
Die Saxophonisten haben keine festen Probetermine. Katrin Brähler, Marion Frohnapfel, Thomas Fischer und Christoph Noll (v.l.) üben gemeinsam, wenn ein Auftritt ansteht. Es fehlt Jessica Süss. / Foto: G. Diener
Fulda. In der Kreisverwaltung sind sie Kollegen. Doch gäbe es die Musik nicht, würden sie sich vielleicht nicht einmal persönlich kennen. Katrin Brähler, Marion Frohnapfel, Jessica Süss sowie Christoph Noll und Thomas Fischer sind passionierte Hobbymusiker. Und gemeinsam sind sie der Saxophon-Satz der Amtskapelle des Landkreises.
„Uns eint einfach die Liebe zum Instrument – Saxophon ist so vielseitig, es gibt nichts Schöneres “, sagt Katrin Brähler lachend und erntet zustimmendes Kopfnicken der anderen. Beruflich hingegen sind die fünf Instrumentalisten in sehr unterschiedlichen Bereichen der Verwaltung tätig.
Katrin Brähler beschäftigt sich „den ganzen Tag mit Zahlen“. Die 36-Jährige aus Petersberg arbeitet in der Buchhaltung des Landkreises. Christoph Noll ist im Kreisjobcenter Ansprechpartner für Arbeitgeber, die neue Mitarbeiter suchen. Marion Frohnapfel leitet den Fachdienst Schulen: „Ich bin für die äußere Schulverwaltung der 68 Kreisschulen zuständig. Das reicht von Schulentwicklungsplänen, über die Budgetverantwortung für rund zwölf Millionen Euro bis hin zur Verantwortung für elf Mitarbeiter im Fachdienst sowie 65 Schulsekretärinnen.“ In der IT-Abteilung des Landkreises ist der 53-jährige Thomas Fischer aus Künzell beschäftigt: „Ich sorge dafür, dass die Telefone reibungslos funktionieren und die kreiseigenen Schulen technisch modern ausgestattet sind.“ Die 29-jährige Jessica Süss aus Fulda studiert neben ihrer Tätigkeit für die Jugendförderung des Landkreises, wo sie für die internationale Jugendarbeit zuständig ist, noch an der Universität Kassel das Fach „Sozialpädagogik in Fort-, Aus-, und Weiterbildung“.
Doch obwohl sie beruflich so weit auseinanderliegen, musikalisch blicken sie oft auf einen ähnlichen Werdegang. Alle fünf haben sich in ihrer Freizeit bereits meist seit Jahrzehnten dem Musizieren verschrieben. Von den ersten Anfängen auf der fast schon obligatorischen Blockflöte kamen sie meist über die Klarinette zum Holzblasinstrument aus Blech. „Oft wählt man ja auch das Instrument, was in der Besetzung des Heimatvereins noch fehlt“, erzählt Christoph Noll mit einem Augenzwinkern. Und in den Reihen dieser Heimatkapellen sind vier der fünf Musiker heute noch zu finden: Marion Frohnapfel spielt in der Musikkapelle Nüsttal, Christoph Noll beim Musikzug „Wilhelm Tell“ Hünfeld, Jessica Süss bei den Bimbacher Musikanten und Thomas Fischer unterstützt gleich zwei Formationen – den Reservistenmusikzug Hessen und den Musikverein Mittelrode.
Die zum Teil sehr zeitintensiven Hobbys, die das Spielen bei Festzügen, in Festzelten und zu besonderen Anlässen bedeuten, sehen die Instrumentalisten als „Ausgleich zur Arbeit“. Und trotzdem spielen sie auch noch mit Arbeitskollegen in der Amtskapelle: „Wir haben einfach einen Heidenspaß miteinander“, erzählt Christoph Noll, und Thomas Fischer ergänzt: „In den Proben wird gefrotzelt – miteinander übereinander.“ Dabei gibt es für die 25-köpfige Amtskapelle, die beim Oktoberfest der Senioren, Weihnachtsfeiern, wichtigen Geburtstagen und Abschieden verdienter Mitarbeiter aufspielt, keine festen Probentermine. Stattdessen wird geübt, wenn ein Auftritt ansteht – meist in den Räumen der VHS oder gerne mal in der Waschhalle, wo ansonsten Fahrzeuge gewaschen werden, und, wie Katrin Brähler, sagt: „Die Akustik besonders gut ist.“
Und obwohl Musik eigentlich nichts mit ihren jeweiligen Berufen zu tun hat, kommen doch die dort benötigten Fähigkeiten auch ihrem Arbeitsalltag zugute: „Teamfähigkeit braucht man natürlich“, sagt Marion Frohnapfel. „Und, dass man mit Ausdauer an einer Sache dranbleibt und sich Stück für Stück erarbeitet“, ergänzt Thomas Fischer. Doch während der Erfolg im Job nur schwer messbar ist, bekommt man beim Auftritt als Musiker eine direkte Rückmeldung: „Denn eigentlich macht man Musik ja nicht nur für sich sondern auch für andere“, erklärt Christoph Noll. Und Katrin Brähler ergänzt: „Die gute Stimmung im Festzelt und der Applaus des Publikums ist dann unser Lohn.“