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„Medea. Stimmen“ – Neue Produktion der Theaterwerkstatt der Richard-Müller-Schule

100309_SzenenfotoPetersberg. Um die mythologische Frauengestalt der Medea hat sich in einer zweieinhalb Jahrtausende währenden Textgeschichte eine dunkle Aura aus Schrecken und Faszination – als Mörderin des Bruders, des Onkels, der Nebenbuhlerin und sogar ihrer eigenen Kinder – gebildet. Als leidenschaftlich Liebende und verlassene Frau, als Heilerin, Zauberin und todbringende Giftmischerin ist Medea eine äußerst ambivalente Figur. Im Zentrum des modernen Theaterstücks „Medea.Stimmen“ sollen das Verhältnis von „Macht und Mythos“ und die Frage nach der historischen „Wahrheit“ stehen.

Anhand der parallelen, vergleichenden Darstellung zweier unterschiedlicher Bearbeitungen des Medea-Mythos – zum einen der Tragödie „Medea“ des antiken griechischen Dichters Euripides, und zum anderen des Romans „Medea.Stimmen“ von Christa Wolf – soll der Zuschauer selbst herausfinden, was die „Wahrheit“ über Medea wirklich ist. Euripides zeigt Medea als eine blutrünstige Bar­barin, die rasend vor Eifersucht und gekränktem Stolz zuerst ihre Nebenbuhlerin, die korinthische Königstochter Glauke, und schließlich ihre eigenen Kinder bestialisch umbringt, weil sie sich von Jason, ihrem Mann, betrogen und verstoßen fühlt.

Christa Wolf zweifelt den Wahrheitsgehalt des antiken Mythos an: Was wenn Medea nicht Täterin, sondern eher Opfer gewesen ist? Sollte vielleicht ein weit größeres Verbrechen hier verschwiegen werden? Und plötzlich verwandelt sich dieses einfache Gedankenexperiment in einen spannenden politischen Triller um Liebe, Macht, Eifersucht und Verrat. Und hinter der Maske der Lüge kommt eine unmenschlich menschliche Wahrheit zum Vorschein.

In diesem Sinne ist die Geschichte der Medea als Modell geeignet, dass wir Heutige uns in den Ver­haltensweisen der handelnden Personen wieder erkennen können. Der Mythos kann uns helfen, uns in unserer Zeit neu zu sehen, er hebt Züge hervor, die wir vielleicht nicht bemerken können, ja nicht bemerken wollen. Er stellt auf besondere Weise Fragen nach der menschlichen Natur. Zum Beispiel die Frage: Warum brau­chen wir Menschenopfer? Warum brauchen wir immer noch und immer wieder Sünden­böcke?

Termin: 27., 29. und 30. April 2010, jeweils 19.30 Uhr, Propsteihaus Petersberg
Eintritt: 8 Euro normal / 5 Euro ermäßigt (Schüler / Studenten)
Kartenbestellungen unter 0661 / 9015612 (Anrufbeantworter), unter E-Mail: RiMS-Theaterwerkstatt@web.de bzw. unter www.rims.schulen-fulda.de/theaterwerkstatt

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