Written by 7:30 Alle Nachrichten, Politik & Wirtschaft

Homberger Ortsteil startet ab 2009 für neun Jahre ins Dorferneuerungsprogramm

Vogelsbergkreis. “Wir haben gemeinsam die Verpflichtung, unserer Jugend und unseren Familien langfristig eine lebens- und liebenswerte Infrastruktur zu schaffen und zu erhalten”, sagte Landrat Rudolf Marx, als er am Dienstag in Homberg den Anerkennungsbescheid zur Aufnahme von Ober-Ofleiden ins hessische Dorferneuerungsprogramm (DE) an Bürgermeister Volker Orth und Ortsvorsteher Hans Knauf überreichte. Die DE-Maßnahmen seien ein “Programm zur Stärkung unserer heimischen Wirtschaft”, betonte der Landrat, zumal die Fördermittel das Drei- bis Vierfache an Investitionen auslösten. Das Dorf knüpfe nun an den jüngsten Sieg im Wettbewerb “Unser Dorf hat Zukunft” an.

“Schneller als gedacht”

Bürgermeister und Ortsvorsteher sowie weitere Mitglieder des Ortsbeirats und Pfarrer Winfried Schön freuten sich über den Anerkennungsbescheid. Sowohl der Landrat als auch der Bürgermeister lobten die gute konzeptionelle und unterstützende Arbeit von Margit Wagner und ihrem Team im Amt für den ländlichen Raum der Kreisverwaltung. Der Bescheid sei nun “schneller als gedacht gekommen”, freute sich Volker Orth. Landrat Marx betonte: “Das Beste an diesem Programm: Hier wird nichts übergestülpt. Hier wächst nur das, was sich die Bürgerschaft wirklich wünscht – und dadurch wird es nachhaltig.”

Die Dorferneuerung sei im Vogelsberg weiterhin als ein wesentliches Instrument zur Strukturstärkung und Förderung der regionalen Wirtschaft zu werten, unterstrich der Landrat. Neben den Gebäudeinvestitionen in den Ortskernen umfasse die Förderpalette arbeitsplatzschaffende Maßnahmen im Handwerk und im Dienstleistungsgewerbe, Investitionen für Gemeinbedarfs- und Grundversorgungseinrichtungen sowie ein umfassendes Dienstleistungsangebot für Beratung, Projektentwicklung und Moderation. Dorferneuerung setze auf die aktive Mitwirkung der Bürger, der Kommune und der kommunalen Gremien im Sinne der gemeinsamen Entwicklung einer nachhaltigen Strategie für die Zukunft.

In die Großgemeinde Homberg sind seit Bestehen des DE-Programms bereits insgesamt über 2,5 Millionen Euro geflossen, berichtete DE-Sachgebietsleiterin Margit Wagner, was einen Schub von etwa acht Millionen Euro ausgelöst habe. “Der ländliche Raum ist zukunftsfähig”, hob Landrat Marx im Gespräch mit Bürgermeister Orth hervor. In diesem Jahr konnten für Projekte im gesamten Vogelsbergkreis bisher rund zwei Millionen Euro an Landes-, Bundes- und EU- Mitteln zugesagt werden.

Landesweit werden im kommenden Jahr 38 Dörfer neu aufgenommen, vier davon im Vogelsbergkreis, nämlich Salz, Nösberts-Weidmoos, Ulrichstein-Unter-Seibertrod und Homberg-Ober-Ofleiden. Damit sind im Vogelsbergkreis 21 Orte Förderschwerpunkte in der Dorferneuerung. Diese sollen in einem Zeitraum von neun Jahren, auch im Hinblick auf die prognostizierten demografischen Veränderungen, weiter entwickelt werden in Lebensräume mit hoher Lebensqualität unter Wahrung der Vielfalt dörflicher Lebensformen und des bau- und kulturgeschichtlichen Erbes.

Ober-Ofleiden: Den Schub des Wettbewerbs “Unser Dorf” nutzen

Ober-Ofleiden mit derzeit 1160 Einwohnern ist der größte der 14 Stadtteile von Homberg. Aufgrund der Nähe zur Kernstadt, des guten Versorgungsangebotes und der günstigen Verkehrsanbindung ist der allgemeine demografische Trend mit Bevölkerungsrückgang und Veränderung der Altersstrukturen vergleichsweise weniger spürbar als im regionalen Durchschnitt. Im Bestand der Neben- und Wirtschaftsgebäude ist jedoch ein zunehmender Leerstand absehbar, der Potenzial zur Umnutzung und Nachverdichtung bietet.

Für den Ort stellt sich neben der Sicherung der derzeitigen Strukturen die Aufgabe, das Neubaugebiet und die Neubürger in das Dorf mit seiner Gemeinschaft zu integrieren. Die Dorferneuerung soll für das Zusammenwachsen den Weg ebnen.

Das Engagement der Bürger für ihren Ort wurde bei der Präsentation im Rahmen des Wettbewerbes “Unser Dorf hat Zukunft” 2008 eindrucksvoll sichtbar. Ober- Ofleiden wurde erster Sieger der Gruppe ohne Dorferneuerung (wir berichteten). Der Leitgedanke “Brücken bauen”, wobei die alte Ohmbrücke das Bindeglied zwischen dem Dorfkern und Neubaugebiet darstellt, soll im künftigen Dorfentwicklungsprozess weiter verfolgt werden.

Margit Wagner: Kernthema Demografie

Die neu aufgenommenen Dörfer sollen in einem Zeitraum von neun Jahren, auch im Hinblick auf die prognostizierten demografischen Veränderungen, weiter entwickelt werden in Lebensräume mit hoher Lebensqualität unter Wahrung der Vielfalt dörflicher Lebensformen und des bau- und kulturgeschichtlichen Erbes, erläuterte Margit Wagner.

Mit der neuen Förderrichtlinie vom 1. April 2008 wurden die Ziele der Dorferneuerung im Hinblick auf die vielfältigen Anforderungen durch die demografischen Veränderungen fortgeschrieben und erweitert. Auf der Grundlage von konkreten Altersstruktur-, Gebäude- und Infrastrukturanalysen sowie der gesamtkommunalen Betrachtung wird Demografie gezielt thematisiert, beschrieb Margit Wagner die komplexe Aufgabenstellung. Anhand dieser Ergebnisse ließen sich dann multifunktionale, bedarfsgerechte und auch ortsübergreifende Infrastruktureinrichtungen entwickeln, die zukunftsfähig seien.

Zudem sei die Innenentwicklung im Förderschwerpunkt und gegebenenfalls in anderen Ortsteilen, die mit dem anerkannten Dorf Synergien aufweisen, ein zentrales Thema. Ziel sei es, die Investitionen vorrangig in die Ortskerne zu lenken. Durch das Angebot der ortsübergreifenden Dorferneuerung – dieses Konzept ist neu in den Richtlinien – werde künftig eine erweiterte Förderung auf benachbarte Ortsteile für punktuelle Maßnahmen möglich.

Zuschüsse bis zu 30.000€

Für private Antragsteller seien durch die Erhöhung der maximalen Zuschusssumme auf 30.000 Euro und eine spezielle Darlehensvariante attraktive Förderkonditionen in der Dorferneuerung geschaffen worden. Die nachhaltige Sicherung und Revitalisierung der Ortskerne könne so vorangebracht werden. Zur effizienten Unterstützung der Ortskernentwicklung stünden der Kommune neue Dienstleistungsangebote, die in der Dorferneuerung gefördert werden, zur Verfügung.

In den Vogelsberger Dorferneuerungsorten soll im Rahmen des umfassenden Beratungsangebotes für die Kommunen und Privathaushalte künftig ein besonderes Augenmerk auf das Themenfeld Energieeinsparung und Energie-Effizienzverbesserung sowie auf den möglichen Einsatz von regenerativen Energien gelegt werden, sagte Margit Wagner, die im Amt für den ländlichen Raum in der Kreisverwaltung die DE-Projekte verantwortlich steuert und berät.

Foto:

Landrat Rudolf Marx (links) überbrachte in Homberg den Anerkennungsbescheid für die Dorferneuerung in Ober-Ofleiden. Auf dem Foto (von rechts) Margit Wagner vom Amt für den ländlichen Raum, Kreisbeigeordneter Hanns Michael Diening (Ortsbeirat Ober-Ofleiden), Pfarrer Winfried Schön, Bodo Schneider (Ortsbeirat), Bürgermeister Volker Orth und Ortsvorsteher Hans Knauf.
Foto: Pressestelle Vogelsbergkreis

Visited 1 times, 1 visit(s) today
Close