Heidelberg. Geburt und Tod sind feste Bestandteile des Lebens. Früher starben Menschen so gut wie immer zu Hause im engen Kreis der Familie, schrittweise erfolgte der Abschied vom Verstorbenen durch die Totenwache, immer schloss sich nach der Bestattung eine Trauerzeit an. Dadurch setzten sich alle Familienmitglieder ganz selbstverständlich mit dem Tod auseinander. Die moderne Gesellschaft distanziert sich lieber vom Sterben und Tod; die Menschen heute verdrängen gerne alles, was mit unheilbarer Krankheit und dem Lebensende zu tun hat.
In der Folge stellen sich unweigerlich Unsicherheit oder Ängste ein – bei Betroffenen und den Angehörigen. Doch was ist richtig oder falsch, wenn es um die bestmögliche Sterbebegleitung geht? Welche Schritte sollte jeder vorsorglich – also noch in Zeiten bester Gesundheit gehen? Und wie legt man gemeinsam mit seinen Angehörigen fest, wie der Weg zum eigenen Lebensende aussehen soll? All diesen Fragen widmet sich Thomas Sitte in dem kürzlich erschienenen Springerbuch Vorsorge und Begleitung für das Lebensende.
„Nicht verwunderlich ist für mich, dass der Büchermarkt unzählige Ratgeber zur glücklichen Geburt bereithält; hingegen findet der Interessierte kaum Lektüre für das Lebensende“, stellt Thomas Sitte fest. Er führt weiter aus: „Auch wenn der moderne Mensch sich natürlich viel lieber mit den angenehmen Seiten des Lebens beschäftigt, sollte er dabei nicht außer Acht lassen, dass keiner von uns an dem Prozess des Sterbens vorbeikommt. Warum setzen wir uns also nicht rechtzeitig mit der aktiven Steuerung unserer letzten Lebensphasen auseinander? Wir sollten unserem persönlichen Umfeld klare Vorstellungen zu unserem Sterben mitteilen“, fordert der Palliativmediziner. In seinem kürzlich erschienenen Ratgeber stehen vier Personen für vier unterschiedliche Lebens- und Krankheitsverläufe.
Anhand ihrer Beispiele zeigt der Fachmann verständlich und einfühlsam zugleich, wie jeder einzelne in noch gesunden Zeiten zum Beispiel mittels Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung die bestmögliche Vorsorge für das eigene Lebensende oder das seiner Angehörigen treffen kann. Er erklärt, mit welchen Methoden Erkrankte durch Zeiten der Unsicherheit kommen, solange die Schwere der Erkrankung noch nicht bekannt ist. Und er beschreibt wie Symptome, die im Laufe einer schweren Erkrankung auftreten können, wie beispielsweise Schmerzen, Atemnot, Ängste oder Wundliegen effektiv behandelt werden können. Wenn dann die kurative – also die heilende Therapie – an ihre Grenzen stößt, sollte das persönliche Umfeld bereits Kenntnis darüber haben, wie der Weg zum eigenen Lebensende aussehen soll.
Wie können die moderne Apparatemedizin und die Palliativmedizin den Sterbenden in den letzten Monaten und Wochen unterstützen und wie lässt sich das Warten auf den Tod überhaupt ertragen? Wie können Hinterbliebene in der Zeit danach, die geprägt ist von Trauer, Einsamkeit und Erinnerung, Rat und Trost finden? Antworten auf diese Fragen gibt der Ratgeber.
Sitte diskutiert in diesem Zusammenhang auch Themen wie „Sterbehilfe“, Sterbenlassen und Selbsttötung.
Thomas Sitte ist Facharzt für Anästhesiologie und Palliativmedizin und Spezielle Schmerztherapie. Der renommierte Experte setzt sich als Vorsitzender der Deutschen PalliativStiftung dafür ein, die Palliativ- und Hospizversorgung auszubauen, im Sinne eines würdevollen Sterbens ohne unnötiges Leiden und Schmerzen. Als Palliativmediziner hat er so viele hundert Menschen in Deutschland in den Tod begleitet.
Thomas Sitte
Vorsorge und Begleitung für das Lebensende
2015, 218 S., 30 Abb. davon 29 in Farbe
Softcover € 19,99 (D) | € 20,55 (A) | sFr 25,00 (CH)
ISBN 978-3-662-44346-0
Auch als eBook verfügbar