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Alleinerziehende tragen höheres Arbeitsmarktrisiko

Frankfurt. Geschlechtsspezifische Analysen des Arbeitsmarktes, der Bruttojahresverdienste und neuerdings der Einkommens- und Steuerlastverteilung (DIW 2014) weisen immer noch deutliche Differenzen zwischen Frauen und Männern auf. Dennoch ist festzustellen, dass sich die Arbeitsmarktintegration von Frauen in den letzten Jahren verbessert hat: Zum Beispiel stieg die Beschäftigungsquote binnen zehn Jahren um fast fünf Prozentpunkte an.  Insbesondere Alleinerziehende sind am Arbeitsmarkt mit besonderen Herausforderungen und Schwierigkeiten konfrontiert, wie eine neue Studie des IAB Hessen zeigt.
 
Alleinerziehende in Hessen – Höhere Risiken der Hilfebedürftigkeit

Aktuell leben in Hessen etwa 107.000 Familien mit nur einem Elternteil und Kindern unter 18 Jahren. Dies ist fast jede fünfte Familie. Die Gruppe der alleinerziehenden Personen ist in den Jahren 1996 bis 2012 um 27 Prozent gestiegen. Der Zuwachs fiel so verglichen mit dem bundesdeutschen Niveau (+23,2 Prozent) deutlich höher aus. Nahezu 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen.

Alleinerziehende weisen im Vergleich zu anderen Familienformen eine höhere Armutsgefährdungsquote und Hilfebedürftigkeit auf. Die Anzahl sowie das Alter der Kinder beeinflusst die Hilfebedürftigkeit. Es gilt: Je höher die Anzahl der Kinder ist und je niedriger das Kindesalter, desto höher das Bedürftigkeitsrisiko der Ein-Eltern-Familien. Die Bezugsdauer von Transferleistungen vollzieht sich ebenfalls bei Alleinerziehenden über einen längeren Zeitraum als bei anderen Haushaltstypen.

Schwierige Arbeitsmarktintegration

Alleinerziehende sind von Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich betroffen. Zwar ist die Arbeitslosigkeit alleinerziehender Frauen in Hessen in den letzten Jahren zurückgegangen (-18 Prozent); die Abgangsstruktur zeigt allerdings, dass Alleinerziehende von den positiven Entwicklungen der sinkenden Arbeitslosenzahlen und gestiegenen Erwerbstätigkeit unterproportional profitieren. Hinzu kommt das niedrige Qualifikationsniveau, das die Arbeitsmarktintegration alleinerziehender Mütter besonders aus dem SGB II-Bereich erschwert. 62,6 Prozent aller weiblichen arbeitslosen Alleinerziehenden hatten so 2013 keine Ausbildung abgeschlossen. Im Vergleich dazu waren es 25 Prozent im SGB III. Gleichzeitig ist Langzeitarbeitslosigkeit ein weiteres Merkmal dieser Personengruppe. Rund 17.300 Alleinerziehende waren 2013 in Hessen arbeitslos gemeldet, davon 15.100 im SGB II.
 
Erwerbstätigkeit von Alleinerziehenden

In Hessen gingen 2013 78.400 Alleinerziehende einer Erwerbstätigkeit nach. Der Anteil der erwerbstätigen Alleinerziehenden an allen Alleinerziehenden betrug somit rund 73 Prozent. Die Vollzeitquote der alleinerziehenden Mütter lag zuletzt bei rund 45 Prozent (Bund: 44,2 Prozent; Westdeutschland: 40,7 Prozent), die Teilzeitquote bei rund 54 Prozent. Im Vergleich dazu betrug die Teilzeitquote von Müttern in Ehen etwa 76 Prozent.

Qualifikationsdefizite abbauen und der Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder sind zwei Möglichkeiten, um die Situation Alleinerziehender zu verbessern, sagt Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen:

„Ein weiterer Ausbau der Kinderbetreuungsangebote und das nicht für unter dreijährige Kinder, sondern zum Beispiel auch während der gesamten Grundschulzeit, könnte eine Verbesserung der Beschäftigungs- und Einkommenssituation für diese Personengruppe bedeuten. Dazu gehören auch flexible Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen, die sich nach den Arbeitszeiten der erwerbstätigen Mütter richten und so eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.“

Aber auch die betriebliche Teilzeitberufsausbildung sieht er als eine Alternative für Alleinerziehende: „ Aufgrund der verkürzten wöchentlichen Ausbildungszeit können Alleinerziehende ihr Qualifikationsdefizit abbauen und das eigene Armutsrisiko mindern. Hier braucht es Arbeitgeber, die diesen Weg mitgehen und familienfreundliche Betriebsstrukturen aufbauen. Zum Beispiel durch alternative Arbeitszeitmodelle oder Telearbeit.“

Zusammengefasst stehen Alleinerziehende in besonderem Maße vor der Herausforderung, Beruf und Familie zu vereinbaren. Die ungünstigere sozioökonomische Situation wird durch die alleinige Verantwortung ein ausreichendes Haushaltseinkommen ohne Unterstützung eines Partners zu sichern und gleichzeitig eine entsprechende Betreuungsaufsicht für ihre Kinder zu finden, bestimmt.

Frauen und Männer am Arbeits- und Ausbildungsmarkt 2013
 
Der jährlich erscheinende Genderbericht der Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt beleuchtet zusätzlich die geschlechtsspezifischen Entwicklungen auf dem hessischen Arbeitsmarkt. Die wichtigsten Ergebnisse:

Steigende Arbeitsplatzgewinne durch Teilzeitbeschäftigung von Frauen
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Hessen hat in den letzten zehn Jahren stetig zugenommen; von 2.144.263 im Juni 2003 auf 2.314.732 im Juni 2013. Die Arbeitsplatzgewinne resultierten dabei in den letzten Jahren vor allem aus der Zunahme der Teilzeitbeschäftigten. Obwohl sich die Zahl teilzeitbeschäftigter Männer seit 2003 stetig erhöht hat, betrifft Teilzeit in größerem Maße Frauen. Gingen 2003 noch 5,6 Prozent aller erwerbstätigen Männer in Hessen einer Teilzeitbeschäftigung nach, waren es 2013 bereits 9,5 Prozent. Dem gegenüber stehen Frauen mit einem Anteil von 45,1 Prozent (2003: 33,2 Prozent). Die Beschäftigungsquote von Frauen lag 2013 in Hessen bei 49,8 Prozent, die der Männer bei 57,2 Prozent.

Frauen häufiger geringfügig beschäftigt
2013 waren 506.418 Frauen und Männer unter 65 Jahren geringfügig beschäftigt. 321.288 haben ausschließlich eine geringfügige Beschäftigung ausgeübt. Davon waren über zwei Drittel (68,2 Prozent oder 219.000) Frauen. Die Zahl der Personen, die neben einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit eine geringfügige Beschäftigung ausüben, ist seit 2003 um über 140 Prozent gestiegen und lag im Juni 2013 bei 185.130 Personen.
 
Frauen stärker von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen
Die Arbeitslosigkeit in Hessen lag 2013 im Jahresdurchschnitt bei 5,8 Prozent (5,8 Prozent Frauen, 5,9% Männer). Frauen waren stärker von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen: 38,5 Prozent; bei den Männern sind es 34,3 Prozent. Berufsrückkehr und Arbeitslosigkeit betrifft ebenfalls überwiegend Frauen, 2.298 Menschen in Hessen waren nach der Familienphase arbeitslos gemeldet, davon 2.201 Frauen.

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