Steigende Beschäftigung, ein erhöhtes Stellenangebot und Arbeitslosenzahlen, die weiterhin unter den Vorjahreswerten liegen, bestimmen auch in diesem Monat das Bild des hessischen Arbeitsmarktes. Mit rund 167.746 arbeitslosen Frauen und Männern wurde der niedrigste Wert in einem August seit 25 Jahren erreicht. Das frühe Ende der Sommerferien führte bereits im aktuellen Monat saisonuntypisch zu einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen.
Der Ausbildungsmarkt wartete ebenfalls mit guten Ergebnissen auf. Trotz eines Bewerberplus im Vergleich zum Vorjahr sind aktuell weniger junge Menschen unversorgt also noch 2016. Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen stieg gleichzeitig leicht an. Aktuell sind noch 25 Prozent aller gemeldeten Ausbildungsplätze unbesetzt.
Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, sieht für die Bewerberinnen und Bewerber noch gute Chancen einen Ausbildungsplatz zu finden:
„Aktuell haben wir mehr offene Lehrstellen als suchende Bewerber. Aus Erfahrung wissen wir, dass im Endspurt noch viele junge Menschen unterkommen. Auch treten nicht alle ihren Ausbildungsplatz an, so dass zudem in der sogenannten Nachvermittlung noch einige zum Zuge kommen werden. Mein Appell an Bewerber wie Ausbildungsbetriebe: Stecken Sie den Kopf nicht in den Sand, sondern versuchen Sie, einen Ausbildungsplatz zu finden bzw. einen Auszubildenden für Ihren Betrieb zu gewinnen. Ein zweiter Blick lohnt sich. Zum einen auf die Lehrstelle und zum anderen auf den Bewerber.“
Im laufenden Ausbildungsjahr meldeten sich bislang 41.355 Bewerberinnen und Bewerber bei den hessischen Arbeitsagenturen und somit 1.123 (+2,8 Prozent) mehr als im Vorjahr. Davon waren 7.376 junge Menschen im August noch auf der Suche, 446 Jugendliche weniger (-5,7 Prozent) als im August 2016.
Die hessischen Betriebe meldeten bis jetzt 34.900 betriebliche Ausbildungsstellen. 95 Stellen (+ 0,3 Prozent) mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. 8.769 Ausbildungsstellen waren zum Stichtag noch nicht besetzt, 257 Stellen weniger (-2,8 Prozent) als im Vorjahr.
Die meisten noch offenen Ausbildungsstellen gab es im August für die Berufe Kaufmann/-frau im Einzelhandel (976), Verkäufer/innen (695) und Handelsfachwirt/innen (446).
Arbeitslosigkeit in Hessen: Entwicklung im August
Im August 2017 waren 167.746 Frauen und Männer in Hessen arbeitslos gemeldet. Das waren 1.559 (-0,9 Prozent) weniger als im Juli und -7.852 (-4,5 Prozent) Personen weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent. Im August 2016 lag die Quote bei 5,3 Prozent. Saisonbereinigt ergab sich zum Vormonat eine Veränderung um -4.000, zum Vorjahr ging die Zahl um -8.000 zurück.
Der gegenüber dem Vormonat verzeichnete Rückgang der Arbeitslosigkeit machte sich bei nahezu allen Personengruppen bemerkbar: Männer: -1,6 Prozent; Jugendliche unter 25 Jahren: -1,4 Prozent; Menschen über 50 Jahre: -0,8 Prozent; Langzeitarbeitslose: -0,4 Prozent; Frauen: -0,1 Prozent.
Die gute Auftragslage im Bau und Handwerk sorgte laut Martin gerade bei den Männern für einen erhöhten Rückgang der Zahlen. Nicht nur Fachkräfte, sondern auch Helfer könnten derzeit profitieren. Zusätzlich lassen der Schulbeginn und der Start einiger Ausbildungsberufe die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen sinken.
Lediglich bei der Gruppe der Menschen ohne deutschen Pass gab es einen leichten Anstieg gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent.
Im Vorjahresvergleich blieb die Arbeitslosenzahl bei der Gruppe der Ausländer weiterhin erhöht (+6,2 Prozent), während sich bei allen anderen Personengruppen Rückgänge zeigten: Langzeitarbeitslose: -7,4 Prozent, Jugendliche unter 25 Jahren -6,1 Prozent; ab 50-Jährige: -6,1 Prozent; Frauen: -5,0 Prozent, Männer: -4,0 Prozent.
Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, belief sich im August 2017 auf 228.913 Personen. Das waren 258 mehr (+0,1 Prozent) als vor einem Jahr.
Entwicklung in den Rechtskreisen: Sinkende Arbeitslosenzahl im Bereich SGB III
Im August ging die Zahl der Arbeitslosen im Rechtskreisen SGB III (Arbeitslosenversicherung) nach einem saisonbedingten Anstieg im Juli zurück (-4,0 Prozent). Im Bereich des SGB II (Grundsicherung) erhöhte sich die Zahl hingegen um 0,6 Prozent.
Insgesamt entfielen im August 2017 32,5 Prozent (54.583) aller Arbeitslosen in Hessen auf den Rechtskreis SGB III. 67,5 Prozent (113.163) aller Arbeitslosen waren dem Rechtskreis SGB II zugeordnet.
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Wachstum setzt sich fort
Der hochgerechnete, vorläufige Wert der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung belief sich für den Monat Juni 2017 auf 2.525.600. Mit einem Anstieg um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr liegt Hessen somit über dem Bund und Westdeutschland (jeweils +2,6 Prozent). Die größten prozentualen Anstiege im Juni gab es in den Wirtschaftszweigen Arbeitnehmerüberlassung, Information und Kommunikation und dem Baugewerbe.
In Hessen arbeiteten die meisten Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe: 449.200 und dem Wirtschaftszweig Verkehr und Lagerei: 342.800.
Offene Stellen: Weiterhin hoher Stellenbestand
Im August waren rund 54.390 offene Stellen bei den hessischen Agenturen und Jobcentern gemeldet und somit 2.960 (+5,7 Prozent) mehr als im Vorjahr,
Der monatliche Zugang offener Stellen blieb mit rund 14.790 auf dem Niveau des Vorjahres.
Hohe Zugänge gab es unter anderem im Handel und dem Gesundheits- und Sozialwesen.
Regionen: Quote im Landkreis Fulda fällt erneut unter Drei-Prozentmarke
Mit einer Arbeitslosenquote von 2,9 Prozent bleibt der Landkreis Fulda an der Spitze gefolgt vom Hochtaunuskreis mit einer Quote von 3,7 Prozent. Die höchste Quote hatte weiterhin die Stadt Offenbach, die mit einem Rückgang von 0,3 Prozentpunkten das Ergebnis von 9,3 Prozent erreichte.
Die Arbeitslosenquoten der Regierungsbezirke Kassel, Gießen und Darmstadt verteilen sich wie folgt: Kassel 4,7 Prozent, Gießen 4,9 Prozent, Darmstadt 5,2 Prozent.
Im Vergleich der 26 Kreise und kreisfreien Städte stieg die Arbeitslosigkeit zum Vorjahr in fünf Kreisen an.
Flüchtlinge: Anteil an allen Arbeitslosen in den Jobcentern steigt auf 13 Prozent
Derzeit haben 15.646 Arbeitslose in Hessen einen Fluchthintergrund (europäische und nichteuropäische Asylzugangsländer). Etwa 90,0 Prozent dieser Personengruppe kamen aus den nichteuropäischen Asylzugangsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien.
Mit einem Plus von 1.440 (+10,1 Prozent) geflüchteten Arbeitslosen wurde im August 2017 der bisher höchste Wert festgestellt. Aktuell haben 9,3 Prozent aller hessischen Arbeitslosen einen Fluchthintergrund. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen in den Jobcentern stieg auf 13,0 Prozent an.
In den nächsten Jahren kommen besondere Herausforderungen auf die Jobcenter zu, meint Frank Martin: „Die meisten Flüchtlinge sind jung und haben keine verwertbaren Berufsabschlüsse. Im Mai waren bereits rund 26.160 Geflüchtete in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, um sie mit den Anforderungen des deutschen Arbeitsmarktes vertraut zu machen. Für viele steht allerdings das schnelle Geldverdienen im Vordergrund, ohne dass sie die langfristigen Risiken einschätzen können: Wer keine Ausbildung hat und mit schlechten Deutschkenntnissen in Helferjobs landet, riskiert in der Langzeitarbeitslosigkeit zu landen“.