Fulda/Sergiew Posad. Politik steht offenbar nicht gerade hoch im Kurs, zumindest bei vielen Jugendlichen in Fuldas russischer Partnerstadt Sergiew Posad. „Die Jugend ist wenig am politischen Geschehen interessiert und sehr unselbständig“, bedauert Rodion Chernyaev, Jugendarbeiter in der Stadt des heiligen Sergej. Auch Alkoholprobleme unter russischen Jugendlichen bereiten den Experten Sorge. Kaum dagegen die Arbeitslosigkeit. Das wie auch generell Fragen zur Jugendarbeit und des Dialogs waren Kernpunkte eines Gedankenaustauschs zwischen Fuldas Verwaltungschef Gerhard Möller und Jugendarbeitern aus Sergiew Posad.
Instabilität
Einen möglichen Grund für das politische Desinteresse sieht Chernyaev u.a. in der politischen Instabilität der Kommunalpolitik in seiner Heimatstadt. Derzeit stehen wieder OB-Wahlen an. Und die Ausgangslage ist schwierig: Von übergeordneter Stelle ist ein Kandidat ins Rennen geschickt worden, „um wieder für geordnete Verhältnisse zu sorgen“. Er hat, so vermuten einige Teilnehmer der Begegnung mit Möller, gute Chancen, die Wahl für sich zu entscheiden. Vor diesem Hintergrund ist es Ziel der Jugendarbeiter, jungen Frauen und Männern mehr Selbständigkeit zu vermitteln, damit sie auch wieder mehr Interesse an der Politik finden.
Ekaterina Lobanova, Vera Bochrova, Rodion Chernyaev, Oleg Dmitriev, die von Julia Tesic, Anke Ritzmann, Michael Bolz sowie Andreas Müller begleitet worden sind, skizzierten dem interessierten OB ein aktuelles Bild ihrer Arbeit. Der Bereich, der innerhalb der Stadtverwaltung Sergiew Posads für Jugendarbeit zuständig ist, sei noch relativ jung. Kontakte werden mit den verschiedensten Institutionen, so u.a. auch der Universität, gepflegt, „um gemeinsam zu besprechen, was Jugendliche interessiert“.
Neben der klassischen Jugendarbeit gibt es ebenso die projektbezogene offene Jugendarbeit. Welche Ergebnisse auf diesem Gebiet erzielt werden, davon konnte sich Fuldas Verwaltungschef an einem sehr schönen Beispiel überzeugen. Als Gastgeschenk erhielt Möller eine bearbeitete Ansicht der Klostermauer mit Wachturm. Der Besuch der Gruppe aus Sergiew Posad diente der Vorbereitung eines weiteren Jugendaustauschs zwischen Sergiew Posad und Fulda.
Bäume gedeihen
Für die Gäste aus dem fernen Russland übermittelte Ekaterina Lobanova die Grüße aus der Partnerstadt. Fuldas OB dankte sie für den „angenehmen Empfang und die herzliche Gastfreundschaft.“ Viele Bilder wird Lobanova wieder mit nach Hause nehmen. Fulda habe ihr „sehr gut gefallen“, sagt sie. Beeindruckt war die junge Russin von der Fachkenntnis ihrer Fuldaer Kollegen. Für die Zukunft hofft sie, dass sich die Fachleute auf beiden Seiten noch besser kennen lernen und der Austausch fortgeführt wird.
Auch Fuldas OB unterstrich die Bedeutung des Gedankenaustauschs. „Für mich war es ganz wichtig, einmal zu erfahren, wie die Jugendarbeit in Sergiew Posad ganz konkret aussieht.“ Natürlich interessierte sich Möller ebenso für die aktuelle Entwicklung in der Partnerstadt, ob die Verwaltung inzwischen ins neue Rathaus umgezogen ist. Oder: Was die jungen Bäume machen, die er 2007 bei seinem letzten Besuch gemeinsam mit seinem damaligen Amtskollegen Persianov gepflanzt hatte. Sie „gedeihen wie die Partnerschaft kräftig“, bestätigte ihm einer der Gäste. (mb)