Fulda. Wie im gesamten Bundesgebiet war 2009 auch im Netzgebiet der ÜWAG ein Rekordjahr für den Anschluss neuer Anlagen, die Strom aus regenerativen Energien erzeugen und nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert werden. Einspareffekte im Netzausbau oder bei der Leistungsbereitstellung der konventionellen Kraftwerke gibt es zur Enttäuschung vieler, die auf erneuerbare Energien setzen, durch deren verstärkte Einspeisung aber nicht. Ohne entsprechende Speicherkapazitäten können die Erneuerbaren auch nicht die zuverlässige Stromversorgung in Spitzenbedarfs-Zeiten garantieren.
1.050 Fotovoltaikanlagen mit insgesamt 17,748 Megawatt peak Leistung und 10 Windkraftanlagen mit insgesamt 20 Megawatt Leistung hat die ÜWAG im Jahr 2009 in ihr Stromverteilungsnetz eingebunden – ein Rekord. „Wir haben damit innerhalb eines Jahres nahezu 100 Prozent mehr Windkraft-Leistung und 56 Prozent mehr Sonnenenergie-Einspeisung an unser Netz angeschlossen“, berichtet ÜWAG-Vorstand Dipl.-Ing. Günter Bury.
Mittlerweile speisen 3.688 EEG-Anlagen Strom ins ÜWAG-Netz
Insgesamt speisen mittlerweile 3.688 EEG-Anlagen mit zusammen rund 100 Megawatt Leistung Strom aus Wind, Sonne, Wasser, Biomasse, Deponie- und Klärgas ins Netz der ÜWAG ein. Das sind rund 40 Prozent der 250 Megawatt Netzlast im ÜWAG-Netz. Theoretisch kann mit einer Erzeugungskapazität von 100 Megawatt Strom für rund 38.000 vierköpfige Haushalte produziert werden.
Allerdings besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen der Leistung konventioneller Kraftwerke und den Anlagen, die erneuerbare Energien in Strom umwandeln: „Der Kraftwerkspark der Bundesrepublik kann durch bedarfsgerechtes An- und Abfahren der Anlagen jederzeit sicherstellen, dass stets genau so viel Strom verfügbar ist, wie gerade benötigt wird“, beschreibt Günter Bury die Situation. Dies ist gerade bei den mit am höchsten geförderten EEG-Anlagen, die Strom aus Sonne oder Wind erzeugen, nicht möglich.
Besonders im Winterhalbjahr, in der kalten und dunklen Jahreszeit, wenn die Netzbetreiber regelmäßig den höchsten Strombedarf registrieren – die Fachleute sprechen von „Höchstlast im Netz“ – steht oft nur ein Bruchteil des Stroms aus erneuerbaren Energien zur Verfügung. So waren an den Tagen mit dem höchsten Strombedarf dieses Winters im ÜWAG-Netz nur 5 bis 10 Megawatt Leistung aus den EEG-Anlagen verfügbar, maximal ein Zehntel der gesamten installierten Leistung.
Vor Neuanschluss der EEG-Anlagen müssen Netze oft erweitert werden
„Liegt dicker Schnee auf den Fotovoltaikanlagen oder haben wir – wie oft an kalten Wintertagen – eine Flaute, speisen Fotovoltaik- und Windkraftanlagen keinen Strom ins Netz. Der konventionelle Kraftwerkspark muss einspringen, damit alle Verbraucher so viel Energie bekommen, wie sie benötigen“, erläutert der ÜWAG-Vorstand. Und da weder Schneefälle noch Windgeschwindigkeiten vom Menschen beeinflussbar und damit steuerbar sind, kann man nicht einfach konventionelle Kraftwerke durch Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien ersetzen.
Auch die Stromnetze können durch die dezentralen Einspeisungen von erneuerbaren Energien nicht schwächer ausgelegt oder gar rückgebaut werden, da bei Nichtverfügbarkeit der EEG-Anlagen der Strom nach wie vor von den Kraftwerken hin zu den Verbrauchern transportiert werden muss. Im Gegenteil: Um die Netzverträglichkeit der EEG-Anlagen sicherzustellen, müssen oft vor Neuanschluss der Anlagen die Netze erweitert oder verstärkt werden. Die Verbraucher bezahlen mit ihrem Strompreis letztlich beides: den Betrieb und die Reservehaltung der konventionellen Kraftwerke und Stromnetze sowie die Subventionen für den Ausbau der erneuerbaren Energien.
Erheblicher Mehraufwand für die Netzbetreiber
Für die Netzbetreiber bedeuten mehr EEG-Anlagen sogar erheblichen Mehraufwand: Es müssen die Einspeiseanträge bearbeitet, jede Anlage auf Netzverträglichkeit geprüft, genehmigt und verwaltet werden, die Netzanschlüsse sind zu erstellen und die Anlagen in Betrieb zu nehmen. Nach Inbetriebnahme erfolgt dann die regelmäßige Auszahlung der Vergütungen, die Meldung der eingespeisten Mengen an den vorgelagerten Netzbetreiber. Einen Spareffekt hat die vermeintlich „kostenlose“ Energie aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse, Deponie- und Klärgas daher auch an dieser Stelle nicht.
Für die effiziente, kostenoptimierte und vollständige Integration der erneuerbaren Energien sind erhebliche Speicherkapazitäten erforderlich. Dies konstatiert eine aktuelle Studie, die die Deutsche Energieagentur (Dena) gemeinsam mit der TU München und der RWTH Aachen angefertigt hat. Erst, wenn Speicherkapazitäten in ausreichendem Umfang vorhanden sind, können Stromerzeugung und -verbrauch zeitlich entkoppelt und die Vorhaltung konventioneller Stromerzeugungskapazitäten verringert werden. „Bis dahin bleiben die konventionellen Kraftwerke trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien für die zuverlässige Stromversorgung unverzichtbar“, sagt ÜWAG-Vorstand Dipl.-Ing. Günter Bury.