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POP-ART Sonderausstellung der Kinder-Akademie Fulda vom 10. September 2009 – 31. Januar 2010

Fulda. Gemeinsam mit der Deutsche Bank Stiftung und der Deutschen Bank nahmen am Mittwoch ca. 100 Gäste an der Preview in der Kinder-Akademie Fulda teil, um die Werke der Ausstellung Pop-Art als Premierengäste in Augenschein zu nehmen.

Kinder-Akademie Fulda Kinder-Akademie Fulda

Zum zweiten Mal übernehmen die Deutsche Bank Stiftung und die Deutsche Bank Fulda in diesem Jahr die Patenschaft für das Projekt „Kunst für Kinder“ der Kinder-Akademie Fulda und unterstreichen damit ihrerseits die Bedeutung kultureller Bildung in jungen Jahren.

Seit Ende der 70er Jahre sammelt die Deutsche Bank zeitgenössische Kunst. Die Kinder-Akademie setzt sich seit ihrer Gründung im Jahr 1991 dafür ein, Kinder mit Kunst in Berührung zu bringen, sei es durch Kurse der Kunstschule oder Workshops unter der Leitung zeitgenössischer Künstler oder eben durch Kunstausstellungen. Das gemeinsame Anliegen, Kunst und Menschen und Menschen mit Kunst zusammenzubringen, verbindet die Partner Deutsche Bank und Kinder-Akademie Fulda.

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Die Kinder-Akademie Fulda möchte mit jungen Menschen das „Sehen-Lernen“ trainieren. Sie vertraut darauf, dass sich der Umgang mit Kunst trainieren lässt, dass junge Menschen über Ausstellungen auch den Zugang zur Kunst finden. Es geht darum, den Keim für Kunst zu pflanzen, damit Kinder und Jugendliche ihr Leben lang durch die Begegnung mit Kunst immer wieder neue Welten entdecken und Kreativität und Fantasie entwickeln. Kulturelle Bildung in jungen Jahren initiiert, leistet einen wesentlichen Beitrag dafür, dass Menschen Gestaltungsspielräume für ihr Leben entdecken und sich selbst als gestaltend erleben, Kompetenzen und Stärken, die gerade in wirtschaftlichen schwierigen Zeit besonders zum Tragen kommen.

Die Bilder der Ausstellung stammen von den Leihgebern und Kulturpartnern Bilder Fuchs, dem Automobilhersteller Skoda und dem Vonderau Museum. Alle wesentlichen Vertreter der Pop-Art der ersten und zweiten Stunde sind präsent: am eindrucksvollsten Andy Warhols Flowers.
Gezeigt wird auch das Pop-Art-Bilderbuch „1 cent life“, das auf Initiative von Walasse Ting und Sam Francis 1962 entstand. Inmitten der neuen Kunstbewegung traf sich jeden Abend ein kleiner Kreis von Freunden im Studio von Sam Francis. Walasse Ting, Flüchtling aus China, machte einen dieser Abende zu etwas Besonderem: Er, der die englische Sprache als Matrose auf der Schiffsreise von China nach Europa gelernt hatte, schrieb Gedichte und malte figurative, abstrakte klassische chinesische Bilder und regte ein internationales illustriertes Buch an, das seine Gedichte und Werke der Kunstbewegungen vom Tachismus, Neodadaismus und Pop-Art vereinen sollte.

Zwei Jahre später, im Juni 1964, war es soweit: Neben Walasse Tings Gedichten waren 48 Werke sehr unterschiedlicher amerikanischer und europäischer Künstler entstanden, wobei die POP-Art-Künstler das Kernstück der Gruppe bildeten. Das ungewöhnliche Buch wurde in einer Auflage von 2000 Stück gedruckt. In der Ausstellung werden aus der Auflage 744 die Lithographien der Pop-Art-Künstler Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Jasper Johns, Kiki OK, Claes Oldenburg, Robert Indiana, Robert Rauschenberg, James Rosenquist und Tom Wesselmann gezeigt.

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Heute verbinden wir mit dem Begriff POP-ART populäre Kunst. Aber nicht immer und nicht bei jedem stießen die Werke der Pop-Artisten auf Wohlwollen. „Die Wahrheit ist, die Kunstgalerien werden überschwemmt von dem schwachköpfigen und nichtswürdigem Stil von Kaugummikauern, Backfischen und, schlimmer noch, von Straftätern. Ich kann weder darüber ins Schwärmen geraten, noch sehe ich irgendeinen Grund, es reizvoll zu finden, so wenig, wie wenn ich eine Stunde lang Rock und Roll zuhören würde, in den ein paar Noten moderner Musik eingefügt wären.“

Dies ist keineswegs ein Zitat von einem Kunstbanausen zur „Pop Art“, vielmehr stammt es von einem der renommiertesten Kunstkritikern der damaligen Zeit, Max Kozloff, Träger des New Yorker Pulitzer Preises, der Jahre später seine Kritik an der Pop-Art relativiert und sich korrigiert hat. Dieses Zitat aus dem Jahr 1962 zeigt, dass es die Kunstrichtung POP-ART nicht einfach hatte – die Pop-Art-Künstler irritierten, verwirrten und stießen mit ihrem Schaffen auf Ablehnung. „POP ART“ war ein Schimpfwort. Die Pop-Art-Künstler wurden höhnisch auch „Pop-sicles“ genannt (ein anderes Wort für „Eis am Stil“).

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Der mitunter vulgäre Sinn für Humor, mit dem die Pop-Art aufwartete, war wie ein Schlag ins Gesicht der Künstler, die sich so lange um Ernsthaftigkeit bemüht hatten. Die Künstler der Moderne hatten – fast verzweifelt – dem Kunstbetrieb beizubringen versucht, dass moderne Kunst kein Scherz sei, sondern eine äußerst ernsthafte Angelegenheit – und jetzt das!!

Die bewusste Geschmacklosigkeit und Vulgarität, die diese „Kaugummikauer“ kultivierten, widersprach ganz und gar den Vorstellungen des etablierten Kunstbetriebes, der Kunst als einen heroischen Kampf des Einzelnen sah, besondere Sensibilität voraussetzte und ernsthaftes Ringen des Einzelnen am besten im stillen Kämmerlein verlangte.
Eines war den Pop-Art-Künstlern gemeinsam: ein neuer Blick auf die Realität. So hießen sie und ihre Ausstellungen auch anfangs die „New Realists“. Der Name betont ihre Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Leben, mit dem Banalen, Trivialen und Vulgären. Robert Rauschenberg formulierte es so: „Ein Bild soll nicht nach etwas aussehen, was es nicht ist, sondern nach etwas, was es tatsächlich ist. Und ich glaube, ein Bild gleicht der realen Welt mehr, wenn es auch aus dieser realen Welt gemacht ist.“

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Nicht zufällig waren Werbung, Design und Massenmedien die Themen und Motive fast aller Arbeiten – die Pop-Art-Künstler kamen fast alle aus der Welt der Werbung: Roy Lichtenstein war technischer Zeichner, Andy Warhol Werbegrafiker. James Rosenquist arbeitete als Plakatmaler und fiel durch sein Talent bei großflächigen Werbeplakaten auf. Robert Indiana war Grafiker, Theater- und Kostümbildner, Tom Wesselmann Cartoonist für Zeitschriften und Zeitungen. Jasper Johns arbeitete als Schaufensterdekorateur und Maler und wirkte als Bühnen- und Kostümbildner.

Die gern erzählte Geschichte, dass die Pop-Art-Protagonisten jeder für sich in New York alleine hinwerkelten und dann plötzlich aus ihren Kellerlöchern auftauchten, alle Bilder vor sich hertragend, die sich irgendwie glichen – ist zwar eine schöne Geschichte, stimmen tut sie aber nicht.

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Warhol kam 1949 nach New York und wurde ein erfolgreicher Illustrator in der Stadt, seine Schuhdesign-Grafiken wurden 1956 bereits im Museum of Modern Art ausgestellt. Spätestens seit 1958 wusste er durch den Galeristen Leo Castelli, was Jasper Johns und Tom Rauschenberg schufen.

Roy Lichtenstein kam 40jährig 1963 nach New York – und war damit schon einer der Veteranen. Er war noch am ehesten isoliert vom sonstigen New Yorker-Geschehen, hatte aber 1951 schon seine erste Einzelausstellung und später dann regelmäßige Ausstellungen in New York.

1955 zog James Rosenquist von Minnesota nach New York. Nachdem er als Maler großflächiger Reklamewände Talent gezeigt hatte, erhielt er ein Stipendium für die Art Students League und lernte dort Robert Indiana kennen. Seit 1957 war er persönlich mit Jasper Johns und Robert Rauschenberg bekannt und nahm 1959 an einem Zeichenkurs teil, den Robert Indiana und Jack Youngerman organisierten. Ein weiterer Teilnehmer dieses Kurses war Claes Oldenburg. Tom Wesselmann erhielt 1956 ein Stipendium für eine Ausbildung zum Cartoonisten an der Cooper Union School. Als jüngster der Gruppe traf 1958 Jim Dine in New York ein.

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Roy Lichtenstein und Andy Warhol malten unabhängig voneinander großformatige Bilder und bedienten sich dabei des Stils der Comic-Hefte. Als Leo Castelli Roy Lichtenstein unter seine Ägide genommen hatte, lehnte er Andy Warhols Bilder wegen zu großer Ähnlichkeit ab, worauf Andy Warhol etwas völlig anderes zu machen suchte – und seine erste Campbells’ Suppendosen-Serie schuf, die in seiner ersten Einzelausstellung als Pop-Art-Künstler allerdings erst 1962 in der Ferus Gallery in Los Angeles gezeigt wurde.

Durch ihren beruflichen Werdegang wird klar, warum die Pop-Art-Künstler sich ihre Motiven aus der Werbung, den Comics und der Anonymität der Großstadt holten. Sie lösten die Motive aus dem Zusammenhang und überzeichneten sie ins Riesenhafte, verfremdeten das Alltägliche durch Farbe, Größe oder Form und regten dadurch an oder im Zweifel eben auch auf. Sie wollten den Betrachtern durch ihre An- oder Aufregung die Augen für Dinge und Zusammenhänge öffnen, die sie so noch nie gesehen haben.

Neben den Klassikern der Pop-Art sind in der POP ART Ausstellung der Kinder-Akademie Fulda auch zeitgenössische Vertreter wie Romero Britto und Burton Morris aus Großbritannien und Devin Miles als deutscher Vertreter der modernen Pop-Art präsent. Devin Miles wird in den Herbstferien mit Kindern und Jugendlichen eine Woche zusammenarbeiten und sich dabei intensiv mit der Stadt Fulda, seinen Gebäuden und Persönlichkeiten auseinandersetzen.

Für Schulklassen bietet die Kinder-Akademie Fulda neben den Führungen durch die Ausstellung auch zwei Begleitprogramme an:

Atelier 1
Andy Warhols bevorzugte Technik war der Siebdruck. In diesem Programm lassen sich die Schülerinnen und Schüler von den POP-ART-Motiven inspirieren und probieren eine vereinfachte Drucktechnik aus (empfohlen für Klasse 4-7).

Atelier 2
Roy Lichtensteins comicartige Motive erhalten ihre einzigartige Wirkung durch die „Benday Dots“. Angelehnt an dieses Rasterdruckverfahren setzen die Schülerinnen und Schüler das Gesehene mit einer ungewöhnlichen Technik in ihre eigene Bildsprache um (empfohlen ab Klasse 2).

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