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Ärztliche Versorgung: “Interessen der Menschen im ländlichen Raum wahren”

Bad Hersfeld/Fulda. Erster Kreisbeigeordneter Dr. Heiko Wingenfeld hat bei einer Sitzung des Gesundheitsausschusses des Hessischen Landkreistags mit Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen nachdrücklich gefordert, dass die kommunalen Spitzenverbände bei der Diskussion um die Sicherstellung und Optimierung der ärztlichen Versorgung aktiv Einfluss auf die Entscheidungsträger in Bund und Land nehmen sollten. „Wir vertreten auch in dieser Frage die Lebensinteressen der Menschen im ländlichen Raum. Wir werden uns deshalb nicht mit einer Beobachterrolle zufrieden geben.“

Bis Jahresmitte konkrete Ergebnisse

Bei dem Treffen in Bad Hersfeld haben der Hessische Landkreistag und die Kassenärztliche Vereinigung Hessen angekündigt, bis zur Jahresmitte 2009 eine schriftliche Kooperationsvereinbarung mit konkreten Vorschlägen schließen zu wollen. Dr. Wingenfeld: „Es muss etwas passieren, damit sich die Situation nicht weiter zuspitzt.“ Die Gefährdungslage bei der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum verdeutlichen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung, wonach aktuell im Landkreis Fulda sechs Hausarztstellen unbesetzt seien. Für das Jahr 2015 werde mit 28 verwaisten Hausarztstellen gerechnet.

Beruf des Landarztes aufwerten

Als notwendige Maßnahmen, der zu einer gewissen Entspannung beitragen könnten, nennt der Gesundheitsdezernent des Landkreises Fulda die Schaffung von zusätzlichen Ausbildungskapazitäten an den Universitäten und die Aufwertung des Landarztberufes, wozu auch finanzielle Anreize zählten. „Es reicht nicht aus, ansiedlungswilligen Ärzten günstige Bauplätze zur Verfügung zu stellen.“ Die zusätzlichen Mittel sollten außerhalb des Gesamtbudgets der Krankenkassen aufgebracht werden, um nicht an anderer Stelle im Gesundheitssystem Leistungen zu Lasten der Patienten einsparen zu müssen.

Weiterhin schlägt der Erste Kreisbeigeordnete die Einführung von sogenannten kleinräumigen Bedarfsanalysen vor. Bislang wird der Bedarf, der wiederum Grundlage für die kassenärztliche Zulassung ist, auf Landkreisebene ermittelt. Dr. Wingenfeld betrachtet dies als „zu grobmaschige Herangehensweise“. Die Entwicklung in den einzelnen Teilregionen eines Landkreises könne sehr unterschiedlich sein. „So ist die Versorgungssituation in den Stadtrandgemeinden um das Oberzentrum Fulda, aber auch im westlichen Kreisgebiet kaum vergleichbar mit der in der Hohen Rhön oder im Altkreis Hünfeld.“

Konzentrierte Aktion aller Beteiligten

Als ermutigendes Zeichen wertet der Erste Kreisbeigeordnete, dass die spezifischen Zwänge, vor denen insbesondere der ländliche Raum durch den tiefgreifenden demografischen Wandel stehe, langsam erkannt würden. Die medizinische Versorgung sei nur ein Beispiel, bei dem sich die „regionalen Akteure nicht auseinander dividieren lassen dürfen, um die negativen Auswirkungen abzumildern“. Als Mitglied im Gesundheitsausschuss werde er weiterhin darauf drängen, dass der Hessische Landkreistag klar Position beziehe, um den „Bewusstseinswandel von unten nach oben zu beschleunigen“.

Dankbar zeigt sich Dr. Wingenfeld, dass das Land Hessen seine Unterstützung erklärt habe. Da in der Gesundheitspolitik vieles durch bundesgesetzliche Regelungen entschieden werde, will der Erste Kreisbeigeordnete den Wahlkreisabgeordneten im Deutschen Bundestag, Michael Brand, gezielt in die gemeinsamen Aktivitäten des Hessischen Landkreistag und der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum einbinden. Auch die Krankenkassen seien zur Mitwirkung eingeladen. „Wir müssen eine konzertierte Aktion aller Beteiligten starten.“

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