Fulda. „Wir Verbraucher sollten uns der Macht bewusst sein, die wir mit unserem Kaufverhalten haben“, kommentiert die Landtagsabgeordnete Margaretha Hölldobler-Heumüller die neuerliche Senkung des Milchpreises bei Aldi und ruft dazu auf, die Billigmilch bei den Discountern zu boykottieren. „Dieses unanständige Preisdumping soll Käufer in die Läden locken. Die anderen Discounter glauben nachziehen zu müssen, und damit wird ein hochwertiges Lebensmittel verramscht, und die Leidtragenden sind die Bauern und ihre Familien.
So billige Lebensmittel gibt es nicht
“ Alle, die zu der billigen Milch greifen, müssten sich klar machen, dass die Preissenkungen die Bauern unausweislich in den Ruin treiben. „Denn so billige Lebensmittel gibt es nicht“, sagt die GRÜNE. „Es ist unfair gegenüber den Landwirten, die ihre Produkte täglich absetzen müssen. Viele leben schon jetzt von der Substanz, müssen Schulden machen und denken ans Aufgeben. Wenn wir nicht mit den Einkaufswagen abstimmen, wird ein Höfesterben einsetzen.“ Die Bauern bräuchten 40 Cent pro Liter, was sie im letzten Jahr bereits erfolgreich durchgesetzt hatten. Leider habe ihnen eine breite politische Unterstützung gefehlt. So hatten im Bundesrat nur Hessen, Bayern und Bremen den Vereinbarungen des Milchgipfels zugestimmt. Durch die fehlende Unterstützung der übrigen Länder sei dieser korrekte Preis nicht zu halten gewesen sei.
Viele haben einen 12 Stunden Tag
„Bis die versprochene Unterstützung der Landesregierung greift, kann es für viele Höfe zu spät sein“, so Margaretha Hölldobler-Heumüller. „Außerdem geht es den Milchbauern nicht um Subventionen, sondern um einen fairen Preis für ihre Produkte.“ Gerade im Raum Fulda haben wir genügend Möglichkeiten, gute Milch zu einem anständigen Preis zu kaufen, der den Bauern ihre Arbeit lohne. Es gebe sicherlich Renter und Hartz IV Empfänger, die auf den Cent schauen müssten, aber für die meisten Verbraucher sei ein höherer Milchpreis erschwinglich: „Bei einem Preis von 70 Cent pro Liter kostet die Milch nur so viel wie ein Schokoriegel an der Kasse, oder wie eine Kugel Eis.“
Die niedrigen Preis für Milchprodukte vertieften den Eindruck, diese seien nichts „wert“. Dabei sei Milch ein wichtiges und gesundes Lebensmittel, und die Landwirte arbeiteten hart dafür: „Viele haben einen 12 Stunden Tag. Zudem sind sie mit ihrer Gründlandbewirtschaftung unverzichtbar für die Erhaltung unserer Kulturlandschaft. Das müssen wir honorieren und die Billigmilch boykottieren“, so die Grüne, die gleichzeitig daran erinnert, dass vor zehn Jahren ein Süssigkeitenriegel der Firma Nestle – der Butterfinger – welcher gentechnisch veränderten Mais enthielt, wegen der Proteste von Verbrauchern und Verbraucherschützern vom Markt genommen wurde.
Es sei wichtig, dass die Verbraucher sich ihrer Einkaufsmacht bewusst würden. Aber natürlich könnte man einen Absatz zu reelen Preisen auch in der Region fördern, indem Großverbraucher wie z.B. Kantinen und Gaststätten sich entschliessen, nur noch Milch zu reelen Preisen abzunehmen – damit könnten sie auch werben. Und natürlich können gerade Cafes, Restaurantes und Gaststätten überlegen, ob sie ihr Getränkeangebot mit frischer Milch, Milchmixgetränken oder Buttermilch zu fairen Preisen erweitern.