Burghaun. Die Marktgemeinde Burghaun erinnerte auch in diesem Jahr in einer Feierstunde am 10. November an den 71. Jahrestag der sogenannten Reichskristallnacht. „Dieses Pogrom stellte nicht nur einen ersten beispiellosen Höhepunkt der Judenverfolgung dar, sondern führte auch zu einer tiefgreifenden Zerstörung des jüdischen Lebensbereichs, der sich bis auf die Landgemeinden erstreckte, so Bürgermeister Hohmann in seiner Ansprache.
Nach diesem Tag erhielt die Verfolgung der Juden einen neuen Charakter, denn nun begann die stille Eliminierung der Juden. Die Pogrome markierten so den Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später in den Holocaust an den europäischen Juden im Machtbereich der Nationalsozialisten mündete. Der 09. November 1938, der Tag der Reichskristallnacht, symbolisiere den moralischen Tiefpunkt und den schleichenden Zerfall der Zivilgesellschaft in Deutschland.
Alexander Hohmann verwies auf die Rede von Bundespräsident Horst Köhler anlässlich des 60. Jahrestags des Endes des 2. Weltkriegs, der darauf hinwies, dass es keinen Schlussstrich geben könne und dürfe. Dies sei eine klare Weisung an künftige Generationen, einen Weg für einen verantwortungsvollen Umgang mit der deutschen Geschichte – speziell mit dem Unrechtsregime der Nationalsozialisten in den Jahren 1933 – 1945, zu finden.
Elisabeth Sternberg beleuchtete den Tag aus Burghauner Sicht am Beispiel von Anschel Braunschweiger, der seit 1895 in der Dimbachstraße ansässig war. An seinem Beispiel konnte sie den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern sowie den Mitgliedern von Gemeindevorstand und Gemeindevertretung sachkundig darstellen, welches Ausmaß die Verfolgung und spätere Ermordung der Juden auch in Burghaun angenommen hatte. Frau Elisabeth-Sternberg las hierzu einige Passagen aus ihrem Buch „Das jüdische leben im Hünfelder Land“ vor
Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Gemeindevertretung Norbert Herr legte Bürgermeister Alexander Hohmann an der Gedenktafel im Eingang zum Schlosshof zur Erinnerung an die Zerstörung der Synagoge in Burghaun am 10. November 1939 einen Kranz nieder.