Fulda. Mit Joseph Haydns Klaviersonate in F-Dur, gespielt von dem Musikstudent Dennis Pedan, begann der diesjährige Neujahrsempfang der Arbeiterwohlfahrt im Bürgerzentrum Aschenberg. In Abwechslung mit den gekonnt vorgetragenen Evergreens des Vokalensemble „InterMezzo“ unter Leitung von Rainer Klitsch wurden auf diese Weise künstlerische Akzente auf eine Veranstaltung gesetzt, die im Wesentlichen dazu diente, auf das vergangene Jahr zurückzublicken, Bilanz zu ziehen und künftige Projekte vorzustellen. Man kann sich vorstellen, dass bei dem Fuldaer Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt da einiges an erwähnenswerten Initiativen und Projekten zusammenkommt.
Projekt nur für Frauen
Exemplarisch dafür steht das 2008 neu initiierte Projekt „Heimattiergarten“, das von Bernd Köhler vorgestellt wurde. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes niedrigschwelliges Beschäftigungsprojekt, das sich im Unterschied zu dem für junge Männer seit 10 Jahren erfolgreich laufenden Projekt „Lohn & Brot“ ausschließlich an benachteiligte junge Frauen und Mädchen wendet, die die Schule und andere qualifizierende Maßnahmen abgebrochen haben und in Untätigkeit verharren. Für das Amt für Arbeit und Soziales waren diese Frauen unerreichbar geworden.
Als die Mitarbeiter des Projektes sie jedoch persönlich zu einem Brunch einluden, bei dem das Projekt „Heimattiergarten“ vorgestellt wurde, waren alle erschienen. Als Angebot, nicht als Zwangsmassnahme wurde ihnen das Konzept vorgestellt. Mit dem Gedanken sich mit Tieren zu beschäftigen, konnten sich die Frauen schnell anfreunden. Die Idee dahinter ist, dass in der Gruppe Arbeit geleistet wird, die von der einzelnen Teilnehmerin als sinnvoll und bereichernd erlebt wird. Sie müssen Anerkennung erfahren, sich als wertvollen Teil der Gesellschaft empfinden und ihre persönliche und berufliche Entwicklung als etwas Positives erleben. Um all das erreichen zu können, muss eine solche Arbeit frei von Notwendigkeiten sein, die einem der marktwirtschaftliche Wettbewerb aufzwingt und sie darf nicht als Zwang, sondern muss als Teamwork erlebt werden. All das ist im Heimattiergarten gegeben.
An vier Tagen die Woche arbeiten die jungen Frauen nun am Neuenberg. Sie füttern und striegeln die Tiere, sie misten aus und versorgen sie mit Wasser. An einem Tag in der Woche nehmen sie an einer Schulung teil. Außerdem werden intensive Beziehungsarbeit und individuelle Unterstützung gewährt und Freizeitaktivitäten in der Gruppe angeboten, die den Zusammenhalt stärken.
Dementsprechend hat das Projekt auch schon zu beachtlichen Erfolgen geführt. Abbrüche konnten vermieden werden und die Verbindlichkeit der Teilnehmerinnen, die Bereitschaft sich zu engagieren und die Eigenverantwortlichkeit haben sich spürbar gesteigert. Das zeigt sich auch daran, dass sie angefangen haben, Vorstellungen zu entwickeln, was sie in ihrem Leben ändern wollen. Es zeigt sich aber auch darin, dass Konflikte zunehmend auf der Sachebene geklärt werden und die jungen Frauen inzwischen in der Lage sind, anderen zu helfen und selbst Hilfe anzunehmen.
Aber auch die weniger augenfälligen Erfolge sind erwähnenswert. So konnte Kreisvorsitzender der AWO, Werner Krah, von einer Steigerung nicht nur der Mitgliedszahlen der Arbeiterwohlfahrt im letzten Jahr, dem Anschluss eines weiteren korporativen Mitglieds (dem Aschenberger Verein „Harmonie“), sondern auch von einem Ausbau der ehrenamtlichen Arbeit in Zahl und Qualität in 2008 berichten.
Im Grunde ist es auch ein Erfolg, dass – trotz der zunehmend schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen – sämtliche Angebote der AWO, wie die Schuldnerberatung, die Hausaufgabenhilfe, das Seniorentreff, das Müttergenesungswerk, das Jugendberufshilfeprojekt „Lohn & Brot“, der Betreuungsverein, die Altenheime und die Beratungsstelle für Frauen aus dem islamischen Kulturkreis, die dieser Tage ihren 15. Geburtstag feiert, weiterhin in gewohntem Umfang und Qualität aufrecht erhalten werden können und so einen wesentlichen Beitrag zum sozialen Profil der Stadt und des Landkreises Fulda leisten.
Zu verdanken ist das einem hoch motivierten Team an ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern, der engagierten Organisation durch die Geschäftsführerin des Kreisverbandes, Edith Becker, und der guten Zusammenarbeit mit den verschiedenen Gremien, Ämtern und mit anderen Verbänden. Denn die Aktivitäten der AWO sind nicht nur auf eigene Projekte beschränkt. Ihre Verantwortlichen arbeiten aktiv in der AG Sozialplanung im Landkreis Fulda und in der Liga der freien Wohlfahrtspflege mit.
Wie gut die Zusammenarbeit mit der Politik funktioniert und wie sehr man die Arbeit der AWO in den verschiedenen Gremien schätzt, das war u.a. an den zahlreich erschienen Ehrengästen zu sehen. In seinem Grußwort bezeichnete z.B. Michael Brandt (MdB, CDU) die AWO Fulda als sozialen Anker, die Vorsitzender der Kreistags- und Stadtfraktion der SPD, Beate Fischer, lobte die unbürokratisch kurzen Wege zur Hilfe und Unterstützung und der 1. Kreisbeigeordnete, Dr. Heiko Wingenfeld, hob „die überraschende Vielfältigkeit des Angebots“ hervor und charakterisierte den Kreisverband als innovativ und sozial.
Daher solle und könne man optimistisch in die Zukunft blicken. Mit Geduld werde man die Durststrecken, die im Zuge der Finanzkrise auch auf die Arbeiterwohlfahrt zukämen, aushalten. Auch der Oberbürgermeister der Stadt Fulda, Gerhard Möller, sprach der AWO Fulda Mut zu. Das Geld für das Programm „soziale Stadt“ sei auf dem Aschenberg sehr gut angelegt. Mit Freude verfolge man, wie das Bürgerzentrum aufblühe und damit die Lebensqualität des gesamten Viertels gesteigert werde.
Finanziell steht die AWO Fulda noch kerngesund da. In einem Rating nach Basel II Kriterien erzielte der Kreisverband Bestnoten in 2008. Wie sich die allgemeine Krise auf die Situation der Arbeiterwohlfahrt in 2009 auswirken wird, bleibt abzuwarten. Sicher wird es nicht einfach.
Dennoch hat sich der Kreisverband auch für dieses Jahr einiges vorgenommen: Die Erhaltung und Steigerung der Mitgliederzahlen, der weitere Ausbau der ehrenamtlichen Tätigkeit, die Stärkung des „Büro aktiv“, vor allem an den Standorten der AWO-Seniorenheimen und die weitere aktive Begleitung der Arbeit des Bürgerzentrums Aschenberg zählte Werner Krah als anvisierte Ziele auf. Auch ist man nach wie vor auf der Suche nach einem eigenen Gebäude.
Daneben soll es wieder ein Hof- und Sommerfest und Ausflugsfahrten geben und natürlich wird auch aus Fulda eine Delegation nach Dortmund reisen, wo in diesem Jahr das 90-jährige Jubiläum der Arbeiterwohlfahrt gefeiert wird.
Das Jubiläum der Arbeiterwohlfahrt war auch Thema in der Festansprache des Bezirksvorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt Hessen-Nord, Fred Gieseler. Er erinnerte an die Anfänge der Bewegung und würdigte die Leistung in den Verbänden. Für die Zukunft kündigte er an, dass neben den bestehenden 3 Altenwohn- und Pflegeheimen, die die AWO im Kreis Fulda betreibt, bald ein viertes in Burghaun dazukommen wird. Auch den Umbau und die Renovierung des Alten- und Pflegeheims in Fulda kündigte er für 2009 an.
Menschlichen und fürsorglichen Umgang mit hilfe- und pflegebedürftigen Menschen gerade auch in Zeiten der Krise, das ist der Auftrag der AWO. Menschen zu gewinnen sich dafür zu engagieren und der Stimme der Arbeiterwohlfahrt durch ihre Mitgliedschaft weiter Gewicht zu verleihen, das ist die große Herausforderung, vor der Fred Gieseler die AWO sieht.
Nähere Infos zur AWO gibt es in der Geschäftsstelle, in der Langebrückenstraße 14, telefonisch unter: 0661 – 480 045-0, Email: info@awo-fulda.de, Langebrückenstraße 14, oder im Internet: www.awo-fulda.de.

