Flieden. Vor über 5 Jahren am 23. Juni 2009 hat die Gemeindevertretung auf Antrag der SPD-Fraktion mit Ergänzungsantrag der CDU-Fraktion interfraktionell beschlossen, sogenannte Stolpersteine zum Gedenken an die in Flieden lebenden jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die durch das Nazi-Regime auf grausame Art und Weise deportiert und umgebracht wurden.
Der damalige Beschluss lautete:
Die Gemeindevertretung bittet den Gemeindevorstand, im Benehmen mit dem Heimatverein Flieden eine Auflistung aller in Flieden und seinen Ortsteilen bekannten Persönlichkeiten zu erstellen, die aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit, ihres Glaubens oder ihres Widerstandes gegen das Nazi-Regime verfolgt, gefangen genommen, verschleppt, hingerichtet oder auf andere grausame Art und Weise getötet wurden. Im Rahmen einer festgelegten Reihenfolge sollte Zug um Zug eine pflastersteinartige Messingplatte mit dem Namen und weiteren persönlichen Daten erstellt und am letzten Wohnort bzw. der letzten freien Wirkungsstätte in dem davor vorbeiführenden Gehweg nach dem Muster und der Vorgabe eines „Stolpersteins nach dem Künstler Gunter Demning eingelassen werden. Über geeignete Quellen – z.B. die Jüdische Gemeinde in Fulda – sind ggf. die für die Gedenktafeln erforderlichen Daten zu recherchieren.
Zur Finanzierung der einzelnen „Stolpersteine“ sollen Sponsoren gefunden werden (95 EUR /Stein). Abstimmung: dafür: 21 dagegen: 0 Enthaltungen: 0
„Nachdem bis zum Bürgermeisterwechsel am 1. Juli 2010 die erforderlichen Daten zusammengetragen waren, sagte der Nachfolger von Winfried Kress (SPD), der amtierende Bürgermeister Christian Henkel (CDU) zu, am 9. November 2011 den Vertreterbeschluss umzusetzen. Dies geschah leider nicht. Auch in 2012 wurden keine Stolpersteine verlegt. Auf eine entsprechende Erinnerungs-Mail von mir Anfang November 2012 erhielt ich erneut eine Zusage von Bürgermeister Henkel, eine Verlegung der Stolpersteine für den 9. November 2013 vorzusehen“, so SPD-Fraktionsvorsitzender Winfried Möller wörtlich.
Doch auch im November 2013 erfolgte keine Verlegung der ersten beiden Stolpersteine für die aus Flieden direkt deportierten jüdischen Mitbürger Hilda und Markus Goldschmidt, die in der Hinzergasse nahe der Judenschule und der ehemaligen Synagoge, der heutigen evangelischen Kirche gewohnt haben.          Wie Möller weiter ausführt, würden der Gemeinde nicht einmal Kosten entstehen, da die Kosten von jeweils ca. 100 Euro für die beiden ersten Stolpersteine von dem ehemaligen Vorsitzeden Winfried Stey und ihm selbst übernommen würden.
„Wir sind verwundert darüber, dass Bürgermeister Henkel und seine CDU-Mehrheit im Gemeindevorstand und in der Gemeindevertretung diesem für die Aufarbeitung und für die Nachwelt deutlich sichtbaren so enorm wichtigen Thema, wie die Geschichte Fliedens in der Nazi-Zeit, zu wenig Engagement an den Tag legen“, betont Möller. “Ich hoffe, dass die in der jüngsten Gemeindevertretersitzung am 15. Oktober mir gegenüber erneute Zusage von Bürgermeister Henkel endlich im Jahr 2015 spätestens am 9. November 2015 in die Tat umgesetzt wird“.
Von den in Flieden geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des “Gedenkbuches – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945”): Emilie Baruch geb. Katz (1890), Ruth Baruch (), Betty Baum geb. Katzenstein (1896), Jeanette Casparius geb. Katzmann (1870), Joh. Ehrenfeld geb. Katzmann (1872), Hilda Goldschmidt geb. Stern (1882), Markus Goldschmidt (1880), Frieda Hess geb. Katz (1900), Jakob Jakob (1899), Paula Jakob geb. Katzmann (1901), David Katzmann (1895), Leopold Katzmann (1887), Helene Zerline Klein geb. Stern (1868), Elli Löwenstein geb. Wallach (1909), Isidor Seliger (1881), Johanna Seliger (1879), Berta Sonn geb. Katzmann (1885), Max Stern (1908), Dr. Moses Stern (1881, Lehrer in Köln), Salomon Stern (1864), Theresa Weihl geb. Katzmann (1866), Lina Weinschenk geb. Stern (1886), Jeanette Werthan (oder Wortnan) geb. Goldschmidt (1885).
Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständig