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Vogelsberger Denkmalbeirat tagte in Schotten

Burgmuseum SchlitzSchlitz (pz). Turnusgemäß traf sich der Vogelsberger Denkmalbeirat diesmal in Schotten. Frau Müller, die Vorsitzende des Gremiums, begrüßte neben Herrn Schilling (Geschäftsführung) und Herrn Baumann (Landesamt) Frau Bürgermeisterin Schaab-Madeiski und den Stadtarchitekten, Herrn Straub. Nach einer kurzen Würdigung des langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden des Denkmalbeirates, Herrn Prof. Helfenbein anlässlich seines 80. Geburtstages, wurde eine vielseitige Tagesordnung abgearbeitet, die die Bandbreite der Themen zeigt, mit denen sich der Denkmalbeirat beschäftigt.

Ein Denkmal gebaut…

Da ging es einmal um eine Versammlung in Gemünden, auf der es hoch hergegangen und auf der der denkwürdige Satz gefallen war: „Wir haben nichts gegen den Denkmalschutz, aber was gegen die Denkmalschützer!“ Diese Aussage zeigte wieder einmal, dass der Weg zu einem Verständnis der Arbeit von Denkmalschützern (und auch des Denkmalbeirates) noch weit ist. Die geplante Web-Seite des Vogelsberger Denkmalbeirates soll demnächst über die Internetadresse des Kreises verfügbar gemacht werden. Hier wird der Denkmalbeirat seine Ziele und seine Mitglieder präsentieren. Wie aus dem Landesamt für Denkmalpflege zu erfahren war, soll auch die Denkmaltopographie ins Netz gestellt werden. Das würde bedeuten, dass sich dann jedermann darüber informieren kann, welche Gebäude etc. und warum als Denkmäler eingestuft sind.

Ein zentraler Punkt war diesmal das als Kulturdenkmal eingestufte Haus Nr. 1 in Schotten-Sichenhausen. Dieses Haus und ein zugehöriger alter Baum bilden in dem kleinen Ort eine zentrumbildende Einheit, und ein Abriss des leerstehenden Gebäudes sowie die Entfernung des Baumes würden den Ort gesichtslos werden lassen. Die Gemeinde hält eine dörfliche Nutzung nicht mehr für denkbar und sieht Straßenführung sowie Sicherheit der Passanten im Vordergrund (abgesehen von den Kosten) und kämpft nun vehement für einen Abriss, scheut dabei auch nicht unkonventionelle Vorgehensweisen. Die Denkmalbehörde vertritt demgegenüber die Ansicht, dass dem Ort mit dem Abriss des im 19. Jahrhundert erbauten, später aufgestockten Einhauses prägende Elemente verloren gingen. Der Konflikt ist zur Zeit unlösbar, doch spricht die Wahrscheinlichkeit für eine Lösung, an der der „Zahn der Zeit“ wesentlich mitwirken wird.

Thema Photovoltaik

In ihrem Bericht vom Hessischen Vorgeschichtstag konnte Frau Müller auf zahlreiche Ausgrabungsergebnisse vom Neolithikum bis in die germanische Zeit hinweisen, die zeigen, was es noch alles unter der Erdoberfläche in unserem Land zu entdecken gibt. Herr Schilling teilte mit, dass die Stelle des Bauamtleiters ab 1. Januar 2010 vom Architekten und Regierungsbaumeister, Herrn Hofmann, besetzt werden wird, der über Erfahrungen u.a. aus seiner Arbeit am Staatlichen Hochbauamt in Bayreuth verfügt. Mit seiner Stelle erledigt sich eine ähnliche, ephemere, Stelle in Alsfeld und damit auch der dortige Denkmalbeirat, der ja, überraschend, vor gar nicht langer Zeit das Licht der Welt erblickt hatte.

Thema Photovoltaik in historischen Stadtkernen: Hier vertritt die Denkmalschutzbehörde drei Maximen: 1. möglichst nicht auf ein Baudenkmal, 2. immer einen (Dach-)Rahmen um die Anlage lassen, 3. entsorgen, wenn die Anlage nicht mehr betrieben wird. Es zeigt sich übrigens, dass allein schon wegen meist zu niedriger Dachflächengrößen solche Anlagen in alten Stadtkernen kaum infrage kommen. Dr. Puthz wies auf Defizite des neuen DEHIO (Kunstdenkmäler Hessen) hin und bedauerte, dass die Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Herausgebern und den örtlichen Kennern der Materie bisher noch nicht so funktioniert hat, wie es wünschenswert sei.

Weitere Themen

Ausführlich erläuterte dann Stadtbaumeister Straub die Sanierung des alten Rathauses in Schotten. Das Rathaus, ein Schmuckstück aus dem frühen 16. Jahrhundert, das möglicherweise vom selben Baumeister wie das Alsfelder Rathaus erbaut wurde, war noch Anfang des vorigen Jahrunderts vollständig verputzt. 1902 hatte man dann den Putz entfernt und das schöne alte Fachwerk, auch wieder mit dem bezeichnenden Alsfelder Riegel, freigelegt. Aber nicht nur das: es wurde damals schon (!) denkmalgerecht behandelt, darüber hinaus ein Drittel nach Osten hin verlängert und mit einem kleinen Erker versehen.  Wie auch bei anderen alten Fachwerkbauten hatten hier das Wasser und unkluge Reparierungsarbeiten zu Balkenschäden geführt, die umfangreiche Sanierungsarbeiten nötig machten. Ungünstige Neigungsverhältnisse von Steinen, auf denen Schwellen ruhen, undichte Zapfenlöcher, nicht fachgerecht geschlossene Riegelanschlüsse und falsche Baustoffe (Silikon z. B. für Fugen) u. a. m. hatten hier im Laufe der Jahre dem Wasser Gelegenheit gegeben, das Balkenwerk an vielen Stellen marode werden zu lassen. Die Restaurierungsarbeiten sind nun abgeschlossen und das Haus strahlt wieder in altem und neuem Glanz. Besonders eindrucksvoll im Innern die ursprünglich frühneuzeitliche Markthalle im Erdgeschoss, wovon sich der beeindruckte Denkmalbeirat bei einer Besichtigung überzeugen konnte.

Die nächste Sitzung des Gremiums ist für Februar 2010 in Alsfeld geplant.

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