Petersberg. „Was kommt, wenn Familie geht – und Vater Staat nicht lieben kann?“ Mit ihrer vehementen Kritik an der derzeitigen Familienpolitik sorgte Publizistin Birgit Kelle für einen spannenden Diskussionsabend im RÜBSAM Weiterbildungszentrum (WBZ) in Petersberg anlässlich der RÜBSAM Vortragsreihe „Menschen, die etwas zu sagen haben“. „Fakt ist: Immer mehr Familien laufen aus dem Ruder oder werden erst gar nicht gegründet, weil Frauen aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sind, arbeiten zu gehen.“
Die aus Talkshows wie Maybrit Illner, Beckmann oder Menschen bei Maischberger bekannte Journalistin und vierfache Mutter kämpft seit Jahren klug, erfrischend und manchmal auch ziemlich wütend für mehr Wahl- und Entscheidungsfreiheit junger Mütter und ihre gesellschaftliche Anerkennung. „Unternehmer, Politik und Gesellschaft müssen Frauen selbst entscheiden lassen, ob sie ihre Kinder zuhause großziehen oder in die Fremdbetreuung geben. Diese Wahlmöglichkeit existiert aber nur auf dem Papier, weil es heute kaum mehr möglich ist, Kinder in einem Ein-Verdiener-Haushalt großzuziehen, ohne an die Armutsgrenze zu rutschen.“
Ursache hierfür sei die aktuelle Familienpolitik, die zur Arbeitsmarktpolitik verkommen sei, mit dem einzigen Ziel, den Frauenerwerbsanteil zu erhöhen. „Wir haben mit teuren Ersatzstrukturen wie Ganztags- oder gar 24-Stunden-Kitas und Nachmittagsbetreuung für Schulkinder ein Anreizsystem geschaffen, unsere Kinder nicht mehr selbst großzuziehen. Die familiäre Verantwortung wird in eine professionelle Dienstleistung ausgelagert. Es wird Zeit, endlich wieder in das Original zu investieren: In die Familie aus Vater, Mutter und Kindern“, meint Birgit Kelle. Auch die Medien spielten ihrer Ansicht nach hier eine große Rolle: „Früher gab es sogar eine eigene Fernsehsendung mit dem Namen ,die glückliche Familie‘. Heute gibt es kaum einen TV-Kommissar im ,Tatort‘ mehr, der in einer intakten Familie lebt, und die normalste Familie im Fernsehen sind noch ,die Simpsons‘“, formuliert die Journalistin mit spitzer Zunge.
Keine Frage, dass solche Thesen für Diskussionsstoff unter den rund 200 Besuchern des Vortrags sorgten – darunter auch viele namhafte Gäste wie Petersbergs Bürgermeister Karl-Josef Schwiddessen, Markus Röhner und Susanne Hahn vom R + S Vorstand, Perspektiva-Geschäftsführer Michael Becker, Marco Rausch von der Kanzlei Rausch, Zeiger & Partner, Manfred Gerhard vom Vorstand der VR Genossenschaftsbank Fulda oder Opel Fahr Geschäftsführer Reinhard Kolb.
„Familienfreundlichkeit spielt in unserem Unternehmen eine wichtige Rolle“, betont Erhard Rübsam, Geschäftsführender Gesellschafter von RÜBSAM Fachkräfte. „Daher hat es mich besonders gefreut, solch eine renommierte Sprecherin bei uns zu haben. Es ist mutig, in der heutigen Zeit eine eigene Meinung zu haben und diese auch kundzutun.“
Birgit Kelle ist Vorsitzende des Vereins „Frau 2000plus e. V.“ und einzige Deutsche im Board der „New Women for Europe“ (NWFE), eines europaweiten Zusammenschlusses von Frauen- und Familienverbänden. Außerdem ist sie die stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes Familienarbeit e. V. und Sprecherin des Bündnisses „Rettet die Familie“. Auch in Zukunft bietet RÜBSAM Fachkräfte impulsstarke Publikumsgespräche mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Termine unter www.weiterbildungszentrum-wbz.de