Fulda. In der Ausstellung „Das aktuelle Bild – Die 60er Jahre in der Deutschen Demokratischen Republik“, deren Eröffnung am 9. November um 15 Uhr ist, wird sichtbar, wie das DDR-Regime seine Bürger durch die „Sichtagitation“ – so die damalige Floskel – zu manipulieren und seine Macht zu festigen versuchte. Propaganda und Meinungsmache verfälschten gerade in der Phase der Teilung und des Aufbaus nach dem Krieg das Bild der tatsächlichen Gegebenheiten sehr. Im Vonderau Museum wird sich im Rahmen der Veranstaltungs-reihe „Objekt im Blickpunkt“ eine Folge von zentral redigierten und hergestellten Wandzeitungen der 60er Jahre dem Alltag, den industriellen und landwirtschaftlichen Betrieben, aber auch politischen Ereignissen der damaligen DDR widmen. Die Ausstellung ist vom 10. November bis 22. November 2009 im Vonderau Museum zu sehen.
Wandzeitungen
Wandzeitungen wurden vor allem in der noch jungen Sowjetunion im großen Stil für Propagandazwecke genutzt und verbreiteten sich schnell auch auf alle anderen sozialistischen Länder. Auch in der Zeit des Nationalsozialismus wurde die „Parole der Woche“ veröffentlicht, eine Wandzeitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Julius Streicher, Herausgeber des Kampfblattes „Der Stürmer“, ließ sie in Form eines Ausstellungskastens („Stürmerkasten“) in nahezu jeder deutschen Gemeinde aufstellen. Später war es auch in der DDR üblich, in Betrieben und Schulen Wandzeitungen zu politischen und sonstigen Themen führen zu lassen. Diese wurden vor allem für Agitprop-Zwecke verwendet.
Das Aktuelle Bild
Das Aktuelle Bild – die Wandzeitung der DEWAG WERBUNG Berlin erschien 14-tägig in vier Ausgaben (A – Allgemein (erst seit 1969), B – Betrieb, L – Landwirtschaft und S – Schule) und wurde in der Regel im Abonnement an die Betriebe, Schulen und Parteiorganisationen versendet. Die Wandzeitung, die wegen der technischen Umsetzung nur selten wirklich aktuell sein konnte, wurde durch bestimmte Beilagen, wie das aktuelle Foto und das aktuelle Großfoto begleitet.
Diese Medien versuchten als Zusatz zur Wandzeitung, wenn auch ohne inhaltlichen Bezug zum eigentlichen Thema, auf tagespolitische Ereignisse zeitnäher zu reagieren. Die hier vorgestellten, meist ungebrauchten Ausgaben B und L gingen an die Ortsparteiorganisation in Geisa, zu Händen des Genossen Leo Schuh, der die Umschläge, manchmal sogar ungeöffnet, auf einem Stapel im Büro lagerte. So blieben sie über die Zeit der Wende hinaus auch für die nachfolgenden Generationen gut erhalten, konnten aber wohl nur selten ihren primären Zweck erfüllen.
Eröffnung
Die Eröffnung findet am Montag, 9. November 2009, um 15.00 Uhr im und vor dem Vonderau Museum Fulda am Jesuitenplatz 2 statt. Zur Eröffnung wird in der Zeit zwischen 14 und 16 Uhr vor dem Eingang des Vonderau Museums unter Regie von Christoph Krassa ein „Stillleben“ zum Thema deutsch-deutsche Grenze 1989 arrangiert. Uniformierte Soldaten der DDR-Grenztruppe, des Bundesgrenzschutzes, der amerikanischen Truppen sind mit ihren originalen Fahrzeugen (auch Trabis) dabei. Diese Aktion konnte dank einer großzügigen Hilfe der Point Alpha Stiftung verwirklicht werden.
Die Ausstellung ist vom 10. November bis 22. November 2009 im Vonderau Museum in Fulda zu sehen. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr. (cp)
