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Kinderbetreuung: Emmermann lobt Anstrengungen der Stadt Schotten

Vogelsbergkreis. Die Stadt Schotten nimmt in Kürze 750.000 Euro in die Hand, um 25 zusätzliche Betreuungsplätze zu schaffen. Hierfür kann sie ab sofort auch Geld des Bundes verwenden: Familiendezernentin Sylke Emmermann hat am Freitag im Rathaus einen Bescheid über mehr als 333.000 Euro an Bürgermeisterin Susanne Schaab-Madeisky überreicht. Das Geld stammt aus dem Bundesinvestitionsprogramm Kinderbetreuung, das zum Ziel hat, bis 2013 bundesweit für 35 Prozent aller Kinder bis drei Jahre eine Betreuungsmöglichkeit zu schaffen. Der Bund fördert Investitionen und Ausstattung je zusätzlich geschaffenem Platz mit 15.000 Euro, maximal bis zu 90 Prozent der Gesamtmaßnahme (Bild: Kreisbeigeordnete Sylke Emmermann (rechts) und Bürgermeisterin Susanne Schaab-Madeisky (Zweite von links) (Pressestelle Vogelsbergkreis))

Wie Susanne Schaab-Madeisky erläuterte, werden mit dem Geld 25 zusätzliche Plätze in der Kindertageseinrichtung in der Parkstraße geschaffen. Es wird ein Anbau für zwei zusätzliche Kinderkrippen entstehen. Von den knapp 900.000 Euro, die der Kreis dieses Jahr insgesamt aus Berlin erhält, sind die 333.000 Euro für Schotten der mit Abstand größte Anteil. Grebenhain und Angersbach erhalten jeweils 195.000 Euro.

Susanne Schaab-Madeisky: „Mit diesem Projekt kann die Stadt Schotten ab Sommer 2009 Halbtags- und Ganztagsbetreuung für Kinder ab null Jahren anbieten. Nicht nur die 13 Kinder, die jetzt übergangsweise in der Festhalle betreut werden, können dann dort eine feste Heimat finden. Insgesamt entstehen 25 Plätze.“

Sylke Emmermann machte zusätzlich deutlich, dass der Ausbau der Kindertagesstätten durch die Städte und Gemeinden auch „ein kleines Konjunkturprogramm“ sei, was dem heimischen Handwerk direkt zugute komme. Die Schottener Kreisbeigeordnete lobte die „kraftvollen Anstrengungen“ der Stadt Schotten beim Ausbau der Betreuungsangebote. „Die zentrale Aufgabe, Familie und Beruf besser zu vereinbaren – wie es Ziel von Bund, Land und Kreis ist – können wir nur gemeinsam schultern“, betonte Emmermann im Gespräch mit Schaab-Madeisky und der Ersten Stadträtin Heide Förschner.

Die Versorgung der Mütter und Väter mit ausreichenden und qualitativ hochwertigen Betreuungsangeboten für ihre Kinder sie eine „klassische Aufgabe der kommunalen Familie, von Stadt und Landkreis“, betonte die Kreisbeigeordnete. Der Kreis lenke nach einer Prioritätenliste und auf Antrag der Kommunen die Bundesgelder in die Städte und Gemeinden. Gleichzeitig habe sich der Kreis zum Ziel gesetzt, die Tagespflegeangebote „deutlich zu erweitern“ und hierzu auch extra eine Sozialpädagogin für Recherche und
Konzeption im Jugendamt eingestellt (wir berichteten).

Emmermann: Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein wirtschaftspolitischer Standortfaktor

Die Investitionen in den Städten und Gemeinden für mehr Betreuungsplätze seien unverzichtbar. Gleichzeitig komme im ländlich strukturierten Vogelsbergkreis aber auch dem Ausbau von Tagespflege-Angeboten eine zentrale Bedeutung zu. Der Bundesgesetzgeber will mit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz bis 2013 erreichen, dass im Durchschnitt für 35 Prozent der Kinder von Null bis Drei eine Betreuungsmöglichkeit zur Verfügung steht. Danach sieht das Gesetz sogar einen generellen gesetzlichen Anspruch vor. Ein Drittel der neu zu schaffenden Plätze sollen über Tagesmütter und Tagesväter abgedeckt werden.

Gegenwärtig stehen für rund 10 Prozent der unter dreijährigen Kinder – rund 250 Plätze – Angebote im Kreis zur Verfügung. Die vom Bund geforderten 35 Prozent – das wären dann rund 850 Plätze – sollen zu zwei Dritteln baulich geschaffen werden, ein Drittel soll durch Tagespflege abgedeckt werden. Das Jugendamt schätzt somit, dass rund 350 Plätze in vorhandenen Kindertageseinrichtungen zusätzlich geschaffen werden müssen, der Kreis selbst werde etwa 250 qualifizierte Tagespflegepersonen benötigen. Im Rahmen des neuen Gesetzes werden zusätzliche Kindertageseinrichtungen investiv mit bis zu 90 Prozent vom Bund gefördert. Der Kreis steuert die Gelder, „Akteure“ vor Ort sind die Städte und Gemeinden.

Das Bundesgesetz wird vom Kreis und den Kommunen als „echte Herausforderung“ gesehen, sagte Sylke Emmermann in Schotten. Das Vorhaben sei jedoch gesellschaftspolitisch hochrangig, denn in der positiven Umsetzung gehe für junge Familien das „verlässliche Signal aus, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind“. Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei mittlerweile unbestreitbar zu einem wirtschaftspolitischen Standortfaktor geworden.

Hintergrund: Das Tagesbetreuungs-Ausbaugesetz (TAG)

Die Bundesregierung hat mit der Verabschiedung des Tagesbetreuungsausbaugesetzes (kurz: TAG) im Jahr 2005 die familienpolitischen Weichen für einen massiven Ausbau der Kindertagesbetreuung gestellt.

Mit einem flankierenden milliardenschweren Investitionsprogramm verfolgt die Bundesregierung das ehrgeizige Ziel, bis zum Jahr 2013 für durchschnittlich 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot vorzuhalten. Mit dem noch vom Bundesrat zu verabschiedenden Kinderförderungsgesetz soll ab 2013 sogar ein entsprechender Rechtsanspruch für ein- bis dreijährige Kinder festgeschrieben werden.

Die Rolle der Kreisverwaltung

Die Investitionsfördermittel werden auf die kommenden fünf Jahre verteilt über die Bundesländer den Landkreisen zur Verfügung gestellt. Die Jugendämter ermitteln im Rahmen ihrer zentralen Steuerungsfunktion und ihrer fachlichen Gesamtverantwortung als Jugendhilfeträger in Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden den Ausbaubedarf und stellen eine Prioritätenliste auf.

Die dem Landkreis jährlich zur Verfügung stehenden Gelder werden dann auf Antrag investitionswilliger Träger von Kindertageseinrichtungen je nach Bedarf und Priorität im Rahmen einer 90-prozentigen Förderung weiter geleitet.

2008 und 2009 erhält der Vogelsbergkreis fast 2,2 Millionen Euro aus Berlin

Der Vogelsbergkreis wurde in diesem Jahr mit 877.447 Euro ausgestattet. Folgende Träger können noch in diesem Jahr mit Geld aus Berlin rechnen: Ev. Kirchengemeinde Ulrichstein (75.000 für Anbau an Kindergarten), Ev. Kirchengemeinde Angersbach (195.000 für Anbau an Kindertagesstätte), Ev. Kirchengemeinde Landenhausen (45.000 für Kindergartenumbau), Gemeinde Grebenhain (195.000 für Anbau an Kindertagesstätte), Stadt Lauterbach (34.063 für Umbau einer Kindergartengruppe in eine Krippengruppe) sowie Stadt Schotten (333.383 für Anbau an Kindertagesstätte). Für das Jahr 2009 wurden dem Vogelsbergkreis bereits weitere knapp 1,3 Millionen Euro aus dem Bundesinvestitionsprogramm in Aussicht gestellt, mit denen weitere Bauprojekte gefördert werden können.

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