Die Stadt Fulda plant den Erwerb des historischen Hotels „Kurfürst“ sowie angrenzender Immobilien. Damit sollen die stadtbildprägenden barocken Gebäude in städtischer Verantwortung zusammengeführt werden. Der Magistrat der Stadt Fulda hat den Plänen bereits zugestimmt, der Haupt- und Finanzausschuss der Stadtverordnetenversammlung wird in seiner nächsten Sitzung darüber beraten und beschließen.
„Mit dem Kauf würde das bauliche Kulturerbe unserer Stadt in städtischer Hand weiter zusammengeführt“, erläuterte Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld das Vorhaben. Mit dem Erwerb und einer anschließenden Sanierung des derzeit leerstehenden Gebäudes Friedrichstraße 26 könne die Stadt zudem eine städtebaulich unbefriedigende Situation als Tor zur Friedrichstraße und zur Innenstadt lösen und gleichzeitig die neu entstehenden Flächen im Haus nutzen, so der OB.
Die „Kurfürst“-Immobilie sowie die angrenzenden Gebäude (Nonnengasse 19 und 21 sowie Friedrichstraße 26) gehört bislang dem Unternehmer Dr. Lutz Helmig. Das Hauptgebäude diente viele Jahre lang als Konzernzentrale der Helios-Kliniken und später als Sitz der Aton GmbH bzw. ihrer Tochter Edag Engineering GmbH. Die verbliebenen Bereiche des Hotel- und Gastronomiebetriebes dienten bis Anfang 2017 als Gästehaus für Aton sowie der EDAG und werden aktuell ebenfalls in Büroflächen umgebaut. Im Zuge einer Neuordnung des Immobilienportfolios des Eigentümers, hat Dr. Helmig der Stadt Fulda die Immobilien im Paket zum Kauf angeboten. Falls es zum Kauf kommt, übernimmt die Stadt Fulda drei neu abgeschlossene Mietverträge mit EDAG, FFT und Dr. Helmig.
Hintergrund: Das denkmalgeschützte Gebäude in der Schlossstraße 2 in Fulda („Palais von der Tann“ oder im Volksmund meistens „Kurfürst“ genannt) wurde im Jahr 1737 nach Plänen von Andrea Gallasini erbaut und im 18. Jahrhundert als Adelspalais für Beamte der weltlichen Landesregierung genutzt. Nach mehreren unterschiedlichen Nutzungen wurde das Anwesen 1814 durch Johann Michael Müller aus Unterfranken erworben, dessen Familie das Gebäude seit 1815 zu einem Gasthaus mit Weinhandel machte. Seit 1824 führte dieses den Namen „Zum Kurfürst“. Insbesondere im 19. Jahrhundert stiegen hier zahlreiche prominente Gäste ab, u.a. Zar Nikolaus I. oder Queen Victoria. Von 1816 bis 1867 war hier auch die Thurn-und Taxissche Posthalterei untergebracht. 1973 kam es unter dem „Barockexperten“ Ernst Kramer zu einer Umgestaltung im Inneren des Hauses. Eine Vergrößerung der Hotelkapazität erfolgte durch einen Neubau im Innenhof der Anlage 1981/82. In den 1990er Jahren wurde das Objekt durch den heutigen Eigentümer durchgreifend saniert und zu einem großen Teil zur Büronutzung umgebaut.