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Barocke Pracht zum Strahlen gebracht

100309_EroeffnungFulda. Wer die Eleganz und Schönheit der barocken Innenausstattung des Stadtschlosses in all ihrer Pracht auf sich wirken lassen möchte, der muss unbedingt den Dalbergsaal besuchen. Nach monatelanger Erneuerung der kräftig roten Wandbespannung mit ihrer filigranen, goldschimmernden Ornamentik, der Bestuhlung und Auffrischung der Farben des formenreichen Deckenstucks  glänzt das edle „Schatzkästlein“ wieder. In frischem Kleid erwartet der Dalbergsaal nun  die Besucher des Schlossherrn, egal ob nobler Ehrengast oder einfacher Tourist.

Fuldas Kulturdezernent und derzeitiger „Schlossherr“ Gerhard Möller hatte die ehrenvolle Aufgabe, im kleinen Kreis – darunter die beiden Ehrenbürger OB a.D. Dr. Wolfgang Hamberger  sowie der frühere Stadtverordnetenvorsteher Heinz Gellings – den für rund 65.000 Euro restaurierten Saal wieder seiner Bestimmung zu übergeben. Am Empfang nahm auch Irmgard Kramer, die Witwe Ernst Kramers, teil, der entscheidenden Anteil an der Restaurierung und Wiedernutzung der historischen Räume des Schlosses hatte.

Spiegelkabinett zurück gekauft

Vor 50 Jahren gelang wesentlich durch Ernst Kramer der Rückkauf der Originale des barocken Spiegelkabinetts, das im Hanauer Schloss Philippsruhe lagerte. Das, so Möller in seiner einleitenden Rückschau, sei der „wichtige Auftakt gewesen, die Wohnstätte der Fürstbischöfe im Südflügel des Schlosses zu restaurieren.“ Mit der Inbesitznahme dieses Flügels war ein Markstein gesetzt. In einer schier unglaublichen Anstrengung sei es schließlich 1976 gelungen, den Fürstensaal zu übergeben.

Mancher der Gäste, meinte der OB, könnten sicherlich anekdotenhafte Verbindungen aus dieser Zeit wiedergeben. Den abendlichen Empfang nahm Fuldas Kulturdezernent zum  Anlass, jenen Menschen besonders zu danken, die die historische Bedeutung des Vorhabens damals zielsicher erkannt und mit „hoher Kompetenz und Durchsetzungskraft dafür gesorgt haben mit der Überzeugungskraft der Politik die Räume  so präsent zu machen, dass sie ihre ganze barocke Pracht wieder entfalten konnten.“

Gesamtrenovierung war notwendig

Im letzten Herbst begann die Renovierung des Dalbergsaals. Die zerschlissenen Polster seien förmlich „ins Auge gesprungen.“ Doch nicht nur die Polster, auch Tapete und Decke konnten nicht im alten Zustand bleiben. Deshalb folgte die Gesamtrenovierung. Die Überzeugungskraft von Kulturamtsleiter Dr. Werner Krichhoff habe geholfen, das Vorhaben umsetzen. „Der OB hat sich um die Finanzierung gekümmert“.

Möllers Dank galt an dieser Stelle insbesondere der Sparkasse und ihrem Vertreter Alois Früchtl für die finanzielle Unterstützung, insbesondere Dr. Werner Kirchhoff als „spiritus rector“, aber auch denjenigen, die die Restaurierung realisiert haben. Unter anderem die Gebrüder Seng und der Fa. Bohn. Gleichzeitig erinnerte Fuldas Verwaltungschef an den ursprünglichen Förderer der Schlosssanierung: Ernst Kramer. „Mit der Übergabe des Dalbergsaals erinnern wir uns an das, was er uns und der Stadt hinterlassen hat.“

An Ernst Kramer erinnert

Das „Leben und Wirken Ernst Kramers“ skizzierte Museumsleiter  Dr. Gregor Stasch nach. Schon als junger Regierungsbaurat habe er in den 30er Jahren über die Umgestaltung und Sanierung des Schlosses nachgedacht. Fast 40 Jahre sollten jedoch vergehen, bis 1976 diese Umgestaltung des Fürstensaals mit Szenen des antiken Götterhimmels unter seiner maßgeblichen Beteiligung Wirklichkeit werden konnte. Bereits in den 50er Jahren war die vereinfachte Wiederherstellung des Saals erfolgt, die Ernst Kramer allerdings als unzureichend ansah.

Wortgewaltiger Publizist und Privatgelehrter

Der am 31. Oktober 1909 Geborene folgte einer Familientradition: Vater und Großvater waren Architekten gewesen. Ernst Kramer studierte Bauwesen in München, Dresden und Berlin und schloss das Studium als Bauingenieur ab. Nach seiner 2. Staatsprüfung 1936 kam er als Mitarbeiter Albert Speers zur „Arbeitsfront“ im Gebiet der Mark Brandenburg. 1939 folgte der Wehrdienst. Kurz vor Kriegsende geriet der gebürtige Fuldaer in amerikanische Gefangenschaft und kehrte in seine Heimatstadt zurück. Wegen seiner NS-Mitgliedschaft erhielt der Bauingenieur Arbeitsverbot.

Deshalb arbeitet er ab dann als freischaffender Architekt. Sein Interesse galt den historischen Bauten seiner Vaterstadt. Während der Referendarzeit 1932 in Fulda war Ernst Kramer an bedeutenden Projekten wie der Freilegung der Fresken in der Krypta der ehemaligen Klosterkirche in Neuenberg, der  Grabung am Domplatz oder der Sanierung im Bereich des ehemaligen Residenzgartens beteiligt. Schon damals zeigte sich sein Interesse an bauhistorischen Fragestellungen, an Kunst und bauhistorische Forschungen sowie aus tiefer Kenntnis abgeleitete Freude am Gestalten.

100309_Renovierung 100309_BesichtigungDie Sanierung des alten Rathauses oder des 1. Obergeschosses des südlichen Ehrenhofflügels zählen zu Ernst Kramers herausragenden Leistungen. Insbesondere im Schloss habe er eine von allen bewunderte barocke Raumfolge mit dem Spiegelkabinett als Höhepunkt geschaffen. Das Ergebnis nach sechs Jahren sei  bestechend gewesen, urteilt Stasch, vor allem deshalb, weil sich Ernst Kramer auf sein Wissen und seine reiche Erfahrung verlassen konnte.

Mit dem Rathaus und dem Fürstensaal im Schloss habe er sich Denkmale gesetzt. Für seine großartigen Leistungen verlieh ihm am 10. Mai 1976 die Stadt den Kulturpreis. Dieser Anlass konnte im Fürtensaal, einer seiner herausragenden Wirkungsstätten, festlich begangen werden. In der Spätphase seines Lebens, in der sich Ernst Kramer vom gesellschaftlichen Leben zurückgezogen hatte, habe er sich zum wortgewaltigen Publizisten und Privatgelehrten entwickelt. Es entstand eine ungeheure Zahl von 1.000 Veröffentlichungen.

Mit unglaublicher Energie korrespondierte Ernst Kramer in der Schlussphase seines Lebens mit der ganzen Welt. „Er überzeugte durch Charme, Intelligenz und Bildung“, bescheinigte Stasch dem großen Bauexperten und Restaurator. Der Dalbergsaal stehe am Anfang einer mittelfristig notwendigen Sanierung der historischen Räume, „wo wir auf Schritt und Tritt E.K., wie er liebevoll genannt wurde, folgen können.“ (mb)

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