Fulda. Was Professor Dr. Hans Günther Bastian (Frankfurt) bereits im Jahre 2000 in einer Langzeitstudie nachgewiesen hat, deckt sich mit den Erfahrungen in der Region Fulda als Hochburg der hessischen Blasmusik: Durch das aktive Musizieren kommt es bei Kindern und Jugendlichen zu einem nachweisbaren Intelligenzzuwachs, die soziale Kompetenz wird erweitert und Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, emotionale Stabilität, Konfliktmanagement und Zielstrebigkeit werden verbessert.
Daher hat sich der Kreis- und Stadtmusikverband Fulda, der Dachverband der blasmusiktreibenden Vereine im Kreis- und Stadtgebiet Fulda, seit seiner Gründung im Jahre 1980 besonders die Jugendförderung auf die Fahne geschrieben. Denn wenn der Nachwuchs fehlt oder nur unzureichend ausgebildet ist, wird ein Verein irgendwann im wahrsten Sinne des Wortes „aussterben“.
Jugendbläserwochenenden mit Gastdozenten, Instrumentenaus- und -weiterbildungen in enger Kooperation mit der Volkshochschule des Landkreises Fulda und natürlich die Prüfungen zum Jugendleistungsabzeichen (D-Prüfungen) sind im Kreis- und Stadtmusikverband Fulda feste Bestandteile der Verbandsarbeit.
In einer theoretischen und einer praktischen Prüfung müssen die Absolventen dieser D-Prüfungen, je nach Kategorie (D1 = Jugendleistungsabzeichen in Bronze, D2 = JLA in Silber, D3 = JLA in Gold), ihre erarbeiteten Fertigkeiten vor einem zweiköpfigen Prüfungskomitee unter Beweis stellen. Dieser Prüfung geht in der Regel eine mehrjährige Instrumentalausbildung entweder im Verein, einer Musikschule oder im Privatunterricht voraus.
Nach Anmeldung durch den Verein, der das Leistungsniveau der Absolventen in der Regel am besten beurteilen kann, werden im Rahmen eines Vorbereitungsunterrichts zirka vier Wochen vor der eigentlichen Prüfung die Inhalte erörtert und mögliche Defizite aufgezeigt. Bei Bedarf bietet der Verband in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule so genannte „Crashkurse“ über zwei Samstage an, in denen das theoretische Wissen vertieft wird.
Werden bei der Bronze-Prüfung Kenntnisse im gebräuchlichen Tonraum, Quintenzirkel, Intervalle, Dynamik, Rhythmusdiktat und Gehörbildung geprüft, so sind die Anforderungen bei der Gold-Prüfung doch etwas höher, denn diese Prüfung berechtigt zur Teilnahme an einem Stimm- und Registerführerlehrgang, der wiederum Voraussetzung zum Dirigentenlehrgang ist.
Neben ausgewählter, anspruchsvoller Musikliteratur im praktischen Teil werden gute Kenntnisse aus der Harmonielehre, Grundbegriffe der Ornamentik, Kadenzen, Taktverschiebungen, der Tonerzeugung und Bauart der Instrumente, der Musikgeschichte und Kenntnisse der Besetzungsformen vorausgesetzt.
Nach bestandener Prüfung werden den Absolventen in einem geeigneten Rahmen die Prüfungs-Urkunde, die Ehrungs-Medaille und das Nachweisheft für Aus- und Weiterbildung der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände verliehen. Denn die Prüfungen des Kreis- und Stadtmusikverbandes sind bundesweit anerkannt. Waren es zu Beginn der Leistungsprüfungen im Jahre 1997 nur 32 Teilnehmer, so sind es heute im Jahresdurchschnitt 150 Absolventen. Insgesamt wurden seit Begründung dieser Leistungsanforderungen 1.640 junge Musikerinnen und Musiker in ihrem musikalischen Können geprüft.
Das Engagement, mit dem die jungen Musikerinnen und Musikern sich auf diese Prüfung vorbereiten und die erfolgreichen Prüfungsergebnisse machen deutlich, dass sich der Kreis- und Stadtmusikverband mit seinem Angebot von „Fördern und Fordern“ auf dem richtigen Weg befindet. Dieser soll in Zusammenarbeit mit den vielen engagierten Vereinen und deren Verantwortlichen weitergeführt und ausgebaut werden. Dann braucht es der hiesigen Region um den musikalischen Nachwuchs nicht Bange zu sein.