mit ihrem Pfarrer Rudolf Liebig künftig stärker engagieren. Was die Mission angestoßen hat, das soll nun erst ein Anfang gewesen sein. Einige Hausgesprächskreise werden weiter laufen, in der kleinen Gruppe in den Wohnzimmern, aber auch als größere Runde als Thomas-Morus-Haus-Gesprächskreis. Ein Grundkurs Glaube wird vorbereitet. Im Blickpunkt stehen auch Katholiken, die nach einer Scheidung neu geheiratet haben. Sie finden sich im Niemandsland des Gemeindelebens. Hier wollen die Pfarreien wieder Heimat werden, ebenso wie für junge Ehepaare und für Singles, also für Alleinstehende, die sich in dem teils stark auf Familien zugeschnitten Pfarralltag häufig tatsächlich allein stehend sehen.
Das Leitwort der Gemeindeerneuerung lautete „Christus, Quelle des Lebens.“ Die zwei Wochen haben gezeigt, wie weit viele Katholiken inzwischen ihren Krug hinab lassen müssen, um zu dieser Quelle zu gelangen. Die Gemeindeerneuerung hat aber auch gezeigt, wie viele sich nach dieser Quelle sehnen. Gesucht sind nun – Brunnenbauer.

Visited 1 times, 1 visit(s) today
Close