Eichenzell. Mit der Eröffnung der Prinz-Heinrich-Galerie Ende August macht das Museum Schloss Fasanerie den Schritt ins 20. Jahrhundert. In fünf neuen Räumen des Barockschlosses zeigt das Museum der Hessischen Hausstiftung zeitgenössische Werke des deutsch/italienischen Malers Enrico d’Assia.
Enrico d’Assia
Aufgrund des großen Interesses bietet Museumsdirektor Dr. Markus Miller sowie die Leiterin des Archivs der Hessischen Hausstiftung Frau Christine Klössel an den kommenden vier Sonntagen eine Sonderführung jeweils um 15:00 Uhr an. Die neuen Ausstellungsräume sind dem Werk Enrico d’Assia (1927–1999) gewidmet, dessen Arbeiten in Frankreich, Italien und Amerika gezeigt wurden, aber noch nie in einer Einzelausstellung in Deutschland.
Es ist kein Zufall, dass die erste deutsche Schau seiner Kunstwerke im Museum Schloss Fasanerie zu sehen ist. Vielmehr gibt es eine enge Beziehungen zwischen dem Lebensweg Enrico d’Assias und dem Schloss in Eichenzell. Es ist das Schloss seiner hessischen Ahnen – hier verbrachte d’Assia als junger Mann einen Teil der Nachkriegsjahre. Er hatte sich im Nordflügel des Schlosses ein Atelier eingerichtet, in dem ein großer Teil seines Frühwerks entstand.
Im September 1947 verlegte Enrico d’Assia seinen Wohnsitz nach Italien und entschied sich kurz darauf für die italienische Staatsbürgerschaft. Der Umzug nach Italien versteht sich – ebenso wie sein Aufenthalt in Schloss Fasanerie – aus der familiären Herkunft des Künstlers. Seine Mutter war die zweite Tochter des italienischen Königs Viktor Emanuel III., Enrico d’Assia war – 1927 als Heinrich Prinz von Hessen in Rom geboren – gleichsam zweisprachig und mit doppelter Heimat in der italienischen Hauptstadt wie auch in Kassel aufgewachsen.
Neben bemerkenswerten Stillleben aus den Jahren 1946/47 widmet sich die neue Galerie auch der erfolgreichen Schaffensperiode Enrico d’Assias als Kostüm- und Bühnenbildner. So werden beispielsweise neun Originalentwürfe von 1969 für eine Aida Aufführung im Teatro Communale in Florenz präsentiert.
In diesen Arbeiten ist bereits der spätere Stil d’Assias ausgeformt, der durch das Licht Süditaliens sowie zwei für den Maler unvergessliche Ägyptenreisen beeinflusst wurde. Seinen Stil bezeichnete Enrico d’Assia selbst einmal als „romantischen Surrealismus“. In seinen Werken erweist er sich als Meister spätsurrealistischer Metamorphosen: Wolken verwandeln sich in windbewegte Segelschiffe, Obelisken in Bäume und Inseln erheben sich aus submarinen griechischen Statuen.
Besonderen Charme und Humor beweisen die 42 sehr kleinen, oft nur postkartengroßen Bilder in der Mittelgalerie. Die von Enrico d’Assia zwischen den späten 70er Jahren bis Mitte der 90er geschaffenen Darstellungen sind Geschenke an Verwandte und Freunde. So etwa eine Serie von 28 Bildern, die aus dem Besitz von Margaret Prinzessin von Hessen und bei Rhein stammt. Mit ihr teilte Enrico d’Assia die Begeisterung für Mopshunde und schenkte ihr regelmäßig geistreiche Darstellungen von Wortspielen. Er handelt sich um gemalte Capriccios, die auf witzige Weise mit den Worten „Mops“ und dessen englischer Form „Pug“ spielen. Diese Motive haben viele Freunde – insbesondere bei Mopsliebhabern in der ganzen Welt – gefunden. Legendär sind etwa „Mopserat Caballe“, „Mopsarella pomodore“, „Spughetti“ oder „Glasmopst“.
Ein weiterer Teil der neu eröffneten Ausstellungsräume widmet sich der Kunstsammlung Enrico d’Assias: Werke von Giambattista Tiepolo sowie Rötel- und Tuschezeichnungen u.a. von Fra Bartolommeo, Agostino Carracci oder Frederico Zuccari sind zu sehen.
Der Initiator und Gestalter der neuen Prinz-Heinrich-Galerie ist der älteste Sohn Landgraf Philipps, Landgraf Moritz von Hessen. Er führt mit diesen neuen Räumen das Werk seines Vaters fort und schuf für seinen Bruder die erste Dauerausstellung von dessen Oeuvre in Deutschland. Prinz Heinrich von Hessen, der seit 1948 den Künstlernamen Enrico d’Assia führte, wird nun die Abteilung des 20. Jahrhunderts im Museum Schloss Fasanerie gewidmet.
Sonderführungen
Sonntag, 11. Oktober, 15:00 Uhr (Christine Klössel)
Sonntag, 18. Oktober, 15:00 Uhr (Dr. Markus Miller)
Sonntag, 25. Oktober, 15:00 Uhr (Christine Klössel)
Sonntag, 1. November, 15:00 Uhr (Dr. Markus Miller)
Eintrittspreise
Erwachsene 4,50 EUR
Ermäßigt 3,50 EUR
Hessische Hausstiftung
Museum Schloss Fasanerie
36124 Eichenzell
0661 – 94860
museum@schloss-fasanerie.de

